c't 9/2016
S. 39
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Facebook: KI beschreibt Bilder für Blinde

Facebook ergänzt hochgeladene Bilder automatisch um Beschreibungen, die Screenreader vorlesen können – ein Beitrag zur Barrierefreiheit. Allerdings ist die Funktion derzeit nur unter iOS und für englischsprachige Nutzer in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland verfügbar. Weitere Länder, Sprachen und Plattformen sollen folgen.

Für die Bildanalyse nutzt Facebook eine Objekterkennungstechnik, die mit neuronalen Netzwerken arbeitet. Trainiert wurde der Erkennungsalgorithmus mit Millionen von Beispielbildern. Das System erkennt derzeit gut 100 verschiedene „Konzepte“ (Objekte und Szenen) und generiert Beschreibungen wie „Bild könnte drei Personen enthalten, lachend, in der Natur“. Den erzeugten Text bettet Facebook in den HTML-Code als Alt-Text ein; er ist Teil des Accessibility-Standards des W3C. Entwickler Matt King, der maßgeblich für die neue Funktion verantwortlich ist, würde der KI gern auch eine Gesichtserkennung beibringen. Darin sehen Kritiker allerdings Datenschutzprobleme, schließlich müsste Facebook das Ergebnis der Gesichtserkennung speichern.

Jeden Tag versenden und veröffentlichen die Nutzer auf Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp mehr als 2 Milliarden Fotos. Menschen mit Sehbehinderungen seien oftmals frustriert, weil sie von diesen Inhalten ausgeschlossen sind und nicht uneingeschränkt am Austausch mit anderen teilnehmen können, erklärte Facebook und führt als Beleg eine aktuelle Studie der Cornell University an. Das Ziel des sozialen Netzwerks sei es, alle Nutzer gleichermaßen zu verbinden. Außer mit Fotos kommunizieren Menschen immer mehr über Bewegtbilder, wie die Erfolge von Snapchat und Twitters Periscope zeigen. Als Nachzügler gibt nun auch Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit, Live-Videos über das soziale Netzwerk auszustrahlen. Ähnlich wie bei Periscope sind in einer Karte die aktuellen Übertragungen verzeichnet. Zuschauer können die Videos live kommentieren und Freunde einladen, den Stream mit ihnen gemeinsam zu verfolgen.

Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg sind Live-Videos vom Smartphone das „nächste große Ding“ und der Anfang eines neuen „goldenen Zeitalters für Video“. Das Unternehmen setzt deshalb auch verstärkt auf (mobile) Videowerbung. (dbe@ct.de)

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