c't 22/2016
S. 36
News
Forschung

Rosetta beendet Mission mit Kometenlandung

Dies ist eines der letzten Bilder, die Rosetta vor der Landung auf dem Kometen sendete, aufgenommen aus 16 Kilometern Entfernung. Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Mit der ursprünglich gar nicht vorgesehenen Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ist am Freitag, dem 30. September, die Mission der ESA-Sonde Rosetta zu Ende gegangen. Nach einem stundenlangen Anflug in Schrittgeschwindigkeit setzte die Sonde um genau 12:38 Uhr MESZ auf dem Kometen auf und schaltete gleichzeitig alle Systeme ab. Wegen der langen Signallaufzeit zur Erde erreichten die letzten Daten erst um 13:19 Uhr das Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur ESA in Darmstadt.

Bevor die Sonde auf dem Kometen aufsetzte, hatte sie noch jede Menge wissenschaftlicher Daten gesammelt. Für die Forscher sind diese besonders wertvoll, weil sie in bislang unerreichter Nähe zum Kometen gesammelt wurden. Darunter befinden sich auch eine ganze Reihe von Fotos, die den Kometen aus unmittelbarer Nähe zeigen. Um vor der Deaktivierung aller Systeme möglichst viel über die schmale Bandbreite zu übertragen, wurden die Aufnahmen stärker komprimiert und waren geringer aufgelöst als gewöhnlich.

Die Abschaltung aller Systeme am Ende einer Mission ist von der Internationalen Fernmeldeunion ITU vorgeschrieben, höchstwahrscheinlich hätte Rosetta aber sowieso keinen Kontakt mehr zur Erde herstellen können. Bei der ESA ist man sicher, dass die Sonde trotz der geringen Landegeschwindigkeit noch mehrmals von der Oberfläche abgeprallt ist, bevor sie schließlich endgültig liegen blieb. Immerhin war sie für eine Landung nicht ausgelegt und verfügte nicht über Werkzeuge, um sich festzuhalten.

Rosettas Mission wurde beendet, weil die Sonde sich mit ihrem Kometen inzwischen zu weit von der Sonne entfernt hat. Zwar hätte die Chance bestanden, sie in einen Ruhezustand zu versetzen und bei erneuter Annäherung an die Sonne wieder aufzuwecken. Der Orbit des Kometen führt aber nicht mehr so nah an die Sonne, dass die Solarenergie dafür sicher ausgereicht hätte. Die Landung dagegen konnte als letzter Höhepunkt noch einmal einzigartige Daten und Bilder liefern.

Die ESA-Sonde war 2004 gestartet und danach mehr als zehn Jahre unterwegs, bis sie ihren Kometen erreichte und zu umkreisen begann. Das von Rosetta mitgebrachte Mini-Labor Philae landete wenig später sogar auf der Oberfläche und sendete noch einige Tage Fotos und andere Daten. Weil der Lander aber im Schatten stand, gingen seine Energiereserven schließlich zur Neige. Nur einmal noch meldete er sich zurück; auf Fotos, die Rosetta machte, wurde er erst kurz vor dem Missionsende entdeckt. Beide zusammen haben Wissenschaftlern wertvolle Erkenntnisse über die Frühzeit unseres Sonnensystems geliefert. So zeigte sich, dass sich das Wasser auf dem Kometen von dem auf der Erde unterscheidet. Unsere Gewässer wurden also offenbar eher von Asteroiden befüllt. Gleichzeitig fanden Forscher im Staub um Rosetta verschiedene organische Moleküle, aus denen Grundbausteine des Lebens werden können. Die vollständige Auswertung der gesammelten Daten wird noch Jahre dauern. (mho@ct.de)

VR-Handschuh simuliert Tastsinn

Dexmo soll VR um Tastsinn ergänzen. Motoren halten beim Greifen virtueller Objekte dagegen. Bild: Dexta Robotics

Ein neu entwickelter Handschuh in Form eines mechanischen Exo-Skeletts soll virtuelle Umgebungen ertastbar machen. Dexmo, entwickelt von einem Team aus jungen Roboterexperten und Ingenieuren, enthält eine Reihe von winzigen Motoren, die passend zu den in einem VR-Headset dargestellten Objekten Kraft auf die Finger seines Trägers ausüben. Der Handschuh kann derart kräftig dagegenhalten, dass es nicht möglich ist, durch virtuelle Gegenstände hindurchzugreifen.

Dexmo soll mit allen erhältlichen VR-Headsets kompatibel sein. Der Hersteller Dexta Robotics sieht für die Erweiterung von VR um den Tastsinn Einsatzgebiete jenseits von Videospielen: Beim CAD-Design könnten Ingenieure die Größe von Bauteilen erfühlen. Bei der Ausbildung etwa von Medizinern oder Bombenentschärfern ließe sich üben, ohne jemanden zu gefährden. (akr@ct.de)

Orientierungshilfe für Roboter

Google hat eine Open-Source-Bibliothek veröffentlicht, die Robotern helfen soll, eine Umgebungskarte zu zeichnen und darin die eigene Position und Ausrichtung zu erkennen. Die SLAM-Algorithmen (Simultaneous Localization and Mapping) von Google Cartographer kombinieren Daten unterschiedlicher Sensoren wie LiDAR-Systemen (Light detection and ranging). Sie sind ein Bestandteil autonomer Systeme wie Staubsaugerrobotern und den von Google entwickelten autonomen Autos. Derzeit ist Cartographer vor allem auf LiDAR-Sensoren ausgelegt. Cartographer erzeugt 2D- und 3D-Karten und unterstützt das Robot Operating System (ROS). Google hat das System bereits zum Erstellen von Gebäudeplänen des Deutschen Museums in München eingesetzt. Durch die Open-Source-Legung hoffen die Entwickler auf Eingaben aus der Community für weitere Sensoren. (rme@ct.de)

Eröffnung des Riesenlasers XFEL

Ein Techniker verbindet zwei Beschleuniger-Module. Die Box hält Staub draußen. Bild: Heiner Müller-Elsner/European XFEL

Am Hamburger Stadtrand ist ein 3,4 Kilometer langer Tunnel für den Röntgenlaser „European XFEL“ (X-Ray Free-Electron Laser) entstanden. Er soll Wissenschaftlern aus aller Welt neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Am 6. Oktober wurde die Anlage feierlich eröffnet. Durch das Schießen von 27.000 Laserblitzen in der Sekunde und einer milliardenfach höheren Leuchtstärke als bei herkömmlichen Röntgenquellen wollen Forscher die Nanowelt untersuchen, um etwa atomaren Details von Viren und Zellen oder Vorgängen im Inneren von Planeten auf die Spur zu kommen.

Derzeit beteiligen sich Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien, Ungarn und Russland an dem Projekt. Die Kosten in Höhe von 1,22 Milliarden Euro trägt Deutschland zu rund 60 Prozent. Von den weiteren zehn beteiligten Ländern ist Russland mit 27 Prozent der größte Geldgeber. Der erste Elektronenstrahl soll Anfang 2017 durch die Tunnelanlage gehen, einige Zeit später der erste durch sogenannte Undulatoren erzeugte Röntgenstrahl folgen. (akr@ct.de)

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