c't 14/2017
S. 96
Test
Tintenmultifunktionsdrucker
Aufmacherbild

Schreibtischarbeiter

Tintenmultifunktionsgeräte für kleine Büros

Im kleinen oder heimischen Büro drucken und kopieren Multifunktionsdrucker mit langlebigen Pigmenttinten in hoher Qualität, scannen auf Netzwerkspeicher und in die Cloud und ersetzen das Faxgerät. Gut ausgestattete Modelle bekommt man für unter 200 Euro.

Tintendrucker und Tintenmultifunktionsgeräte eignen sich besser als Lasermodelle, wenn sie am oder direkt auf dem Schreibtisch stehen sollen: Sie arbeiten allgemein leiser und ohne die Laserdrucker-typischen Ausdünstungen. Wird regelmäßig gedruckt und das Gerät zum Feierabend korrekt über die Powertaste abgeschaltet, braucht man sich wegen eingetrockneter Düsen keine Sorgen zu machen. Vor allem aber: Mit Tinte druckt man günstiger als mit Toner. Außerdem bekommt man gut ausgestattete Tinten-Mufus für weniger als 200 Euro. Vergleichbare Geräte mit Laserdruckwerk kosten deutlich mehr.

Wir haben vier bürotaugliche Multifunktionsgeräte mit Fax und Dokumenteneinzug ins Testlabor geholt: Brother MFC-J5330DW, Canon Maxify MB5150, Epson WorkForce Pro WF-4720DWF und HP OfficeJet Pro 6960.

Der HP OfficeJet ist für rund 120 Euro das günstigste Gerät, bietet im Vergleich aber die magerste Ausstattung und druckt mit vergleichsweise kleinen Patronen am teuersten. Canons Maxify-Modell scannt als einziges Multifunktionsgerät im Test automatisch beidseitig; der breite Brother J5330DW bedruckt auch A3-Papier – bei Bedarf sogar randlos.

Bis auf den OfficeJet, dessen Papierfach nur 225 Blatt Normalpapier fasst, bevorraten alle Testgeräte 250 Blatt in einer staubgeschützten, von vorn bestückbaren Kassette. Erweitern lässt sich der Vorrat bei keinem Gerät. Einen zusätzlichen Einzelblatteinzug für Fotopapier, Umschläge und andere Sondermedien hat nur das Brother-Modell.

Brother gibt auf seine Geräte pauschal 3 Jahre Garantie. Mittlerweile bieten auch die anderen Hersteller 3 Jahre an, allerdings erst nach einer Online-Registrierung. HP setzt dafür eine Frist von 60 Tagen ab Kauf, Epson bloß 30 Tage.

Alles drin?

Abgesehen von der USB-2.0-Schnittstelle integrieren sich alle vier Testgeräte auch via Ethernet-Kabel oder WLAN ins lokale Netzwerk. So kann man sie von verschiedenen PCs und Mobilgeräten aus nutzen. Außerdem erhalten die Drucker Internet-Zugang für Cloud-Dienste.

Die Hersteller benutzen die Internetverbindung allerdings zunehmend zum Sammeln von Nutzungsdaten und für automatisierte Updates. Wer nicht möchte, dass sein Multifunktionsdrucker Daten über die genutzten Funktionen nach Hause telefoniert, sollte in den Einstellungen der Geräte von Canon und HP die Nutzerdatenübermittlung deaktivieren.

Zwar sind automatische Firmware-Updates praktisch, doch stört es, wenn man dringend einen Ausdruck braucht und der Drucker mit sich selbst beschäftigt ist. Außerdem hatte HP im vergangenen Jahr über ein Update vorher funktionierende Fremdtintenpatronen lahmgelegt. Wer dem Hersteller die Kontrolle über sein Gerät nicht überlassen will, schaltet daher auch automatische Updates ab. Den als „Yellow Dots“ von Farblaserdruckern bekannten Machine Identification Code (MIC) drucken die Tintengeräte nicht.

Die Drucker von Brother, Canon und Epson haben auf der Vorderseite USB-Host-Ports, an die man Speicher-Sticks anstecken kann. Darauf gespeicherte Fotos lassen sich ohne PC-Hilfe direkt ausdrucken oder die Sticks als Scan-Ziel benutzen. Scans landen dann als PDF auf dem USB-Stick. Angeschlossene PictBridge-Digitalkameras erkennt keines der Testgeräte.

Alle vier drucken automatisch beidseitig, was viel Papier spart. Der Brother J5330DW druckt zwar auch auf DIN-A3-Papier, die Wendeautomatik (Duplexer) bearbeitet jedoch nur Papiergrößen bis A4. Um beidseitige Kopien automatisch anzufertigen, muss auch der Vorlageneinzug (Automatic Document Feeder, ADF) des Scanners beide Seiten der Vorlage digitalisieren. Das kann im Testfeld nur der Canon Maxify.

Apropos Scanner: Der Einzug ist praktisch zum Faxen und zum schnellen Archivieren von Rechnungen; zum Scannen von Fotos in guter Qualität eignet sich der Flachbett-Scanner schon wegen der oft höheren Auflösung aber besser.

