c't 22/2016
S. 100
Kaufberatung
Gaming-PCs
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Spielware

Desktop-PCs und Notebooks für Gamer

Damit der Spielspaß beim Zocken nicht durch Bildruckler oder lange Ladezeiten getrübt wird, muss ein Gaming-PC die passenden Hardware-Zutaten mitbringen. Worauf Sie beim Kauf eines neuen Rechners besonders achten müssen, zeigen wir anhand verschiedener Spiele-Genres.

Komplett-PCs und Notebooks für Gamer gibt es wie Sand am Meer. Welches System für Sie das richtige ist, entscheiden mehrere Faktoren: Außer vom Füllstand des eigenen Geldbeutels hängt das vor allem von der Display-Auflösung, der Spielegattung und der individuellen Nutzungsweise ab.

Der Einstieg in die Spielwelt beginnt mit rund 600 Euro für Desktop-Rechner, die zumindest fürs Zocken in 720p-Auflösung reichen. „Gaming-PCs“ für weniger Geld entpuppen sich meist nur als vermeintliches Schnäppchen, denn ihnen fehlt eine Grafikkarte, die das Prädikat „spieletauglich“ wirklich verdient. Die Karten schon kurz nach dem Kauf für mehrere Hundert Euro zu ersetzen lohnt in den allerwenigsten Fällen, zumal durch den Umbau die Herstellergarantie für das Komplettsystem entfällt.

Wer zwischen mehreren Wohnungen pendelt oder sich bei LAN-Parties die Sackkarre sparen will, fährt womöglich mit einem Notebook besser. Display und Tastatur sind dabei inklusive, die tragbaren Rechner kosten bei vergleichbarer 3D-Performance aber rund 50 Prozent mehr. Fehlkäufe sollten Sie dabei in jedem Fall vermeiden, denn lahme Komponenten lassen sich bei Notebooks im Nachhinein nicht gegen schnellere austauschen – Prozessoren und Grafikchips sind hier fest verlötet.

Das kostet ein Gaming-PC

Sowohl bei Desktop-Rechnern als auch bei Notebooks ist das Preisspektrum nach oben offen. Luxus-Systeme mit mehreren High-End-Grafikkarten etwa knacken leicht die 3000-Euro-Marke. Hier besteht allerdings die Gefahr, eine völlig übermotorisierte Zockermaschine anzuschaffen, die nicht nur mehr Geld kostet, sondern auch unnötig viel Strom frisst und ordentlich Lärm produziert.

Mindestausstattung

Anhand der eigenen Spielvorlieben lässt sich ableiten, welche Hardware der neue Rechner mindestens mitbringen sollte. Erste Hinweise liefern die Systemanforderungen für Prozessor, Grafikkarte, Arbeitsspeicher und Plattenplatz Ihrer bisherigen Spiele. Diese finden Sie unter anderem auf der DVD-Hülle oder der Webseite des Software-Publishers. Meist unterteilen die Hersteller diese in Mindestvoraussetzungen und empfohlene Ausstattung. Um für die wachsenden Performance-Ansprüche zukünftiger Spieltitel gerüstet zu sein, sollten Sie sich auf jeden Fall an der empfohlenen Ausstattung orientieren und im Zweifel einen Rechner mit einer leistungsstärkeren Grafikkarte auswählen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie in absehbarer Zeit mit dem Kauf eines neuen Monitors mit höherer Auflösung liebäugeln.

Selbst wer lediglich Casual Games wie „Sims 4“, ältere Shooter wie „Counter-Strike: Global Offensive“ oder den Dauerbrenner „World of Warcraft“ mit aktuellen Add-ons spielen will, sollte Grafikkarten wie die GeForce GTX 750 Ti, GeForce GTX 950 oder Radeon RX 460 einplanen. Mit diesen laufen die genannten Spiele bei gängiger Full-HD-Auflösung (1920 × 1080) in annehmbarer Qualität ruckelfrei.

Zudem gilt es darauf zu achten, dass der Rechner mit einen Quad-Core-Prozessor wie Athlon X4 845, Core i5-6400 oder bei Notebooks Core i5-6300HQ ausgestattet ist, denn viele moderne Spiele machen inzwischen Gebrauch von mehr als zwei Kernen. Bei Dual-Cores, vor allem solchen ohne Hyper-Threading wie Pentium und Celeron, kommt es sonst zu heftigen Einbrüchen der Bildrate, die einem den Spielspaß verderben [1].

