c't 21/2016
S. 34
News
Googles Messenger Allo

Googles Hintertür

Smarter Messenger Allo mit Assistent

Googles neuer Messenger Allo, der als App für Android und iOS erschienen ist, weiß zu gefallen, sein Assistent setzt Maßstäbe. Er soll jeden Android-Nutzer erreichen können – selbst, wenn dieser Allo nicht installiert hat.

Allos Assistent liefert Informationen auf Zuruf.

Do you like to exercise?“ „I spend my days surfing the web.“

Schlagfertig ist er, der Assistent in Googles Messenger Allo. Auf etliche solcher Spaßfragen hat er eine Antwort para. Der Assistent kommt aber nicht nur sympathisch rüber, er ist auch ungemein nützlich. Egal, ob man wissen will, wie der Lieblingsverein gespielt hat oder wie hoch der Burj Khalifa ist: Der Assistent gibt die Antwort. Da er in die anderen Google-Dienste hineinschauen kann, liefert er auf Zuruf auch die neuesten Gmail-Betreffzeilen und die Agenda der nächsten Tage.

Der Benutzer kann direkt mit dem Assistenten chatten oder ihn mit @google in eine Konversation einbeziehen. Wer mit Freunden den Kinoabend plant, kann ihn also schnell mal das Programm und die Zeiten nachschlagen lassen, ohne dass jemand dafür den Chat verlassen muss. Derzeit spricht der Assistent nur Englisch, Deutsch soll „bald“ folgen. In den nächsten Monaten soll er noch in weitere Google-Apps einziehen.

Schön bunt

Auch die anderen Funktionen machen Spaß: die Möglichkeit, zu schreien oder zu flüstern, indem man die Schrift vergrößert oder verkleinert, ein großer Fundus an Emojis und Stickern, Sprachnachrichten, Standort und YouTube-Videos teilen, Gruppenchats, Fotos vor dem Versenden bemalen. Allo soll mit der Zeit vom Verhalten des Nutzers lernen und ihm darauf basierend Vorschläge für schnelle Antworten machen können, sogenannte Smart Replies.

Der Messenger beherrscht auch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – auf Nachfrage. Diese beißt sich allerdings mit den intelligenten Funktionen. Die hinter Allo stehende künstliche Intelligenz kann nur dazulernen, wenn sie möglichst viel über den Anwender weiß. Daher speichert Google Konversationen standardmäßig in der Cloud und wertet sie aus. Die Konversationen lassen sich aber wieder löschen. Einen privaten, verschlüsselten Inkognito-Chat muss der Anwender veranlassen. US-Whistleblower Edward Snowden nannte Allo daher auf Twitter „Google-Überwachung“ und empfahl unmissverständlich: „Don’t use Allo.“

Weiterer Kritikpunkt: Im Vergleich zur Konkurrenz fehlt dem Messenger vor allem eine Desktop-Version. Allo ist derzeit nur für Android und iOS verfügbar. Allo vergrößert zudem das Messenger-Wirrwarr unter Android. Es gibt jetzt alleine von Google vier Messenger: Die SMS-App Messenger, Hangouts, den kürzlich vorgestellten Video-Messenger Duo und jetzt Allo.

Nachrichtenzentrale

Allo ist ein weiterer Versuch Googles, auf dem wichtigen Feld „Messaging“ Boden gut zu machen. Vier Tage nach seiner Veröffentlichung war Allo im Play Store eine Million mal heruntergeladen worden – das ist wenig im Vergleich zu den einer Milliarde Nutzern von WhatsApp und dem Instant Messenger von Facebook.

Man darf davon ausgehen, dass Google die Android-Nutzer daher früher oder später mit Allo zwangsbeglücken wird. Dennoch ist zu bezweifeln, dass das für eine signifikante Vergrößerung des Marktanteils ausreichen wird. Das ist vielleicht auch gar nicht nötig, weil Google im Zuge der Vorstellung von Allo eine Neuerung von Android vorgestellt hat, die den Messenger-Markt stark umkrempeln könnte.

Man kann mit Allo Android-Nutzern Nachrichten senden und Antworten empfangen, ohne dass diese den Messenger installiert haben. Möglich macht das eine neue Android-Funktion namens App Preview Messaging. Auf seiner Entwickler-Seite hat Google angekündigt, App Preview Messaging als Funktion seiner Google Play Services für die Entwickler anderer Messenger zu öffnen, ohne viele weitere Details zu nennen. Es sieht aber stark danach aus, dass Entwicklern anderer Messenger die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt: Entweder sie nutzen die neue Funktion nicht. Dann hätte Allo im direkten Vergleich ein sehr nützliches Alleinstellungsmerkmal. Oder sie nutzen sie – und stärken die Stellung von Android als Messaging-Gateway. (jo@ct.de)

Kommentieren