c't 17/2016
S. 16
News
Darknet

Waffen aus dem Darknet

Wie schwer war es für den Münchener Attentäter, sich eine illegale Waffe im Netz zu kaufen?

Der Münchener Amokschütze hatte seine Glock nach Erkenntnissen der Polizei aus dem sogenannten Darknet. Die Spur führt in ein Untergrund-Forum im Tor-Netz und zu einem Nutzer namens Maurächer.

Das bayrische Landeskriminalamt geht davon aus, dass David S., der in München neun Menschen und dann sich selbst mit einer Glock 17 erschoss, die Waffe illegal im Internet gekauft hat. Laut LKA belegen dies „Chatprotokolle aus dem Darknet“. Die Seriennummer der Waffe wurde ausgefeilt, über ein noch vorhandenes Beschusszeichen von 2014 habe man allerdings herausgefunden, dass die Glock zur Verwendung als Theaterwaffe in Deutschland deaktiviert worden sei. Ein Prüfzeichen deutet darauf hin, dass sie später in der Slowakei für die Verwendung von scharfer Munition reaktiviert wurde.

Mit einer solchen Glock 17 tötete der Münchener Amokschütze neun Menschen und sich selbst. Er soll die Waffe illegal im Internet gekauft haben.

Forum im Tor-Netz

Die Spur führt zu einem anonymen Internetnutzer mit dem Pseudonym Maurächer, der in einem Untergrund-Forum zuerst einen geknackten Packstation-Zugang kaufte und dann intensiv nach einer Glock 17 suchte. Geknackte Packstation-Zugänge werden häufig dazu verwendet, illegale Warenlieferungen aus dem Netz zu empfangen, ohne Spuren zu hinterlassen (siehe c’t 14/16, S. 28). Das Timing seiner Waffensuche, des Kaufs des Packstation-Zugangs und die Tatsache, dass Maurächer kurz vor dem Münchener Anschlag von der Bildfläche verschwindet, deuten darauf hin, dass der anonyme Nutzer und David S. ein und dieselbe Person sind. Weniger als einen Monat vor dem Amoklauf wurde in dem Untergrund-Forum anscheinend eine Glock 17 erfolgreich verkauft, allerdings ist nicht öffentlich einsehbar, an welchen Nutzer. Es könnte Maurächer gewesen sein.

Das entsprechende Forum ist als Hidden Service im Anonymisierungs-Netz Tor gehostet, was nicht nur die Anonymität der Nutzer schützt, sondern auch die der Betreiber. Es lässt sich allerdings durchaus mit herkömmlichen Suchmaschinen finden.

Lange Wartezeit, viel Frust

Bei dem Pseudonym Maurächer könnte es sich um eine Darknet-Identität des Attentäters gehandelt haben. Viele Details passen zusammen.

Die Foren-Postings zeigen deutlich, welche Probleme Maurächer dabei hatte, eine Waffe nach seinen Vorstellungen zu kaufen. Er beschwert sich über monatelange Wartezeiten und betrügerische Verkäufer. Das deckt sich mit der Einschätzung der Ermittlungsbehörden. Es seien viele Betrüger auf den illegalen Marktplätzen unterwegs. Auch die Preise stellen eine Hürde dar: Aktuelle Angebote für das von Maurächer gesuchte Glock-Modell liegen zwischen 2000 und 2500 Euro. Zum Vergleich: Eine legal erworbene Glock 17 kostet um die 650 Euro.

Im Allgemeinen wird das Angebot an illegalen Waffen im Darknet von den Ermittlern nüchtern betrachtet. Die Situation ist weit weniger bedrohlich als oft dargestellt, so jedenfalls der Tenor des BKA. Die illegal angebotenen Waffen werden augenscheinlich häufig als deaktivierte Dekorationswaffen legal erworben – entsprechende Internet-Versandseiten liefern auch nach Deutschland. Kriminelle reaktivieren die Waffen dann verbotenerweise wieder und verkaufen sie weiter. Auch im öffentlich erreichbaren Internet finden sich dafür eine ganze Reihe von Anleitungen. Das entsprechende Werkzeug ist allerdings schwerer zu finden. (fab@ct.de)

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