c't 11/2017
S. 3
Editorial
Lutz Labs

Neuer Aufguss

Wer am Rechner sitzt, will arbeiten und nicht auf die Reaktion des Rechenknechtes warten. Daher ziehen wohl alle Anwender einen PC mit einer SSD einem Rechner mit einer alten Magnetfestplatte vor. Wer viel Speicherplatz braucht, greift aus Kostengründen dennoch häufig noch zu einer Festplatte. Mit ReadyBoost und Turbo Memory gab es schon Versuche, solche Systeme zu beschleunigen, doch durchgesetzt haben die sich nicht - zu gering war der Performance-Schub, den der zusätzliche Flash-Speicher brachte.

Intels neuer Anlauf aber funktioniert gut. Optane Memory, ein kleines mit dem Flash-Nachfolger 3D XPoint bestücktes M.2-Modul, bindet sich transparent als Cache zwischen CPU und Festplatte ein. Im Test erreichte diese Kombination praktisch die gleiche Performance wie ein reines SSD-System.

Doch sollte nun niemand gedankenlos in den nächsten Laden laufen und ein Optane-Modul kaufen, denn die Symbiose wird nur in wenigen Fällen funktionieren. Mit den Systemvoraussetzungen bringt Intel den schönen Beschleuniger gleich wieder zu Fall: Mainboard mit Optane-Unterstützung, Kaby-Lake-Prozessor und Windows 10, darunter geht nichts. Selbst wer vor nicht einmal einem halben Jahr für 1000 Euro oder gar noch mehr einen neuen Renner gekauft hat, kann das Optane-Modul lediglich als einfache SSD einsetzen - dafür aber ist es zu teuer, zu langsam und zu klein: Mehr als 32 GByte Kapazität gibt es nicht.

Vielleicht stößt die Optane-Technik bei den Herstellern von Komplett-PCs auf Interesse. Diese könnten mit aktueller Intel-Technik werben und die ebenfalls werbewirksame Kapazität des Massenspeichers hervorheben - der dann aus einer lahmen, aber großen und vor allem für sie spottbilligen Festplatte besteht. Doch auch diese Hersteller rechnen mit dem spitzen Bleistift. Und dabei könnte herauskommen, dass ein Desktop-PC mit einer großen SSD, aber etwas langsamerem Prozessor und günstigerem Mainboard billiger ist und von den Kunden ebenso gekauft würde. Nicht zu vergessen: Festplatten mit einem kleinen Flash-Cache, sogenannte Hybrid-Festplatten, erhöhen ebenfalls die Performance und laufen in jedem PC. Dem Beschleuniger-Modul dürfte daher der gleiche Erfolg beschieden sein wie den anderen erwähnten Techniken, nämlich gar keiner.

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