c't 10/2017
S. 140
Praxis
Mapillary
Aufmacherbild

Mapillary

Street View ohne Google

Mit der Kamera in der Hand, vermessen wir das ganze Land! Der Web-Dienst Mapillary erstellt aus georeferenzierten Fotos Street-View-ähnliche Kamerafahrten, erkennt Verkehrszeichen und baut 3D-Modelle.

Wo kann man sich in einer Welt, in der selbst die abgelegensten Inseln schon entdeckt sind, noch wie ein Pionier fühlen? Beim Foto-Mapping. Dabei entstehen anhand von Fotoserien Straßenansichten wie bei Google Street View. Doch Street View ist auf Straßen und Wege begrenzt und man kann nichts dazu beitragen.

Anders bei Mapillary. Hier zieht man los, mit Smartphone oder Action-Kamera, knipst Aufnahmeserien von beliebigen Orten und Wegen und lädt sie, mit GPS-Standortinformationen versehen, auf die Server des Foto-Mapping-Dienstes hoch. Der sammelt die Daten und stellt eine Plattform bereit, mit der sich die Ergebnisse betrachten lassen. So kann jeder dazu beitragen, dass andere Nutzer per Browser Expeditionen unternehmen können, zum Beispiel zur Insel Bouvet im eisigen Südatlantik – oder nach Castrop-Rauxel.

Die Crowd macht das schon!

Die Mapillary-Karte weist allerdings noch viele weiße Flecken auf. Das schwedische Start-up nutzt aber geschickt einige Schwächen von Google:

Während Google sich auf Straßen konzentriert, sind Mapillary auch Fuß- und Wanderwege, ja selbst weglose Wüsten wichtig. Firmenchef Jan Erik Solem: „Wir wollen die Welt kartieren, aber mit Fotos. Und darüber hinaus wollen wir auch interpretieren, was sie zeigen.“ Mapillary versucht dazu, Bilder zu segmentieren. Dabei werden Bildbereiche Klassen zugeordnet, die erkannte Objekte beschreiben, zum Beispiel Straßen und Häuser, Autos und Menschen, Bäume und andere Vegetation sowie den Himmel. Der Web-Dienst unterscheidet zwölf Strukturen und markiert sie farbig in den Fotos. Diese Bereiche und Klassen bilden das Ausgangsmaterial für 3D-Modelle, die später aus den gesammelten Daten entstehen könnten. Das Fernziel ist eine nach vielen Dingen durchsuchbare Weltkarte in 3D.

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Mapillary (1 Bilder)

Nutzer können per Menübefehl Openstreetmap-Karten direkt mit Hilfe von Mapillary-Fotos editieren.