c't 26/2016
S. 78
Vorsicht, Kunde
Anschlusswechsel
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Bild: Peter Stemmler

Gefangen im Technikmuseum

Telekom verweigert Wechsel bei Uralt-Anschluss

Schon seit 1998 kann man an Analoganschlüssen im gesamten Telekom-Netz Tonwahl nutzen. Im gesamten Telekom-Netz? Nein, am Geschäftskunden-Anschluss von Rüdiger P. funktioniert nur Impulswahl. Und das bleibt auch so.

Die kleine Firma von Rüdiger P. in einer westdeutschen Großstadt telefoniert schon seit ewigen Zeiten über einen Telekom-Anschluss. 1976, zur Firmengründung, schaltete die Bundespost den Anschluss frei: Drei Leitungen mit je einer Rufnummer fürs Telefon, eine Leitung für den Fernschreiber. Später wurde das Telex durch ein Fax ersetzt; die insgesamt vier Amtsleitungen vermittelte seit Anfang der 90er-Jahre eine Siemens-Hicom-Anlage.

Seither hatte die Firma nichts an der Konfiguration geändert. Doch nach über 20 Jahren Betriebsdauer streckte die Uralt-Anlage am 12. Februar 2016 die Flügel. Ein eilends herbeigerufener Telekommunikations-Fachmann versuchte, eine analoge Telefonanlage als Ersatz anzuschließen, scheiterte aber im ersten Anlauf. Der Anschluss reagierte nicht, wenn gewählt wurde. Erst nach einigen Versuchen erkannte der Fachmann, warum: An den Anschlüssen war nur das gute, alte Impulswahlverfahren möglich, wie es Wählscheibentelefone seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts verwenden. Allerdings gibt es keine Telefonanlagen mehr am Markt, die das Verfahren noch beherrschen, ist es doch seit Anfang 1998 obsolet.

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