c't 12/2017
S. 80
Reportage
Nolan Bushnell

Post-Pong

Atari-Gründer Nolan Bushnell will VR revolutionieren

Mit Pong hat Nolan Bushnell 1972 das erste erfolgreiche Videospiel auf den Markt gebracht. Nun will er nochmal eine Revolution starten: mit seinem VR-System Modal.

Nolan Bushnell ist ein Phänomen: Im Laufe seines Lebens hat er über 20 Unternehmen gegründet, acht Kinder großgezogen – und Leonardo DiCaprio die Filmrechte an seiner Lebensgeschichte verkauft. Mit 74 Jahren will er nun noch einmal richtig durchstarten. Und mit seinem Start-up Modal VR die Virtual-Reality-Technik revolutionieren.

Bushnells wohl weltveränderndste Leistung war 1972 die Gründung der Videospielfirma Atari: Deren Spielautomat Pong ist zwar nicht das erste Computerspiel der Geschichte, aber definitiv das erste, mit dem ernsthaft Geld verdient wurde. Pong und seine Nachfolger waren so erfolgreich, dass nicht nur ähnliche Unternehmen wie Atari aus dem Boden schossen, sondern die Jahre 1972 bis 1983 als „Golden Age of Arcade Video Games“ in die Geschichte eingingen.

Zum Kasten: „Das größte Problem in Virtual Reality ist Essen“

Dann kam der große Crash – aber Bushnell hatte Atari da schon längst an Time Warner verkauft. Und fröhlich weiter Unternehmen gegründet. Bushnells größter Erfolg war außer Atari die Arcade-Pizzeria-Kette Chuck E. Cheese’s, die heute 590 Filialen betreibt.

Wie funktioniert Modal VR? Die vorläufigen Produktbilder geben wenig Aufschluss darüber.

Neben diesen Erfolgen hat Nolan Bushnell auch viele Firmen in den Sand gesetzt. Zum Beispiel Androbot, die Mitte der Achtzigerjahre Roboter für den Privatgebrauch herstellten. Auch für das Navigationssystem Etak war die Zeit 1985 noch nicht reif: GPS gab es noch nicht, die Karten wurden auf konventionellen Audio-Kassetten gespeichert.

Der Berufsoptimist

Bushnell kann der Fortschritt nicht schnell genug gehen. „Ich möchte in der Zukunft leben“, gab er in einem Gespräch mit c’t zu Protokoll. „Und der beste Weg, das zu bewerkstelligen, ist, die Zukunft selbst zu erfinden.“ Ob das funktioniert, ist natürlich unklar; aber Berufsoptimist Bushnell zweifelt grundsätzlich wenig. Über sein 2012 gegründetes Lernspiel-Unternehmen BrainRush behauptet er, dass dessen Produkte das Lernen „um den Faktor fünf bis zehn“ beschleunigen. Das Ziel sei, „die Art und Weise, wie Menschen lernen, fundamental zu verändern.“

Ausnahmegründer Bushnell hat freilich noch mehr Eisen im Feuer. Mit seinem Start-up Modal VR entwickelt er ein Großflächen-VR-System für Unternehmen, das nicht nur für Unterhaltungszwecke genutzt werden kann, sondern beispielsweise auch fürs Training von Sicherheitskräften.

Das Wichtigste an Modal VR sei der einfache Aufbau, betont Bushnell. „Idiotensicher“ sei das System, in wenigen Minuten startklar. Modal VR soll mehrere User auf riesigen Flächen tracken können. Während Firmen wie The Void mit aufwendigen Funksystemen vergleichsweise kleine Hallen bespielen, soll Modal VR auf einer Fläche von über acht Hektar mit lediglich einem Tracking-Gerät in der Größe eines Desktop-PCs auskommen sowie vier Pylonen in den Ecken der Spielfläche. Bushnell verspricht obendrein ein Ganzkörper-Tracking mit speziellen Anzügen (was bislang keiner Firma überzeugend gelungen ist) mit einer Genauigkeit von weniger als einem Millimeter. Und die Latenz soll unter 10 Millisekunden liegen.

Wie das funktioniert? Sagt Bushnell nicht, das sei Geschäftsgeheimnis. Aber schon in wenigen Monaten soll das System der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Was Modal VR alles können soll – das klingt ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Und dennoch: Nolan Bushnell hat schon dutzendfach bewiesen, dass er in der Lage ist, seine Visionen auch umzusetzen. Zumindest manchmal. (jkj@ct.de)

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