c't 22/2016
S. 16
News
Google: Home, Wifi, Chromecast

Google zieht ein

Vernetzer Lautsprecher, Router und Streaming-Client

Um im Leben möglichst vieler Anwender eine Rolle zu spielen, baut Google seine Präsenz in deren Zuhause deutlich aus – mit dem Heim-Assistenten Google Home, dem Router Google Wifi und einer „Ultra“-Fassung seines Streaming- Clients Google Chromecast.

In Googles Zukunftsvision durchdringt ein digitaler Assistent, der auf Servern in der Google-Cloud residiert, mit künstlicher Intelligenz unseren gesamten Alltag. Das kann aber nicht alleine mit Smartphones und Wearables gelingen. Doch Amazon hat ja mit seinem Heim-Assistenten Echo bereits vorgemacht, wie man den Anwender in seinen eigenen vier Wänden erreicht.

Nun folgt Google mit dem sehr ähnlichen vernetzten Lautsprecher „Google Home“, der ebenfalls mit Fernfeld-Mikrofonen ständig in den Raum hineinhorcht, ob Befehle an ihn gerichtet werden. Die Mensch-Maschine-Kommunikation wird hier mit der bekannten Floskel „Okay Google“ initiiert. Wie Echo hat auch Home eine Mute-Taste, mit der sich die Mikrofone abschalten lassen. Fragen und Befehle an Home werden vom integrierten Sprachassistenten „Google Assistant“ beantwortet. Der spricht wie Amazons Alexa mit weiblicher Stimme – die angenehm ist und den Anwender eher an einen hilfreichen Geist als an eine kalte Maschine denken lässt.

Google Home

Der Funktionsumfang von Home ist typisch für aktuelle Sprachassistenten: So kann man etwa eine Einkaufsliste anlegen, sich Geschäfte in der Nähe einschließlich Wegbeschreibungen nennen lassen und auf eine Wissensdatenbank zugreifen. Mit der Funktion „Mein Tag“ kann Home seinem Besitzer am Morgen den gesamten Tagesablauf skizzieren – vorausgesetzt, der vertraut alle seine Termine Google an.

Eine Neuerung zu bisherigen Sprachassistenten ist, dass Home versucht, auf alternative Quellen zuzugreifen und die dortigen Einträge vorzulesen, wenn Google eine Frage anhand des eigenen Datenbestands nicht beantworten kann.

Musikdienste wie Spotify, Pandora und natürlich Google Play Musik lassen sich am Lautsprecher direkt nutzen. Ebenso kann man Inhalte von Internetradios und Podcasts abrufen. Von Beginn an unterstützt Google Home die Multiroom-Wiedergabe von Musik, wobei sich auch Chromecast-Clients in das Netz einbinden lassen. Auf der Oberseite von Home befindet sich ein kapazitives Touch-Feld, über das sich beispielsweise die Lautstärke der Musikwiedergabe regeln lässt, wenn die Mikrofone ausgeschaltet sind.

Auch als Steuereinheit für Smart-Home-Geräte kann Google Home eingesetzt werden. Als konkrete Partner nannte Google dabei Philips Hue und der Webdienst IFTTT sowie Nest und Samsung Smart Things, die bislang in Deutschland nicht tätig sind. Google will nach eigenen Angaben künftig so viele Smart-Home-Geräte wie möglich unterstützen.

Google Home ist in den USA für 129 US-Dollar vorbestellbar, die Auslieferung startet am 4. November. Im Preis ist ein 6-monatiges Abo von „YouTube Red“ enthalten. Aktuell wird erwartet, dass das Gerät ab Frühjahr hierzulande verfügbar ist.

Google Wifi

Die Ethernet-Buchse des Chromecast Ultra (ganz links) wird laut Google im externen Netzteil eingebaut sein. Mit Google Wifi sollen die meisten WLAN-Sorgen der Vergangenheit angehören.

