c't 4/2017
S. 44
Kurztest
Saug-Roboter

Smarter China-Sauger

Mit dem Staubsauger-Roboter Mi Robot tritt der chinesische Hersteller Xiaomi gegen deutlich teurere Konkurrenz etwa von iRobot, Vorwerk oder Dyson an.

Aufmacherbild

Der recht elegant gestaltete Mi Robot macht einen wertigen, soliden Eindruck – nichts klappert, wackelt oder quietscht, auch nicht nach dutzenden Saugvorgängen. Viele Bauteile am Saug-Roboter ähneln auffällig denen der Roombas von iRobot – da haben sich die Xiaomi-Produktentwickler wohl einiges abgeguckt.

Video: Mi Robot Vacuum von Xiaomi

Mit 12 Sensoren erfasst der Roboter permanent seine Umgebung. Ein rotierender Laser-Distanz-Sensor etwa erkennt zusammen mit einem Ultraschall-Radar Hindernisse in bis zu sechs Metern Entfernung. Mi Robot saugt mit einer bemerkenswert planvollen Strategie: Er fährt zunächst die Ränder ab und erstellt eine Art Grundriss. Erst dann reinigt er in parallelen Bahnen einen Raum nach dem anderen. Das erledigt er mit hohem Tempo: Eine 130-qm-Wohnung saugte er in unserem Test in rund zwei Stunden – andere Saugbots sind da deutlich langsamer.

Dabei ging der Roboter angenehm leise und gründlich zu Werke, Katzenhaare und Staub etwa entfernte er zuverlässig. Hochflorige Teppiche bereiten ihm keine Probleme, allerdings scheitert er bisweilen daran, Teppich- oder Türschwellen über 1,5 Zentimeter zu überwinden.

Der Mi Robot hat nur zwei Taster: einen On/Off-Knopf und einen Home-Button. Drückt man auf letzteren, fährt der Sauger automatisch zur Basisstation zurück und dockt an die breiten Kontaktschienen an, um den Akku zu laden. Dasselbe tut er, wenn der Akku fast leer ist – nach dem Laden fährt er automatisch mit dem Saugvorgang fort. Start und Ende quittiert der Roboter mit Sätzen einer chinesischen Frauenstimme.

Das ganze Potenzial des smarten Saugers erschließt sich erst mit der Mi-Home-App. Darüber lassen sich Zeitpläne erstellen und Saugmodi auswählen. Sie zeigt sogar einen Live-Grundriss des erfassten Raums inklusive des Sauger-Standorts und Putzfortschritts. Allerdings ist die App teils in englischer, teils in chinesischer Sprache. Immerhin liefern einige Blogs mittlerweile deutsche Anleitungen, mit denen es gelingt, die App auch ohne Sprachkenntnis via WLAN mit dem Sauger zu koppeln.

Man muss die App zunächst mit einem vom Mi Robot geöffneten WLAN verbinden und ihm die Zugangsdaten zum heimischen WLAN-Router übergeben, bevor sowohl App als auch Sauger über die Xiaomi-Cloud kommunizieren können. Wir haben den Datenverkehr von App und Gerät belauscht: Er war komplett TLS-transportverschlüsselt. Ob also beispielsweise das Router-Passwort zu chinesischen Servern übertragen wird, konnten wir nicht prüfen. Wer auf Nummer sicher gehen will, richtet ein separates Gäste-WLAN für den Sauger ein und meidet Personenbezug, indem er für die Registrierung beim Mi-Home-Service eine Wegwerf-E-Mail-Adresse verwendet.

Wie bei Geräten von Xiaomi üblich gehört zum Kauf eine gewisse Risikobereitschaft. Wir orderten das Testgerät über einen der China-Online-Shops und erhielten es nach rund drei Wochen. Mitunter bleiben die Geräte im Zoll hängen, der dann die Umsatzsteuer geltend macht. Die zugesagte Produktgarantie dürfte im Schadensfall kaum durchzusetzen sein. Immerhin sind Ersatzteile, etwa neue Bürsten oder Rollen, lieferbar. (hob@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Xiaomi Mi Robot Vacuum

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