c't 11/2017
S. 106
Praxis
Trouble-Shooting: Netzwerk
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Heulen, dann heile machen

Netzwerk-Fehler finden und beseitigen

Wenns im Heimnetz knirscht, ist guter Rat oft teuer. Denn an vielen Netzen sind neben Router und PC auch Switches, Smart-TVs und andere Elemente beteiligt, was die Übersicht erschwert. Wir zeigen anhand von Faustregeln, wie man Fehlerquellen auch ohne Profi-Know-how und teures Equipment einkreist.

Der IPTV-Stream stockt an manchen Tagen und funktioniert an anderen reibungslos, der Internet-Zugang geht mal und mal nicht – die Fehlersuche im LAN kann vertrackt sein, vor allem, wenn Probleme ohne ersichtlichen Grund auftauchen. Deshalb empfiehlt es sich, zuerst sicherzustellen, dass die grundlegende Netzwerkschicht einwandfrei arbeitet (Bitübertragungsschicht, physical Layer). Bei LANs ist das die Verkabelung mitsamt der aktiven Elemente, also Router, Switches, Access Points, Repeater, Powerline-Adapter.

Im Profi-Umfeld sind für die Spurensuche auf der Netzwerkschicht Kabel-Tester gebräuchlich. Damit lassen sich etwa Ermüdungsbrüche oder fehlerhaft angeschlossene Stecker detektieren. Drei solcher Geräte aus unterschiedlichen Preiskategorien stellen wir im Beitrag ab Seite 114 vor. Für Privatnutzer lohnen sich solche Geräte aber kaum. Sie kreisen Fehlerquellen lieber durch simple Austausch-Tests ein. Wenn das auch bei Ihnen ansteht: Tauschen Sie immer nur ein Element aus und testen Sie immer auf die gleiche Weise, ob das etwas gebracht hat. Notieren Sie die Ergebnisse in einer Tabelle. Falls Sie später einen Spezialisten ordern müssen, erleichtern Sie ihm so die Übersicht und kürzen den Eintrag auf seinem Stundenzettel.

Video: „Nachgehakt“

Stellen Sie zunächst sicher, dass die Verkabelung korrekt ist. Mangelhafte Abschirmung (Blechmantel am RJ45-Stecker fehlt) schlägt bis zur Software-Ebene durch, ist aber oft nur mit Intuition zu erkennen. Wenn Sie Anschlussdosen selbst verlegen: Nutzen Sie die Montageanleitungen der Hersteller (z. B. media.telegaertner.com/Montageanleitung/B05030A0372D.pdf). Lassen Sie lieber die Finger von Kabelspartricks für LAN und ISDN (je vier Adern eines CAT5e-Kabels für beide Dienste) und verlegen Sie für jeden Dienst ein eigenes Kabel. So vermeiden Sie Übersprechstörungen.

Wenn Geräte keinen Kontakt finden, scheitert die Autonegotiation – dann hilft ein Router, auf dem man Fast-Ethernet vorgeben kann.

Wenn Sie Ersatz benötigen: Für Gigabit-Ethernet (1000 MBit/s) und NBaseT (2,5 und 5 GBit/s) eignen sich normale und gekreuzte CAT5e-Patchkabel; moderne Geräte konfigurieren sich passend (Autonegotiation). Dafür müssen alle vier Adernpaare des Kabels bestückt sein. Manche Patch-Kabel enthalten aber nur zwei Paare (Pins 1/2 und 3/6), was maximal für Fast-Ethernet genügt (10 MBit/s, 100 MBit/s).

Es kommt vor, dass 1:1-Kabel trotz Autonegotiation nicht funktionieren. Nehmen Sie dann solche, bei denen die Paare 1/2 und 3/6 gekreuzt und die Paare 4/5 und 7/8 1:1 durchverbunden sind.

Überbrücken oder tauschen

Bei manchen Gerätepaaren scheitert die Aushandlung der Geschwindigkeit, etwa mit alten DSL-Modems und modernen WLAN-Routern. Stellen Sie dann den zugehörigen Port im Router fest auf Fast-Ethernet ein. Falls das nicht möglich ist, schalten Sie einen Gigabit-Switch dazwischen. Selbiges gilt für ältere IPTV-Receiver und andere Kellergeister.

