c't 5/2016
S. 28
News
Displays, VR, 3D-TVs

Bericht: Google arbeitet an zwei neuen Virtual-Reality-Brillen

Google arbeitet angeblich an einer VR-Halterung für Smartphones mit eigenen Headtracking-Sensoren – nun aus Kunststoff, der Vorgänger war noch aus Pappe (Foto). Bild: Google

Google glaubt offenbar an das Potenzial von Virtual Reality: Wie das Wall Street Journal berichtet, arbeitet Google zurzeit an gleich zwei neuen VR-Headsets. Beim ersten handelt es sich um eine verbesserte Version der Cardboard-Smartphone-Halterung mit zusätzlichen Sensoren, beim zweiten um eine autonome VR-Brille – man benötigt dafür also weder Computer noch Smartphone.

Bislang hatte sich Google in der VR-Szene vor allem durch die Low-Budget-Papphalterung Cardboard hervorgetan. Cardboard ist mehr Idee als Produkt: Verkauft hat Google seine VR-Halterungen nie, sondern sie lediglich als Bauplan veröffentlicht. Cardboard-Klone sind heute dank ihres günstigen Preises die mit Abstand am weitesten verbreiteten VR-Brillen – sehr zum Leidwesen von Oculus-Gründer Palmer Luckey, der Cardboard im c’t-Interview als „schrecklich“ bezeichnete, da die Billigbrille schlechtere Bildqualität bieten als „echte“ VR-Brillen.

Apps für die rein mechanischen Cardboard-Halterungen nutzen bislang lediglich die internen Smartphone-Sensoren; die sind aber nicht aufs Tracking von Kopfbewegungen ausgelegt. Das will Google mit einer neuen Cardboard-Version nun ändern: Nicht nur soll das Gehäuse statt aus Pappe aus Kunststoff gefertigt werden, laut den anonymen Informanten des Wall Street Journals will man auch zusätzliche Sensoren in die Halterung einbauen. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Smartphone-VR-Brille Gear VR von Samsung durch spezielle Headtracking-Sensoren: sie setzt Kopfbewegungen deutlich geschmeidiger in die virtuelle Realität um als rein mechanische Halterungen. Mehr Details zu Googles Smartphone-Halterung werden zur firmeneigenen Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai erwartet.

Zur angeblich von Google entwickelten Stand-alone-VR-Brille gibt es ebenfalls noch nicht viel Konkretes. Man munkelt, dass das Unternehmen beim Positionstracking mit dem Spezialisten für maschinelles Sehen Movidius zusammenarbeiten will. Während Oculus Rift und HTC Vive mit externen Tracking-Systemen arbeiten, soll bei der Google-Brille die Tracking-Kamera im Gehäuse stecken.

Trotz der mageren Faktenlage ist eines sicher: Google will im möglicherweise bald lukrativen VR-Business mitmischen. „Hier entsteht gerade ein Plattform-Krieg“, zitiert das Wall Street Journal den Analysten Ben Schachter. (jkj@ct.de)

Überbreiter 21:9-Monitor von Iiyama

Im 21:9-Monitor von Iiyama steckt ein blickwinkelstabiles IPS-Panel mit 3440 × 1440 Pixeln.

Als LG die ersten Ultra-Wide-Monitore mit einem Seitenverhältnis von 21:9 vorstellte, wurden die Schirme belächelt, inzwischen hat sich eine treue Fan-Gemeinde gebildet. Mit ihrer überbreiten Arbeitsfläche ersetzen die Monitore Mehrschirm-Lösungen – ohne störende Rahmen im Bild.

Mittlerweile haben etliche Hersteller 21:9-Monitore im Programm; jüngster Neuzugang ist Iiyama mit dem XUB3490WQSU. Der Monitor hat eine Bildschirmdiagonale von 34 Zoll (rund 87 cm) und 3440 × 1440 Pixel. Iiyama verspricht eine konstante Farbwiedergabe und großzügige Einblickwinkel. Außerdem soll das IPS-Panel 320 cd/m2 hell leuchten und einen Kontrast von 1000:1 erreichen.

