c't 8/2016
S. 48
News
Linux

Gnome 3.20 bringt Foto-Bearbeitung

Mit Gnome 3.20 wird die Wayland-Unterstützung alltagstauglich.

Die neuste Version der vornehmlich für Linux entwickelten Desktop-Umgebung Gnome bringt eine deutlich verbesserte Version der App „Photo“ mit, die jetzt eine rudimentäre Bildbearbeitung ermöglicht. Die Originaldatei bleibt allerdings unmodifiziert, wenn Sie Bilder zuschneiden, Filter anwenden oder Farbe, Kontrast und Helligkeit anpassen. Ein bearbeitetes Bild müssen Sie daher exportieren, um es anderswo weiterverwenden zu können.

Die Gnome-Entwickler haben die Bildkomposition mit dem designierten X11-Nachfolger Wayland verbessert und einige Features nachgerüstet, die Gnome beim Betrieb unter einem X-Server bietet; darunter etwa die Möglichkeit, einen markierten Text durch Klick der mittleren Maustaste einzufügen. Durch solche Verbesserungen soll der Wayland-Betrieb für viele Anwender jetzt gut genug sein, um ihn im Alltag einzusetzen. Eine Handvoll Funktionen fehlt allerdings nach wie vor; darunter Remote-Desktop-Fähigkeiten und Unterstützung für Wacom-Zeichentablets.

Die Xdg-App-Infrastruktur zum Einrichten von Linux-Anwendungen unter ganz unterschiedlichen Distributionen ist mit der neuen Version weiter gereift. Das App-Center ähnliche Software-Verwaltungsprogramm Gnome-Software zeigt jetzt Nutzerrezensionen an und unterstützt Upgrades auf neue Distributionsversionen.

Die Karten-App der neuen Gnome-Version kann nun direkt OpenStreetMap-Einträge anlegen und bearbeiten. Die Kalender-App bietet eine neue Funktion zum Schnelleintragen von Terminen und eine optimierte Jahresübersicht. Media-Player lassen sich jetzt über den Nachrichtenbereich der Bedienoberfläche steuern. Die Entwickler haben ferner das Aussehen der Standard-Schrift Cantarell optimiert und eine neue Such-Funktion im Dateimanager Nautilus eingebaut, über die man Suchzeitraum und den Typ der gesuchten Datei eingrenzen kann. Gnome-Apps zeigen durch die Tastenkombinationen CTRL+F1 jetzt die von ihnen beherrschten Tastenkürzel an; das ist eine Funktion des von Gnome verwendeten GUI-Toolkits GTK+ 3.20, das auch Anwendungen außerhalb des Gnome-Projekts verwenden. (thl@ct.de)

Mir-, Vulkan- und Wayland-Support für Nvidias Linux-Treiber

Nvidia hat eine Beta-Version einer aktualisierten Familie von Linux-Treibern veröffentlicht, die einen ganzen Schwung neuer Funktionen nachrüstet. Darunter die Möglichkeit, Bedienoberflächen mit Hilfe des designierten X11-Nachfolgers Wayland auszugeben. Bislang gelang das nur mit Open-Source-Grafiktreibern; womöglich bleibt das trotz Nvidias Engagement aber bis auf Weiteres so, denn Nvidia nutzt einen eigenen Ansatz. Bedienoberflächen wie die Gnome-Shell, KDE Plasma oder Weston, die Wayland bereits zum Zusammenbau und zur Ausgabe des Gesamtbilds verwenden können, müssen daher angepasst werden. Bei einigen Entwicklern stieß das auf Ablehnung, daher bleibt abzuwarten, ob zukünftige Linux-Distributionen Nvidias Ansatz von Haus aus beherrschen.

Die Beta, die die Versionsnummer 364.12 trägt, unterstützt auch Mir. Diesen Wayland-Konkurrenten benutzt die Version 8 des bei Ubuntu verwendeten Desktops Unity. Bei Ubuntu Phone ist diese Version bereits im Einsatz.

Mit der Beta ist auch der Support für die im Februar veröffentlichte Programmierschnittstelle Vulkan in der Hauptentwicklungslinie des Treibers angekommen. Nvidia bot bislang nur einen speziellen, aus der normalen Entwicklung ausgekoppelten Beta-Treiber für Vulkan an, das mit Direct3D 12 konkurriert.

Nvidias Treiber-Installer richtet jetzt standardmäßig die OpenGL Vendor-Neutral Dispatch library (libglvnd) ein – eine von Nvidia selbst entwickelte Open-Source-Bibliothek, über die Anwendungen in Zukunft zum passenden OpenGL-Treiber finden sollen. Das ist unter anderem für Optimus-Notebooks wichtig, damit Anwendungen auf diesen Notebooks mit Grafikprozessoren von Intel und Nvidia die LibGL nutzen, die zum gerade verwendeten Grafikprozessor passt. (thl@ct.de)

KDE Plasma 5.6 verbessert Fensterleiste

Die Task-Leiste der neuen KDE-Oberfläche zeigt Bereiche an, um Audio- und Video-Player steuern zu können.