Von Angeboten mit weniger als 8 GByte Arbeitsspeicher sollten Sie Abstand nehmen. Momentan kommen die ersten Spiele wie „Battlefield 1“ und „Deus Ex: Mankind Divided“ in den Handel, für die 16 GByte RAM empfohlen sind. Außer der Arbeitsspeichermenge nimmt auch der benötigte Platz auf Festplatte beziehungsweise Solid-State Disk zu: 50 GByte für ein Spiel stellt heute eher die Regel als die Ausnahme dar. Deshalb sind SSDs mit 128 oder 256 GByte Kapazität für einen Gaming-PC nicht mehr zeitgemäß. Festplatten bieten zwar fürs gleiche Geld mehr Kapazität als SSDs, man muss mit ihnen aber lange Ladezeiten bei Spielen in Kauf nehmen. Alternativ dazu gibt es Hybrid-Festplatten mit integriertem Flash-Speicher, die nahezu SSD-Geschwindigkeit bieten. Desktop-PCs, die diese Ausstattungskriterien erfüllen, bekommt man ab 700 Euro.

Mehr Pixel

Moderne Actionspiele wie „Deus Ex: Mankind Divided“ verlangen bei sehr hohen Qualitätseinstellungen eine leistungsfähige Grafikkarte mit mehr als 4 GByte Grafikspeicher. Bild: Square Enix

Je actionreicher ein Spiel ist, desto anspruchsvoller sind auch die Hardware-Anforderungen insbesondere an die Grafikkarte. Aktuelle Shooter wie „Battlefield 1“, das Action-Adventure „Mafia 3“ und das Echtzeitstrategiespiel „Ashes of the Singularity“ laufen in Full-HD-Auflösung mit hohen Details erst auf einer GeForce GTX 1060 oder Radeon RX 470 flüssig. Damit ausgestattete Gaming-Rechner kosten 900 Euro aufwärts. Vor dem Kauf sollten Sie auch einen Blick auf die Größe des Grafikspeichers werfen. Die 3-GByte-Variante der GeForce GTX 1060 ist für einige moderne Spiele wie „Rise of the Tomb Raider“ untermotorisiert. Mit 6 GByte GDDR5-RAM klettert die Performance um bis zu 20 Prozent [2].

Um für 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) oder kommende VR-Titel gerüstet zu sein, führt derzeit kein Weg an High-End-Komponenten vorbei. Für solche Ansprüche muss der Rechner eine GeForce GTX 1070 oder GTX 1080 mitbringen. Gaming-PCs mit diesen Karten kosten mindestens 1300 Euro.

Bei Full-HD- und WQHD-Auflösung (2560 × 1440) liefern diese Grafikkarten hohe Bildraten und passen deshalb zu Displays mit 120-Hz- und 144-Hz-Technik, die auch bei schnellen Bewegungen in der Spielewelt ein scharfes Bild anzeigen. Einige Monitore und Notebook-Displays können ihre Wiederholrate dynamisch an die Bildrate anpassen. Allerdings nutzen AMD und Nvidia mit Freesync und G-Sync jeweils eigene, nicht kompatible Verfahren [3]. So gibt ein bereits gekaufter Monitor die Grafikkarte vor und umgekehrt.

Überflüssiger Schnickschnack

Unter den Angeboten für Gaming-PCs tummeln sich auch viele mit unnützen Funktionen oder überdimensionierten Komponenten. Diese steigern nicht den Spielspaß, sondern den Profit des Herstellers. So kommen SLI- oder Crossfire-Verbünde mitnichten auf die doppelte 3D-Leistung. Stattdessen treiben sie den Energiebedarf und Preis in astronomische Höhen. Zudem treten bei Multi-GPU-Systemen oft störende Mikroruckler auf.

Ebenfalls unnötig für einen aktuellen Spielerechner sind Prozessoren mit sechs, acht oder zehn Kernen. Nur die allerwenigsten Titel machen von mehr als vier Kernen Gebrauch. Deshalb ist ein Quad-Core-Rechner mit stärkerer Grafikkarte zum gleichen Preis die bessere Wahl. Einige Hersteller werben mit Netzwerkchips der Firma Killer, die den Prozessor entlasten und die Latenzen beim Online-Spielen reduzieren sollen. Das bringt in der Praxis nichts: Moderne CPUs bieten ausreichend Leistungsreserven für Netzwerkfunktionen. Außerdem entfällt der Hauptteil der Latenz auf die Internetanbindung und auf die hat der Netzwerkchip keinen Einfluss.

Anhand der genannten Kriterien und Ihrer eigenen Spielgewohnheiten sollten Sie abschätzen, wie viel Geld Sie mindestens für einen neuen Gaming-PC ausgeben müssen. Fürs Full-HD-Gaming sind Sie mit einer Quad-Core-CPU, 8 GByte RAM und einer 200-Euro-Grafikkarte auf der sicheren Seite. In den beiden folgenden Artikeln haben wir solche und leistungsfähigere, spieletaugliche Desktop-Rechner (S. 104) und Notebooks (S. 114) getestet. Vielleicht ist darunter ja auch ein passendes Gerät für Sie. (chh@ct.de)

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