Gigabit-Ethernet braucht vier Adernpaare – manche billigen Patch-Kabel enthalten aber nur zwei, was nur für Standard- und Fast-Ethernet genügt (10 MBit/s, 100 MBit/s).

Aktive Netzelemente sollte man bei Tests der Netzwerkschicht als Blackboxen betrachten (DSL-Modem, Router, Switch, Powerline-Adapter, Repeater, PC, Telefon, Smart-TV etc.). Nutzen Sie die LED-Anzeigen an den Netzwerk-Anschlüssen für eine erste Diagnose. Bleiben sie trotz eingeschaltetem Gerät aus, obwohl das LAN-Kabel die Prüfung bestanden hat, haben Sie den Fehler eingekreist. Wenn die Lämpchen noch ordnungsgemäß leuchten oder flackern, kann ein Gerätetausch Klarheit bringen. Grundsätzlich klappt das natürlich nur, wenn Sie einen Ersatz haben, etwa ausrangierte Router oder Repeater. Eventuell kann der Nachbar oder ein WG-Mitbewohner mit einer Leihgabe helfen. Andernfalls versuchen Sie, einzelne Netzelemente zu umgehen: Wenn Sie zum Beispiel prüfen wollen, ob ein Fehler an einem Switch liegt, koppeln Sie daran angeschlossene Geräte nacheinander direkt an den Router. Gleiches gilt für Tests von Powerline-Adaptern, Repeatern oder Access Points.

Wenn der Internet-Zugang klemmt, ist zunächst offen, auf welcher Seite des Routers das Problem liegt – WAN (Internet) oder LAN (Heimnetz). Dann helfen Router, die über den Status der WAN- oder DSL-Schnittstelle Auskunft geben. Fritzboxen informieren im Menü „Übersicht“, „Internet“, „DSL-Informationen“ über den WAN-Status und gegebenenfalls über den Fehlergrund.

Bei Routern ohne solche Menüs hilft eine indirekte Analyse mit dem Ping-Befehl. Am schnellsten geht das mit Netzwerk-Tools für Smartphones – nehmen Sie zum Beispiel „Fing“ oder „HE Network Tools“ und testen Sie, ob Ihr Gateway per Ping erreichbar ist (mehr zu Smartphone-Apps finden Sie ab Seite 110). Auf Windows ermittelt man auf der Kommandozeile das Default Gateway mit dem Befehl ipconfig. Senden Sie dann Ping-Pakete an das Gateway: ping 192.168.1.1. Wenn der Router antwortet, sieht das zum Beispiel so aus: Reply from 192.168.1.1: bytes=32 time=5ms TTL=64.

Wenn er stumm bleibt oder einzelne Pings ohne Antwort bleiben, liegts am LAN. In dem Fall greift die Ersatzstrategie bei der Fehlersuche – prüfen Sie Kabel- und WLAN-Verbindungen, ersetzen oder umgehen Sie gegebenenfalls Router oder AP durch ein Reserve-Gerät und checken Sie, ob der Internet-Zugang von dem fraglichen PC oder Smartphone per Mobilfunk funktioniert – nutzen Sie für den PC ein per USB angekoppeltes Smartphone als Gateway.

Wenn das Gateway antwortet, ist Ihr Heimnetz in Ordnung. Testen Sie dann den Internet-Zugang: ping 193.99.144.80. Der Befehl fordert Echo-Pakete von heise.de an. Wenn diese ausbleiben, spricht einiges dafür, dass der Fehler im DSL-Modem oder beim Provider liegt. Wenn es aber klappt, dann funktioniert Ihr Internet-Zugang und der Fehler liegt oberhalb der Verbindungsschicht. Testen Sie anhand mehrerer Ziele, ob die Internet-Namensauflösung funktioniert: ping heise.de, ping zeit.de, ping google.com. Falls kein Versuch klappt, tragen Sie vorübergehend einen anderen DNS-Server in Ihren Router ein und melden Sie den Fehler Ihrem Provider.

DNS-Server, die von jedem Internet-Anschluss erreichbar sind, sind selten. Beispielsweise bietet Google unter 8.8.8.8 einen DNS-Dienst. So lernt Google aber die Internet-Ziele Ihrer ganzen Familie kennen. Richten Sie daher baldmöglichst den DNS-Server Ihres Providers ein.

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