c't 13/2017
S. 82
Praxis
Admin wider Willen
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Admin wider Willen

Hilfestellungen für (un-)freiwillige IT-Hausmeister

Ein Computerproblem hat man manchmal auch dann, wenn der Chef überraschend in sein Büro bittet oder wenn der Großonkel anruft, obwohl man gar nicht Geburtstag hat. Dann braucht es zusätzlich zum PC-Wissen und dem passenden Werkzeug einiges an Fingerspitzengefühl.

Anderen zu helfen macht selbst Freude, und so opfert so mancher Computerversteher gerne seine Zeit, um Freunden, Verwandten und Kollegen bei Problemen mit PC, Smartphone, Drucker & Co. zu unterstützen. Allzu viele Fachkenntnisse sind oft gar nicht nötig, Formulierungen wie „Ich kann Kernel kompilieren“ oder „Ich spreche fließend C++“ verstehen Laien ohnehin nur selten. Deren Probleme entstammen eher der Kategorie „Icon vom Desktop verschwunden“ oder „Internet ist kaputt“, und da gilt schon der als krasser Hacker, der das WLAN einrichten und Treiber installieren kann. Zudem springt für den Helfer ja vielleicht eine Packung Schnökerkram heraus oder ein freiwilliger Mitstreiter beim nächsten Umzug.

Doch bei aller Freude kann solche Hilfestellung auch anstrengend sein, vor allem, wenn der Hilfesuchende von der Materie so überhaupt keine Ahnung hat. Wie erklärt man ihm bloß, was zur Lösung genau zu tun ist? Noch stressiger kann es bei Kandidaten mit Halbwissen sein, die zwar glauben, manches bereits verstanden zu haben, daraus aber hanebüchene Schlussfolgerungen ziehen.

Zum Kasten: Lassen Sie sich feiern!

Ganz nervig wird es schließlich bei jenen, die ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass jemand mit IT-Kenntnissen ihnen selbst dann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen hat, wenn man sich kaum kennt oder in einem Unternehmen gar nicht für solche Tätigkeiten bezahlt wird. Die Ansprüche an den Admin wider Willen sind bei solchen Kandidaten gern mal überbordend: Egal, um was es geht, es sollte sofort, umfassend, kostenlos und mit lebenslanger Garantie erledigt werden. Die besonders Arroganten sparen sich als Ausgleich noch Worte wie „Bitte“ oder „Danke“. Na gut, ganz so schlimm ist es (hoffentlich) nur selten, aber so manchem c’t-Leser dürfte dieses Bild trotzdem irgendwie bekannt vorkommen.

Video: Nachgehakt

Die folgenden Artikel geben Ratschläge, wie Sie in solchen Situationen Ihren Stresspegel möglichst niedrig halten. Der Beitrag auf Seite 84 nennt bewährte Tipps für den richtigen Umgang mit dem Hilfesuchenden. Es folgt ein Test von Fernwartungssoftware. Ein weiterer Artikel widmet sich den rechtlichen Aspekten der Tätigkeit als Admin wider Willen.

Einsätze vermeiden

So gern man Freunden, Verwandten und netten Kollegen hilft, gibt es doch auch Menschen, denen man nicht so gern helfen mag, und sei es nur, weil sonst irgendwann gar keine Freizeit mehr übrig bleibt. Dann hilft es, jenen gar nicht erst zu verraten, was Sie können. Wenn also der unsympathische Typ nach dem Elternabend in der Kneipe von seinen PC-Problemen erzählt, schweigt man dazu einfach. Man muss sich ja nicht aufdrängen, vielleicht will er sich ohnehin nur seinen IT-Frust von der Seele reden. Wer Hilfe wünscht, wird schon fragen. Auch dem Chef muss man seine Kenntnisse nicht auf die Nase binden, wenn das nicht für den Job erforderlich ist.

Falls zu dem Job, mit dem Sie Ihre Brötchen verdienen, die Aussage „irgendwas mit Computer“ passt, kann das Verschweigen knifflig werden. Dann seien Sie kreativ. Ein c’t-Kollege nutzt aus, dass in der Heise Gruppe, zu der unser Verlag gehört, auch noch anderes produziert wird und sagt dann: „Ich habe einen Bürojob bei einem Unternehmen, das Telefonbücher herstellt.“ Hat bisher stets geklappt.

Wenn die Tarnung auffliegt, können Sie Empfehlungen für Produkte geben, die einen guten Ruf haben, für die Sie aber mangels eigener Kenntnisse leider, leider keinen Support leisten können. Windows-Kenner empfehlen Apple-Produkte, Mac-Profis Kindle-Tablets. Auch die Ausrede „Ich kann nur Linux“ stoppt viele Support-Begehren. Dann haben Sie genug Zeit, um sich auf jene Leute konzentrieren zu können, denen Sie wirklich helfen mögen. (axv@ct.de)

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