c't 1/2017
S. 60
Interview
Richard Stallman
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»Niemals!«

GNU-Gründer Richard Stallman im Interview

Unter keinen Umständen darf man nichtfreier Software vertrauen – das predigt Richard Stallman nicht nur, er lebt auch konsequent nach dieser Maxime. Fast genauso erbittert kämpft er für die Anerkennung seiner Lebensleistung GNU, „das fälschlicherweise oft als Linux bezeichnet wird“.

c’t: Dr. Stallman, im Herbst 1983 kündigten Sie Ihr freies Betriebssystem GNU an. Was hatte Sie zu der Erkenntnis geführt, dass die Welt ein freies Betriebssystem braucht?

Richard Stallman: Ein paar Jahre vorher hatte ich den Drucker im KI-Labor des MIT um zwei Funktionen ergänzt: die Anzeige einer Bestätigung nach jedem Ausdruck sowie, falls der Drucker streikt, die Anzeige einer Fehlermeldung auf den Rechnern aller Nutzer, die auf Ausdrucke warten. Das machte das System aus Drucker und Menschen zuverlässig, obwohl der Drucker selbst unzuverlässig war.

Zum Kasten: Die vier Freiheiten

Diese Funktionen wollte ich auch bei einem neuen Xerox-Drucker ergänzen, aber das ging nicht, weil der Drucker mit nichtfreien Treibern lief. Dann hörte ich, dass ein Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität den Quelltext hatte. Der sagte mir allerdings, dass er mir keine Kopie geben dürfe. Er hatte eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben. Ich war perplex. Ich ging, ohne ein Wort zu sagen.

Mir wurde klar, dass es unmoralisch ist, eine Vertraulichkeitsvereinbarung für allgemein nützliche technische Informationen wie Software-Quelltext zu unterschreiben. Gemessen an den ethischen Standards meiner Laborgemeinschaft hatte dieser Mann uns verraten. Und nicht nur uns. Er hatte die ganze Welt verraten, denn er hatte versprochen, niemandem den Quelltext zu geben.

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