c't 20/2016
S. 86
Hintergrund
Mobile Health
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Lebensretter

Telemedizin im Einsatz auf See

Seit mehr als 150 Jahren rücken Schiffe der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger aus, um Menschen in Seenot zu helfen. Einige der Seenotkreuzer sind mit einem Telemedizin-System ausgestattet, das Spezialisten des Unfallkrankenhauses Berlin als virtuelle Notärzte an Bord holt.

Rostock-Warnemünde im September 2016. Es ist Wahlsonntag. Viele Bürger verbinden den Urnengang mit einem Bummel durch das idyllische Ostseebad: Geschäfte und Supermärkte haben geöffnet, auf den Café- und Restaurant-Terrassen bleibt kaum ein Platz frei.

An ihrem Liegeplatz am Alten Strom, kurz vor dem Warnemünder Leuchtturm, ist die Arkona vertäut. Der Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gehört zur 27,5-Meter-Klasse und ist eines von drei Schiffen der DGzRS, die mit dem Telemedizin-System AescuLink ausgestattet sind. Deswegen sind wir hier.

Aufgabe: Leben retten

„Kommen Sie an Bord“, ruft uns Vormann Mario Lange zu. Vormann ist auf DGzRS-Schiffen die Bezeichnung für Kapitän. Außer Lange gehören an diesem Sonntag noch drei Männer zur Besatzung der Arkona: Matthias Hecht (Maschinist und Steuermann), Uwe Engelke (Maschinist) und Andreas Ott (Freiwilliger).

Der Seenotkreuzer Arkona der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ist in Rostock-Warnemünde stationiert. Die vierköpfige Schiffsbesatzung bleibt jeweils zwei Wochen an Bord und ist in fünf Minuten zum Auslaufen bereit.

Die Mannschaft ist jeweils vierzehn Tage im Dienst und wird anschließend von einem zweiten Vierer-Team abgelöst. Während der Dienstzeit ist der Seenotkreuzer nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensmittelpunkt: An Bord wird geschlafen, gekocht, die Freizeitgestaltung findet ebenfalls dort statt.

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