c't 11/2017
S. 34
Prozessorgeflüster
Intel Scalable Family, Booster in Jülich

Prozessorgeflüster

Vom plaudernden und vom schweigenden Bob

Bilanzen von AMD und Intel, die Scalable Family, Auszeit für Intels Serverchefin Diane Bryant, schlampig programmierte Intel-Firmware für die Management Engine … und ein 5-PFlops-Booster für Jureca in Jülich

Der neue Ryzen sorgte bei AMD im ersten Quartal 2017 zwar noch nicht für positive Zahlen in der Gewinn-Bilanz, aber immerhin ist der Verlust gegenüber dem des Vorjahres um 33 Prozent auf 73 Millionen US-Dollar gesunken. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 984 Millionen Dollar, allerdings war jenes Vergleichsquartal das schlechteste seit Ende 2003.

Weitaus besser siehts beim Aktienkurs aus, der zumindest bis zur Bekanntgabe der Quartalsergebnisse über viermal so hoch war wie vor einem Jahr. Unmittelbar danach brach er aber um über 25 Prozent ein. Aber dennoch, die Aussichten sind gut, AMD erwartet im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 17 Prozent mehr Umsatz. Schließlich kommen bald auch der Serverprozessor Naples und die Vega-GPUs, sodass AMD dann vielleicht mal wieder schwarze Zahlen schreiben dürfte.

In dieser dunklen Farbe schreibt Intel seinen Nettogewinn gemäß GAAP eigentlich immer, bis auf den einen Ausrutscher im zweiten Quartal 2009, als die von der europäischen Kommission verhängte Strafe in Höhe von über eine Milliarde Euro die Bilanz verhagelte – jedenfalls vorläufig, denn darum wird weiterhin gestritten. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu Intels Berufung steht in Kürze zu erwarten, und da siehts so schlecht für Intel nicht aus. Jedenfalls hat sich der schwedische Generalanwalt des EuGH, Nils Wahl, vor einem halben Jahr für eine Zurückverweisung und Neuverhandlung ausgesprochen. Genug Geld in der Kriegskasse hat Intel jedenfalls, jetzt im ersten Quartal kam ein ordentlicher Gewinn von gut 3 Milliarden Dollar (ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal) hinzu, bei um 8 Prozent höherem Umsatz von 14,8 Milliarden Dollar.

Von zusätzlichen Kosten wegen des im letzten Quartal vom Finanzchef Bob Swan ausposaunten „Product Quality Issue“ war diesmal nichts zu hören, nur fällt auf, dass der Gewinn der Datacenter-Gruppe trotz höherer Umsätze noch mal kräftig um rund 300 Millionen Dollar gefallen ist. Gut möglich, dass da noch weit mehr Folgekosten dranhängen, als bisher bekannt sind.

Die Chefin dieser Abteilung, Diane Bryant, nimmt aus familiären Gründen jetzt eine Auszeit von sechs bis acht Monaten und so übernimmt der bisherige Chef der Client Computing Group, Navin Shenoy, ihren Posten, und zwar, wie Intel-Chef Krzanich in einer E-Mail an die Mitarbeiter betont, nicht nur interimsweise.

Quality issues

Bei den PCs, Notebooks und Server macht derweil eine andere Product Quality Issue die Runde, nämlich ein peinliches Sicherheitsloch in Intels Management Engine als Bestandteil der Advanced Management Technology AMT (siehe S. 44). Seit Jahren schon weisen Sicherheitsexperten und Websites wie semiaccurate.com auf das Risiko „Management Engine“ hin, von möglichen NSA-Masterkeys war zu hören und ähnliches mehr.

In c’t 13/14 schrieb Christof Windeck dazu: „Trotzdem ist es schade, dass sich die ME nicht schlichtweg per Jumper abschalten lässt. PC-Käufer müssen Intel vertrauen, dass keine Hintertüren eingebaut sind und die Schutzvorkehrungen auch den schlauesten Angreifern widerstehen. Mit einer Offenlegung des Quellcodes der ME-Firmware sowie sämtlicher ME-Funktionen könnte Intel dieses Vertrauen stärken.“ Hätte Intel das mal getan, denn dann wäre das Riesen-Einfallstor in der offenbar schlampig programmierten Firmware vermutlich viel früher aufgefallen.