Ebenfalls Neuland betritt Google mit einem eigenen Router namens „Google Wifi“. Der Hersteller verspricht, dass mit seinem Gerät Empfangs- und Geschwindigkeitsprobleme der Vergangenheit angehören: Der Router soll sich mit mehreren seiner Artgenossen verbinden können, um ein WLAN ohne Funklöcher in Haus, Wohnung oder Büro aufzuspannen. Der unauffällige weiße Puck soll seine optimalen Einstellungen generell selbst wählen. Für den Fall, dass der Nutzer doch mal eingreifen möchte, gibt es eine App fürs Smartphone – ob nur für Android oder auch für iOS, steht noch nicht fest. Sie erlaubt es per „Wifi Pause“ das WLAN für bestimmte Geräte oder komplett temporär zu sperren.

Google Wifi unterstützt simultan das 2,4- und das 5-GHz-Band und Beamforming. Den idealen WLAN-Kanal wählt es selbst aus. Wahrscheinlich prüft Wifi dafür, welche Kanäle bereits stark frequentiert sind, und wählt andere. Das Gerät funkt außerdem über das Low-Energy-Protokoll Bluetooth 4.x Low Energy alias Bluetooth Smart, das mittlerweile praktisch alle Smartphones unterstützen. Hierüber kann die App den Router einfach ansprechen.

Allerdings könnte Google Bluetooth Smart auch dafür nutzen, um den Router als Beacon in regelmäßigen Abständen spezielle Datenpakete aussenden zu lassen. Zusammen mit der Wifi-App würde dies eine Lokalisierung des Smartphones in den Räumen ermöglichen. Ob Bluetooth Smart bei Wifi tatsächlich auch hierfür eingesetzt wird, werden erst Tests zeigen können.

Einzeln wird Google Wifi in den USA 129 US-Dollar kosten, fürs Dreierpack werden 299 US-Dollar fällig. Ausgeliefert wird ab Dezember. Ob das Gerät nach Europa kommt, ist noch nicht sicher.

Chromecast Ultra

Die Unterseite des Google Home lässt sich abnehmen und gegen eine andersfarbige austauschen.

Seit der Vorstellung des aktuellen Chromecast 2 vor rund einem Jahr wurde eine Version des Streaming-Clients erwartet, die Videos bis zur ultrahohen „4K“-Auflösung von 3840 × 2160 Bildpunkten ausgeben kann. Folglich hatte es über den neuen „Chromecast Ultra“ bereits seit Wochen Spekulationen gegeben – darunter die, dass das neue Modell in der Lage sein wird, Videos mit erhöhtem Kontrast (High Dynamic Range, HDR) auszugeben. Material in dieser Qualität liefert beispielsweise der Videostreaming-Dienst Netflix. Tatsächlich wurden die Erwartungen hier sogar noch übertroffen: Chromecast Ultra unterstützt nicht nur das aktuell auf Ultra HD Blu-rays genutzte HDR-Format HDR-10, sondern als erster Zuspieler überhaupt auch dessen Konkurrenten Dolby Vision. Google selbst will künftig 4K-Videos über Google Play anbieten.

Um die bei Ultra-HD-Videos anfallenden hohen Datenmengen in den Griff zu bekommen, dürfte der Chromecast Ultra einen Decoder für das effiziente Videokompressionsverfahren HEVC haben. Dennoch bleibt nachvollziehbar, dass das neue Modell im Unterschied zum bisherigen Chromecast nicht nur WLAN nutzt, sondern auch eine Ethernet-Buchse hat.

Der neue Chromecast soll ab November für 69 US-Dollar in den USA erhältlich sein – und bis zum Jahresende auf den hiesigen Markt kommen. Deutsche Nutzer können sich auf der Website des Google Store auf eine Warteliste setzen lassen. Die bisherigen Chromecast und Chromecast Audio dürften im Programm bleiben. Wer bereits eines der aktuellen Modelle besitzt, kann dieses übrigens über Google Home steuern. (nij@ct.de)

Kommentieren