c't 25/2016
S. 54
Kurztest
E-Book-Reader

Wärmestrahler

Warmweiße LEDs sollen das Lesen auf dem Tolino vision 4 HD angenehmer machen und Nutzer des E-Book-Readers besser einschlafen lassen.

Aufmacherbild

Verschiedene Studien legen nahe, dass man nach Nutzung von Displays mit bläulichem Licht schlechter schläft. Der Tolino vision 4 HD hat deswegen neben den üblichen eher kaltweißen LEDs zusätzlich warmweiße LEDs spendiert bekommen. Wie viel wärmer (und damit gelblicher) die Beleuchtung aussieht, lässt sich manuell regeln; der Reader übernimmt das abhängig von der Tageszeit aber auch automatisch. Morgens ist das Display strahlend weiß, abends erinnert es an leicht vergilbte Buchseiten. Dabei passt sich das „Smartlight“ dem Sonnenstand an: Im Winter wird das Display früher wärmer angestrahlt als im Sommer. Der Effekt ist angenehm, zumal die Technik nur dezent nachregelt. Die veränderte Farbtemperatur fällt nur im direkten Vergleich und bei den Extremwerten auf.

Der Reader hat einen 6-Zoll-Bildschirm mit aktuellem E-Ink-Carta-Panel und 300 dpi. Entsprechend scharf sehen Schrift und Oberfläche aus. Im direkten Vergleich zum Kindle Voyage von Amazon fällt der Kontrast bei Beleuchtung etwas schwächer aus (15:1), sieht aber immer noch gut aus. Egal, ob warmweiße oder kaltweiße LEDs, die Ausleuchtung ist immer gleichmäßig. Störende Lücken in der Lichtverteilung gibt es nicht.

Äußerlich hat sich der neue Tolino im Vergleich zum Vorgänger nicht verändert: Er liegt weiterhin gut in der Hand und hat eine schicke plane Vorderseite mit einer Sensortaste für den Startbildschirm. Die Technik im Inneren ist wasserfest beschichtet, sodass kurzes Abtauchen in Süßwasser dem Gerät nicht schadet. Tasten zum Umschalten gibt es nicht, die Bedienung erfolgt weitgehend über den Touchscreen. Zum Weiterblättern kann man auch auf die Rückseite klopfen; auf Dauer ist die dafür nötige Handhaltung und Intensität aber ein wenig anstrengend.

Die maximale Helligkeit ist standardmäßig auf knapp 50 cd/m2 beschränkt. Das reicht für die meisten Gelegenheiten aus, bei direkter Beleuchtung wirkt das aber etwas dunkel. Ein langer Druck auf die Schaltfläche zum Erhöhen der Helligkeit entlockt den LEDs knapp 100 cd/m2. Die Helligkeit bleibt bei kalter und warmer Beleuchtung gleich, nachregeln muss man nicht. Die minimale Helligkeit liegt bei 2,5 cd/m2 und damit im Vergleich der E-Reader recht hoch. Im stockdunklen Zimmer stört das ein wenig, ansonsten reicht die Bandbreite völlig. Über eine eigene Taste kann die Beleuchtung komplett abgestellt werden, eine automatische Regelung fehlt.

Die Lesezeit pro Akkuladung fällt bei beleuchtetem Display (50 cd/m2) und aktivem Smartlight mit 27 Stunden nur durchschnittlich aus, der Vorgänger mit konventionellen LEDs schaffte fast fünf Stunden mehr. Zum Aufladen liegt ein cleveres Micro-USB-Kabel bei, dessen Stecker auf beiden Seiten auch verdreht in die jeweilige Buchse passen. Herkömmliche Micro-USB-Kabel können trotzdem mit dem Reader benutzt werden. Statt 2 GByte wie beim Vorgänger gibt es nun knapp 6 GByte freien Speicherplatz.

Praktisch ist die Möglichkeit, über Onleihe ausgeliehene Bücher nun direkt auf dem Gerät zurückgeben zu können. Der Tolino versteht sich gut mit Epub- und Textdateien. PDFs zeigt er an, aufwendigere Dokumenten sind aber kaum sinnvoll nutzbar. (asp@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Tolino vision 4 HD

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