An Signaleingängen stehen ein DisplayPort und je ein HDMI-1.4- und ein HDMI-2.0-Eingang bereit. Dank MHL (Mobile High-Definition Link) lassen sich an einem HDMI-Port neuere Android-Smartphones und -Tablets anschließen, um deren Inhalt auf den großen Schirm zu spiegeln. Wer mit mehreren Rechnern arbeitet, kann sich mit der Bild-in-Bild-Funktion die Inhalte von zwei Eingangsquellen gleichzeitig anzeigen lassen. Den Ton gibt der XUB3490WQSU über sein 2×3-Watt-Soundsystem wieder. Peripherie lässt sich an den USB-Hub mit zwei USB-2.0- und zwei USB-3.0-Ports anschließen. Der XUB3490WQSU ist ab sofort für 780 Euro erhältlich. (spo@ct.de)

3D-TVs (noch) nicht vor dem Aus

Noch bleiben 3D-TVs im Handel, doch die rückläufige Nachfrage hat die Hersteller dazu bewegt, weniger Geräte mit 3D auszustatten.

Bis vor zwei Jahren musste möglichst jedes Fernsehgerät die dreidimensionale Darstellung beherrschen – ohne 3D war ein hochwertiges TV quasi unverkäuflich. Die TV-Hersteller packten deshalb in fast jedes Display eine 3D-Funktion – egal, ob sich die Bildschirmgröße dafür eignete, das Panel schnell genug war oder die Blickwinkelabhängigkeit dies zuließ. Entsprechend schlecht war teilweise die 3D-Bildqualität.

Inzwischen ist das Interesse an 3D erlahmt: Kaum ein Kunde fragt mehr danach, die ungeliebten 3D-Brillen nerven, es fehlen 3D-Inhalte. Ein weiterer Grund: Nach dem Avatar-Hype und per High Frame Rate aufgebrezeltem 3D beim Hobbit hatten auch die großen Kinosäle nur noch wenig Sinnvolles in 3D zu bieten (auch wenn sie weiterhin saftige Aufschläge für jeden noch so schlechten 3D-Streifen verlangen).

In der Folge und auch angesichts des enormen Preisdrucks rationalisierten die Hersteller die 3D-Funktion aus vielen billigen Geräten wieder weg. Nur TVs aus der oberen Preisklasse konnten weiter Dreidimensionales anzeigen. Nun setzt sich diese Entwicklung fort, einige Hersteller wollen in diesem Jahr gar keine Geräte mehr mit 3D-Funktion anbieten, darunter beispielsweise Philips. Die inzwischen an TP Vision verkaufte TV-Sparte der Niederländer hatte 3D schon bei einigen günstigen Geräten und auch in den 2015er-Modellen der teureren 8000er-Serie weggelassen. Philips setzte bislang sowohl auf die aktive 3D-Technik mit Shutterbrillen als auch auf Passiv-3D mit Polfilterbrillen.

Aktiv - oder Passiv-3D

Für TVs mit Passiv-3D benötigt der Zuschauer lediglich die leichten Polfilterbrillen, die viele aus dem Kino kennen. Allerdings muss der TV-Hersteller dafür einen zusätzlichen Polfilter in sein Display einbauen. Und dieser Polfilter ist umso teurer, je größer der Schirm ist – angesichts der kontinuierlich steigenden Diagonalen im Wohnzimmer ein kostspieliges Vergnügen: Während bis vor wenigen Jahren im Wohnzimmer noch ein 32"-TV mit 80 Zentimeter Diagonale stand, bevorzugen die Zuschauer heute Geräte mit 45 bis 50 Zoll, also 1 bis 1,30 Metern Diagonale.

Vorreiter und Hersteller der Polfilter-3D-Technik ist LG: In einem TV mit Passiv-3D steckt sehr meist ein IPS-Panel von LG. Doch dass auch dieser Hersteller nicht mehr in jedes Gerät einen teuren Polfilter verbaut, liegt auf der Hand – komplett aussteigen wird LG aus 3D aber (noch) nicht.

