c't 3/2016
S. 35
News
Forschung

Studie über Mobile-Dating-Nutzer

Eine Wischbewegung auf dem Smartphone genügt, um Interesse an anderen Tinder-Nutzern zu bekunden. Beruht das Interesse auf Gegenseitigkeit, kommt es zum sogenannten „Match“. Bild: Tinder

Beim mobilen Flirtdienst Tinder sind allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen angemeldet – und täglich werden es mehr. Die Diplom-Psychologin und Medien-Professorin Wera Aretz von der Hochschule Fresenius in Köln hat untersucht, wer Tinder in Deutschland nutzt, was die Popularität des Dienstes ausmacht und welche Erwartungen die Nutzer haben.

Laut der Publikation „Match me if you can: Eine explorative Studie zur Beschreibung der Nutzung von Tinder“, die im „Journal of Business and Media Psychology“ der Hochschule Fresenius erschienen ist (siehe c’t-Link unten), sind mehr als zwei Drittel der Tinder-Nutzer in Deutschland zwischen 20 und 26 Jahre alt. Die App nutzen sie im Schnitt lediglich sieben Minuten pro Tag – das aber offenbar mit einigem Erfolg. Denn innerhalb von drei Monaten konnten die befragten Probanden durchschnittlich jeweils 131 Partner-Matches, 9 konkrete Dates sowie 1,75 sexuelle Kontakte generieren.

Allerdings gibt es auch deutliche geschlechterspezifische Unterschiede: „Während Frauen sich selbst eher aus der Anzahl der Matches und Dates bestätigt fühlen und somit eher von emotionaler Bestätigung profitieren, scheinen Männer mehr durch die Anzahl der sexuellen Kontakte bestätigt zu werden. Ein Befund, der evolutionspsychologisch gut zu erklären ist“, verdeutlicht Prof. Aretz. Danach versuchen Männer, sich möglichst zahlreich fortzupflanzen, während Frauen bemüht sind, sich klug fortzupflanzen.

Der Traum, per Dating-App den Partner fürs Leben zu finden, scheint indes nur den Wenigsten vergönnt. So gaben lediglich 16 Prozent der insgesamt 436 Befragten an, über Tinder zumindest schon eine feste Partnerschaft geschlossen zu haben. Besonders interessant ist laut Aretz allerdings die Tatsache, dass 42 Prozent der Tinder-Nutzer erklärten, bereits liiert zu sein. „Es scheint also, dass Dating-Apps wie Tinder gerade bei jüngeren Menschen eine schnelle und bequeme Möglichkeit bieten, kontinuierlich zu prüfen, ob sich nicht noch ein Partner finden ließe, der den Ansprüchen noch eher genügt.“

Zur Popularität von Tinder trage neben der großen Anzahl potenzieller Partner auch eine „ökonomische Nutzung mit geringem Aufwand“ bei, fasst die Diplom-Psychologin zusammen. Interessenten hätten einfachen Zugang und könnten das Angebot bereits unmittelbar nach der Anmeldung nutzen. Wichtige Faktoren seien zudem Anonymität sowie die Unverbindlichkeit einer Kontaktanbahnung. (pmz@ct.de)

Facebook-Profilbild beeinflusst Jobchancen

Bilder: IZA

Wer sich mit einem attraktiven Profilbild auf Facebook präsentiert, hat bei der Jobsuche bedeutend größere Chancen, direkt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Zu diesem Ergebnis kommen belgische Wissenschaftler im Rahmen einer Studie (siehe c’t-Link), die vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht wurde. Die von Wirtschaftsprofessor Stijn Baert geleitete Forschergruppe der Universität Gent verschickte dazu 2000 fiktive Bewerbungen auf echte Stellenanzeigen aus unterschiedlichen Branchen. Auf jede Ausschreibung wurden jeweils zwei inhaltlich gleichwertige Bewerbungen männlicher Hochschulabsolventen verschickt. Die Suche nach den Bewerbernamen bei Google oder Facebook führte jeweils zu einem von vier Facebook-Profilen, die die Forscher angelegt hatten.

Dabei waren nur die Profilbilder öffentlich sichtbar. Diese unterschieden sich im Hinblick auf körperliche Attraktivität sowie die durch das Foto vermittelten Charaktereigenschaften. Die Auswertung der Antworten zeigte, dass der Kandidat mit dem „attraktivsten“ Facebook-Profilbild über 20 Prozent mehr positive Rückmeldungen erhielt als der am wenigsten attraktive Mitbewerber. Eine direkte Einladung zum Vorstellungsgespräch erhielten die gut aussehenden Bewerber sogar um fast 40 Prozent häufiger. (pmz@ct.de)

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