c't 22/2016
S. 24
News
Audio

Synthesizer mit Augmented Reality

Per HoloLens kann Behringers DeepMind 12 weitere Bedienelemente über dem Synthesizergehäuse anzeigen, die sich mit Handbewegungen bedienen lassen.

Zum Ende des Jahres will Behringer mit seinem ersten Synthesizer auf den Markt kommen. Der DeepMind 12 generiert seine Sounds komplett über analoge Signalwege, und das zwölffach polyphon. Das Besondere ist der Kampfpreis von 1000 Euro – bislang kosteten ähnliche Geräte mindestens das Zwei- bis Dreifache. Neben der Tastenversion mit einer Vier-Oktaven-Klaviatur ist für später auch eine Desktop-Variante ohne Keyboard geplant.

Aber nicht nur über seinen Preis soll der DeepMind punkten, sondern auch durch sein Bedienkonzept. Viele Sound-Parameter hat man direkt über Fader und Drehknöpfe am Gehäuse im Griff. In Menüs lassen sich darüber hinaus Routings der Signale verändern, Hüllkurven einstellen oder die digitalen Effekte regeln. Da das Display am Synthesizer dazu allerdings etwas klein geraten ist, kann man die Einstellungen auch über eine App (Android, iOS) auf einem Tablet vornehmen. Dank eingebauter WLAN-Schnittstelle kommunizieren Tablet und Synthesizer direkt miteinander.

Futuristisch wird es jedoch mit den Augmented-Reality-Menüs für Microsofts HoloLens. Dann scheinen die Einstelloptionen dreidimensional über dem Synthesizer zu schweben. Die derzeit in Entwicklung befindliche Augmented-Reality-App soll sogar Punkte auf den Tasten des Synthesizers einblenden, um etwa Spielhilfen für Tonleitern zu geben.

Einen Prototypen zeigte Behringer auf dem Synthfest in Sheffield. Besucher waren von dem Konzept recht angetan. Unter der HoloLens ließen sich scheinbar in der Luft schwebende Menüs per Fingerzeig bedienen und Parameter mit Handbewegungen verändern – wenn auch die Elemente etwas träger reagierten als bei einem Hardware-Controller oder Touch-Screen.

Interessant ist Behringers Konzept allemal. Es zeigt, wie Augmented Reality die Bedienung von Musikinstrumenten erweitern kann – wenn man denn bereit ist, 3000 US-Dollar für eine HoloLens-Brille auszugeben. (hag@ct.de)

Echt analoge Klangbearbeitung in der DAW

Mit seinen analog aufgebauten Verzerrern und Filtern kann Elektrons Analog Heat per USB direkt Signale aus einer DAW aufpeppen.

Der schwedische Hersteller Elektron will im November ein kleines schwarzes Kästchen namens Analog Heat auf den Markt bringen. Zum einen fungiert es als Effektgerät und kann ein Stereo-Eingangssignal mit rein analogen Verzerrungen und Distortion-Effekten verzieren. Je nachdem, welchen der acht einstellbaren Effekte man wählt, klingt es wärmer, voller, aggressiver oder total verzerrt. Ein Multimode-Stereo-Filter kann anschließend hohe oder tiefe Frequenzen entfernen und den Klang verformen – auf Wunsch auch rhythmisch gesteuert, per Envelope-Follower, Steuerspannung, MIDI oder durch ein LFO. Abschließend sorgt ein 2-Band-EQ für den letzten Schliff.

Das wäre nun weiter nichts Aufregendes, rein analoge Verzerrer und Filter gibt es schließlich genug. Das Besondere am Analog Heat ist jedoch, dass man es über seine USB-Audio-Schnittstelle und das zugehörige Software-Plug-in Overbridge direkt in den Signalweg einer Digital Audio Workstation (DAW) einschleifen kann – so einfach wie einen Software-Effekt. Analog Heat fungiert hier als zweites Audio-Interface, das parallel zum Haupt-Interface der DAW betrieben wird. Es kann interne Signale digitaler Klangerzeuger mit echter analoger Verzerrung aufpeppen und zwei zusätzliche Ein- und Ausgänge (mit 48 kHz/24 Bit) zur Verfügung stellen. Zudem lassen sich sämtliche Parameter der Verzerrung, des Filters und EQs per Overbridge fernsteuern und automatisieren.

Der analoge Luxus hat allerdings seinen Preis: 800 Euro ruft Elektron für Analog Heat auf. Da wird man genau hinhören müssen, ob die echte analoge Verzerrung besser klingt als eine der zahlreichen digitalen Simulationen. (hag@ct.de)

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