c't 10/2017
S. 104
Test
China-Direkt-Import: Lautloser Mini-PC
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Verlockung aus Fernost

Testbestellung: Mini-PC direkt aus chinesischer Quelle

Von diesem lüfterlosen Rechner geht ein starker Reiz aus: Der „eglobal kaby see mini pc“ spielt in derselben Liga wie der edle Schweizer PrimeMini 3, kostet aber nur ein Drittel. Die Versuchung ist also groß, alle roten Warnlampen zu ignorieren und die kleine Box einfach direkt aus China zu bestellen.

Lautlose Kompaktrechner sind begehrt und das Preisniveau für Geräte von deutschen und europäischen Anbietern recht hoch. So überrascht es nicht, dass Interessenten günstigere Quellen suchen. Beispielsweise schrieb c’t-Leser Sören Beye: „Das geht auch günstiger direkt von der Quelle.“ Beye hatte nach unserem Test passiv gekühlter Mini-PCs [1] einen Mini-PC direkt vom chinesischen Anbieter Eglobal erstanden.

Man kann mit Bestellungen direkt aus China durchaus Geld sparen [2]. Dabei lauern aber praktische und rechtliche Fallstricke [3]. Wir haben deshalb den Kauf eines „eglobal kaby see mini pc“ durchgespielt und dabei einige Überraschungen erlebt.

Der stille Kaby See

Tatsächlich erinnert die Ausstattung des „kaby see mini pc“ – offensichtlich eine maschinelle Übersetzung von Kaby Lake – an den passiven NUC-Umbau von Prime Computer, nur eben mit aktuellem Kaby-Lake-Antrieb: Im Inneren steckt ein Core i7-7500U, also ein Zweikern-Prozessor aus Intels Mobil-Portfolio mit Hyper-Threading, einer Taktrate von 2,7 GHz und einem Turbo-Takt von bis zu 3,5 GHz. Um die Grafikausgabe kümmert sich die integrierte GPU Intel HD Graphics 620. Vier USB-3.0-Ports, ein SD-Kartenleser, WLAN, Bluetooth 4.0 und Gigabit Ethernet sind ebenfalls an Bord.

Verwirrende Komponentenbezeichnung: Den „kaby see mini pc“ muss man im Shop noch um Farbe und Bündel ergänzen.

Zum funktionsfähigen PC fehlten noch Arbeitsspeicher und SSD, die wir auf der Shop-Seite mit zwei Klicks ergänzten. Die Komponenten werden dort unbeholfen als „Bündel“ respektive „Farbe“ übersetzt. Wir entschieden uns für eine typische Office-Konfiguration mit einem 8-GByte-Bündel und 256 GByte Farbe. Der Preis fiel mit knapp 500 Euro sehr attraktiv aus, zumal Eglobal sogar ein Windows 10 vorinstalliert. Zudem gewährt der Hersteller eine dreijährige Garantie. Die Versandkosten waren ebenfalls enthalten. Nicht nur das: Der Anbieter versprach auf der Shop-Seite, seinen Kunden bei der Vermeidung von Steuern und Zöllen zu helfen.

(Un)Freies Betriebssystem

Hier lauern die ersten rechtlichen Fallstricke. Zum einen wirbt Eglobal offen damit, dass es sich um eine gecrackte OEM-Version von Windows handle, also nicht um eine legale Lizenz (siehe Bild). Für unfreiwillige Komik sorgt die holprige maschinelle Übersetzung, die aus Windows ein „freies Betriebssystem“ macht.

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