Keine superschlauen Angreifer oder gar versteckte NSA-Keys sind nötig, ein schnöder Anfängerfehler sorgt dafür, dass der integrierte Webserver beim standardmäßigen Admin-Account beliebig verkürzte Authentifizierungscodes erlaubt, bis hinunter zum leeren String. Das hat die kalifornische IT-Sicherheitsfirma Embedi rund um den bekannt schlauen Angreifer Dmitriy Evdokimov schon Mitte Februar herausgefunden, aber es nicht gleich an die große Glocke gehängt, sondern Intel etwas Reaktionszeit gelassen. „Silent Bob is Silent“ – so hat Embedi den Fehler getauft, nach der amerikanischen Kifferserie „Jay and Silent Bob“, bei der sich jeder fragt, warum denn Bob so silent ist.

Jetzt ist es offiziell, Intels Scalable Xeon Family, eingeteilt nicht mehr in E5 und E7, sondern in vier Edelmetall-Fächer. Bild: Intel

Doch es gibt auch positive Produktmeldungen von Intel, insbesondere die offizielle Ankündigung der Xeon-Marketing Chefin Lisa Spelman der nunmehr für „Mitte Sommer“ vorgesehenen Xeon-Familie mit Skylake-Architektur und AVX512. Die meisten Einzelheiten der neuen „Scalable Family“ habe ich hier ja schon vorab ausgeplaudert, etwa die Einteilung in vier Segmente Platinum, Gold, Silver und Bronze. Bis zu 3,9-mal höheren Durchsatz bei der Virtualisierung unter VMWare ESXi 6.0 sollen die Zwei-Sockel-Skylake-SP-Xeons haben, jedenfalls wenn man sie mit einem vier Jahre alten System der ersten E5-Generation in der Romley-Plattform mit Xeon E5-2690 vergleicht. Bezogen auf den unmittelbaren Vorgänger Xeon E5-2699v4 (Broadwell EP) auf der Grantley-Plattform reduziert sich der Zuwachs auf lediglich 30 Prozent. Allerdings nutzt der Hypervisor ja auch nicht AVX512.

Intel selbst hatte zuvor offenbar versehentlich in den Product Change Notifications PCN115363-00 bereits alle Versionen der Platinum- und Gold-Familien samt Takt, Masken-Stepping, Produktcode und S-SPEC aufgelistet, das PDF aber schnell wieder von der Website entfernt. Mit H0 ist das Stepping ungewohnt hoch, da musste man offenbar noch reichlich debuggen.

Manche Online-Handler hatten auch bereits Preise gelistet – die Seiten verschwanden dann aber ebenfalls schnell wieder. Der britische Händler Ballicom etwa listete den Edel-Platinprozessor 8180M mit 28 Kernen, 2,5 GHz Takt und mit Unterstützung von bis zu 8 Sockeln mit einem empfohlenen Preis von 23.637,55 britischen Pfund (incl. MwSt.) auf, bot den Prozessor aber zum Discount-Preis von 13.550 Pfund an.

Jülicher Booster

In Kooperation mit Dell, Intel und ParTec „boostet“ das Jülicher Supercomputer Center den von der russischen Firma T-Platform aufgebauten Rechner Jureca noch einmal kräftig um bis zu 5 PFlops auf. Die Leistung sollen Xeon-Phi-7250-F-Prozessoren im Cluster mit Dell PowerEdge C6230P in einem für Supercomputer neuartigen modularen Konzept erbringen. Einen Cluster dieses Typs kennt Dells Website indes nicht, vermutlich meint man den im letzten Jahr auf der ISC’16 vorgestellten kompakten C6320P, mit vier Xeon-Phi-Knoten in 2 HE. Bei dem ist der Interconnect OmniPath derzeit noch per PCIe-Adapter spezifiziert. In Jülich sollen aber die Xeon-Phi-F-Versionen mit integriertem OmniPath eingesetzt werden. Mit einer noch zu entwickelnden Bridge-Konstruktion soll dann der OmniPath-Booster mit dem Mellanox-EDR des Jureca verbunden werden.

Dell liefert dem Jülicher Supercomputer Center einen „Booster“ von 5-PFlops aus kompakten Knoten (C6350P) mit Xeon Phi 7250-F

Vermutlich rund 1600 Knoten wird man brauchen, um die 5 PFlops zu erzielen. Das ist dann mal wieder ein großer Design-Win für Dell hier in Deutschland. Dell feierte ja neulich seinen 33-jährigen Firmengeburtstag mit in dieser Zeit erreichtem Gesamtumsatz von „1 Trillion“ Dollar. Okay, das ist die amerikanische Trillion, aber eine europäische Billion macht sich ja auch nicht schlecht. (as@ct.de)

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