Für TVs mit Aktiv-3D benötigt man zwar keinen Polfilter, aber ein sehr schnelles Panel. Andernfalls wird die 3D-Darstellung bei bewegten Bildern unscharf – was schon im normalen Fernsehbetrieb stört, beim 3D-Schauen aber richtig irritiert. Flinke LCDs sind natürlich teurer als ein lahmes 50-Hz-Panel, weshalb sich die Einsparung der 3D-Funktion auch hier rechnet.

Samsung als Verfechter der 3D-Shuttertechnik wolle deshalb künftig komplett auf die 3D-Funktion verzichten, hieß es bei etimes. Das koreanische IT-Newsportal stützt seine Vermutung darauf, dass Samsung keine neuen 3D-Shutterbrillen für das laufende Jahr geordert habe. Was natürlich auch andere Gründe haben könnte – möglicherweise verstauben bei Samsung noch diverse 3D-Shutterbrillen, weil die Kunden 2015 wenig Brillen nachbestellt haben. Der Schritt weg von der 3D-Technik liegt aber auch bei Samsung nahe. Zumal der Marktführer seine Modellpalette mit 3D-Ausstattung bereits im vergangenen Jahr ordentlich zurückgefahren hat. Eine definitive Aussage zur 3D-Ausstattung der kommenden TV-Modelle wollte uns der Hersteller aber noch nicht geben.

Außerdem setzt Samsung nun auf Ultra HD mit HDR (High Dynamic Range), also knackscharfe Displays mit ungemein hohem In-Bild-Kontrast. Bei richtig guten HDR-Displays mit hoher Auflösung bekommt die Darstellung auch ohne 3D eine enorme Tiefe – da dürfte manch ein Zuschauer auf die ohnehin ungeliebten 3D-Brillen gern verzichten.

HDR statt 3D

Und noch etwas spricht wegen „Ultra HD Premium“ gegen den massiven Ausbau von 3D-TVs: Wenn demnächst die ersten Discs mit Ultra HD und HDR auf den Markt kommen, werden sie zusammen mit einer „normalen“ Disc ausgeliefert, die die Full-HD-Version des Films ohne vergrößerten Kontrastumfang enthält. Die Kunden fänden es sicher seltsam, wenn die normale Disc eine 3D-Version enthielte, die bessere UHD-HDR-Disc dagegen nur die 2D-Version desselben Films.

Dennoch produziert Hollywood weiterhin 3D-Blockbuster fürs Kino, zuletzt etwa den aktuellen Star-Wars-Kassenschlager. Deshalb wird es auch noch eine ganze Weile Fernsehgeräte mit 3D-Schirm geben. So hat beispielsweise Sony versichert, auch 2016 noch 3D-TVs (mit Shutter-Technik) anzubieten. Ganz selbstverständlich ist die 3D-Ausstattung aber auch bei hochwertigen und damit teuren Geräten nicht mehr. Wer die dreidimensionale Darstellung am TV haben möchte, sollte dies deshalb vor dem Kauf genauer prüfen. (uk@ct.de)

Neuer Markenname für BenQs Gaming-Monitore

Sobald sich der Name Zowie für Gaming-Zubehör etabliert hat, dürfte der Zusatz „a Brand by BenQ“ wegfallen.

In den vergangenen Jahren lieferten sich viele Monitorhersteller einen unerbittlichen Preiskampf, einige besetzten lieber Nischen. So hat sich BenQ sehr früh auf den Gaming-Bereich konzentriert und Monitore mit besonders flinken Panels, hoher Bildwiederholfrequenz und guter Ausstattung ins Programm geholt. Künftig will BenQ seine Gaming-Displays unter der neu gegründeten eSport-Marke Zowie vertreiben. Unter dem Zowie-Brand sollen nicht nur Bildschirme verkauft werden, sondern auch Mäuse, Mousepads und anderes Gaming-Zubehör. Allen Geräten gemein ist das rot-schwarze Design, das ans Erscheinungsbild der BenQ-XL- und RL-Monitore angelehnt ist. Die ersten Gaming-Monitore von Zowie sollen noch im ersten Halbjahr 2016 erscheinen. (spo@ct.de)

Kommentieren