Die neueste Ausgabe der Bedienoberfläche des KDE-Projekts enthält eine verbesserte Task-Leiste, über die der KDE-Dateimanager den Fortschritt von Kopieraktionen grafisch anzeigen kann. Bei Audio- und Video-Playern kann die Fensterleiste jetzt einen Mini-Dialog einblenden, in dem es Cover-Bilder darstellt und Schaltflächen zum Vor- und Zurückspringen und Pausieren anzeigt; Anwender können Programme so direkt über die Task-Leiste steuern.

Laut den Entwicklern gab es zudem „signifikante Fortschritte“ bei der Unterstützung für den designierten X11-Nachfolger Wayland. Dadurch lässt sich nun die von manchen Anwendern geliebte Desktop-Betriebsart „Focus follows mouse“ konfigurieren. Der Betrieb als Wayland Compositor gilt aber nach wie vor als unfertig und nicht bereit für den Alltagseinsatz.

Das Farbschema des Standard-Themes Breeze lässt sich nun leicht an individuelle Wünsche anpassen; bislang hatte man nur die Wahl zwischen einer hellen oder dunklen Darstellung. Das neue Plasma bringt ein Wetter-Miniprogramm mit, das einem Widget aus KDE4-Zeiten ähnelt. (thl@ct.de)

AMD: Catalyst ade, Nachfolger mit Vulkan

Beim am 21. April erwarteten Ubuntu 16.04 wird sich die proprietäre Grafiktreiberfamilie „Catalyst“ nicht einrichten lassen, denn AMD macht die Treiber nicht zu neuen Distributionen kompatibel. Stattdessen legt das Unternehmen offenbar einen Fokus auf die Entwicklung einer komplett neuen Treiber-Generation namens „AMD GPU-Pro“. Eine erste Vorabversion dieser aus quelloffenen und proprietären Treibern bestehenden Grafiktreiberfamilie ist jetzt erhältlich.

Mit der neuen Treiber-Generation schwenkt AMD auf einen grundlegend neuen, im Herbst 2014 in Aussicht gestellten Ansatz um: Die Basis bildet ein quelloffener Treiber im Kernel, auf den quelloffene Video-Beschleunigungstreiber und proprietäre Treiber zur 3D-Beschleunigung über die Programmierschnittstellen OpenGL und Vulkan aufsetzen. Der Vulkan-Treiber ist ein Highlight der Treiberfamilie, denn mit ihm lässt sich der von den OpenGL-Machern entwickelte Direct3D-12-Konkurrent nun auch mit AMD-Hardware ausprobieren.

Bei dem quelloffenen Kernel-Treiber handelt es sich um eine erweiterte Variante des Kernel-Treibers „amdgpu“, den der Linux-Kernel seit Version 4.3 mitbringt. Die proprietären Treiber der Treiberfamilie erfordern aber die erweiterte Variante – arbeiten also nicht mit dem Treiber zusammen, der in aktuellen Kernel-Versionen steckt.

Die Beta von AMD GPU-Pro ist speziell auf Ubuntu 14.04.4 abgestimmt, daher funktioniert der Treiber-Installer bei anderen Distributionen nicht. Die Treiberfamilie spricht außerdem nur Grafikchips der GCN-1.2-Generation an; das sind etwa der Notebooks-Chip R9 M395X oder die Chips, die auf den Radeon-R9-Grafikkarten 285, 380, 380X, Nano, Fury und Fury X sitzen.

Die neue Treiberfamilie hat zudem noch eine Reihe bekannter Probleme. Erste im Internet publizierte Messungen sprechen dafür, dass der in AMD GPU-Pro enthaltene OpenGL-Treiber den Grafikchips etwas mehr 3D-Leistung entlockt als der quelloffene OpenGL-Treiber „radeonsi“, den Linux-Distributionen standardmäßig für Radeon-Chips der letzten Jahre nutzen. Beim Verkünden seines neuen Treiberansatzes hat AMD schon durchscheinen lassen, die Weiterentwicklung der proprietären Treiberfamilie Catalyst aufgeben zu wollen. Offenbar wirft das seine Schatten bereits voraus: AMD hat Catalyst bislang nicht angepasst, damit er mit den X-Servern der 1.18er-Reihe zusammenarbeitet, die das X.org-Projekt seit Anfang November verteilt. Da einige Distributionen solche X-Server nutzen, ließ sich Catalyst dort schon seit Monaten nicht einsetzen.

Ubuntu-Anwender werden bei Version 16.04 LTS mit der Inkompatibilität konfrontiert. Ubuntu stellt Systeme, die bislang die Catalyst-Treiberfamilie eingesetzt haben, beim 16.04-Upgrade auf die quelloffenen Treiberfamilien um. Bei den bereits erwähnten Grafikkarten ist das „amdgpu“, bei allen anderen „radeon“. Auch diese beiden entwickelt AMD selbst. Sie unterstützten die Video-Beschleunigung schon länger besser als Catalyst. Letzterer entlockt aber gerade neueren Grafikchips etwas mehr 3D-Performance und implementiert nicht nur OpenGL 4.1, sondern auch OpenGL 4.5. (thl@ct.de)

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