Qualitätstinten

Alle Drucker im Test setzen sowohl für Schwarz als auch für die Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb pigmentierte Tinten ein. Billig- und Fotodrucker verwenden für schönere Mischfarben Tinten, die nur flüssige Bestandteile haben (Dye-Tinten). Feste Pigmente bleiben auf der Papieroberfläche und sorgen für ein sattes, kontraststarkes Schriftbild – schließlich müssen die Büro-Tintengeräte mit Laserdruckern konkurrieren, die in dieser Disziplin Klassenbeste sind. Nur unter der Lupe fallen bei den Tintendruckern leichte Ausfransungen an den Buchstabenkanten auf: Hier sind die flüssigen Tintenbestandteile in die Papierfasern eingedrungen.

Außerdem sind Pigmenttinten viel lichtbeständiger als Dye-Tinten. Im Test haben wir die Druckproben deshalb 200 Stunden im Tageslichtsimulator bestrahlt [1] – das entspricht etwa zwei Jahre hinter Fensterglas im Sonnenlicht. Bis auf die HP-Tinten, die bei den besonders empfindlichen Gelbtönen etwas nachgaben, bleichten die Pigmenttinten der Testkandidaten nicht auffallend aus. Auch hier müssen sie sich mit dem noch beständigeren Tonerpulver der Laserdrucker vergleichen lassen.

In einer Disziplin haben die Tinten aber die Nase vorn: bei den Druckkosten. Um die Reichweiten von Tintenpatronen und Tonerkartuschen von Farbdruckern vergleichbar zu ermitteln, wird das Norm-Dokument nach ISO/IEC 24712 verwendet. Im Test druckte der Canon Maxify mit 6,6 Cent Tinte pro ISO-Farbseite am günstigsten, der HP OfficeJet mit 8,7 Cent pro Seite am teuersten. Zum Vergleich: Im Test von günstigen Farblaserdruckern [2] lag die Spanne zwischen 11,9 und 17,7 Cent pro ISO-Seite.

Die Zahlen gelten für XL-Patronen und -Kartuschen mit hoher Reichweite, mit denen man bezogen auf den Seitenpreis so gut wie immer am günstigsten druckt. Die XL-Schwarzpatrone des Brother J5330DW reicht für 3000 Normseiten, die des Epson WorkForce für 2600 Seiten, die Schwarzpatrone des Canon Maxify schafft 2500 Seiten. Damit liegen die Geräte in puncto Reichweite gleichauf mit deutlich teureren Lasergeräten. Nur die XL-Patronen des HP OfficeJets bleiben mit 825 Normseiten unter der 1000-Seiten-Marke.

Wie auch bei Laserdruckern üblich liefern die Hersteller von Tintendruckern ihre Geräte mit knapp befüllten Starter-Patronen aus, sodass man gleich einen Satz XL-Patronen mitkaufen sollte. Canon bestückt seinen Maxima-Drucker nach eigenen Angaben mit „Normal“-Patronen; nachkaufen kann man interessanterweise aber nur XL-Patronen.

Zusätzliche Verbrauchsmaterialien fallen bei Tintendruckern in der Regel nicht an. Nur für den Epson WorkForce gibt einen wechselbaren Tintenauffangbehälter (rund 25 Euro), der je nach Reinigungshäufigkeit etwa 30.000 bis 50.000 Seiten halten dürfte.

Tabelle
Tabelle: Verbrauchskosten
Tabelle
Tabelle: Geräuschentwicklung
Tabelle
Tabelle: Kopierzeiten
Tabelle
Tabelle: Druckzeiten PC
Tabelle
Tabelle: Leistungsaufnahme
Tabelle
Tabelle: Scanzeiten PC
Tabelle
Tabelle: Druckleistung (ISO-Seite Farbe)

Guter Service

Beim Drucken vom PC übernimmt der Treiber einen Großteil des Renderings (der Übertragung der Druckseite in eine dem Druckwerk verständliche Form). Aktuelle Multifunktionsgeräte drucken aber auch von Smartphones und Tablets oder übers Internet von Cloud-Diensten. Hier kümmern sich in der Regel Cloud-Server der Gerätehersteller um den Seitenaufbau.

Das bedeutet allerdings, das Druckinhalte übers Internet an irgendwelche Server übertragen werden. In Anbetracht der Datensammelwut der Hersteller und Diensteanbieter wie Google kann man davon ausgehen, dass zumindest Menge und Art der Drucksachen statistisch ausgewertet werden. Bei vertraulichen Inhalten ist Vorsicht geboten.

Das gilt auch beim Drucken vom Smartphone übers WLAN. Hierzu stellen die Hersteller kostenfreie Apps bereit oder man nutzt die integrierten Druckfunktionen von iOS (AirPrint) oder Android. Letzteres braucht zum Drucken Plug-ins von Druckerherstellern oder der herstellerunabhängigen Mobile Printing Alliance (Mopria). Die aufbereiteten Druckdaten werden zwar übers WLAN direkt an den Drucker gesendet, zum Rendern benutzen Apps und Plug-ins jedoch meist Cloud-Services – auch hier also: Achtung, Internetdienst!

Zum schnellen Drucken von Fotos und PDFs ist der Mobildruck aber schon praktisch und funktionierte bei allen Testgeräten gut. Für Mobilgeräte, die keinen Zugang zum lokalen Netzwerk haben, spannen alle ein eigenes Netz auf. SSID und Passwort erscheinen auf den Displays; beim Epson WorkForce reicht es, das NFC-Tag (Near Field Communication) neben dem Touchscreen mit einem NFC-fähigen Smartphone zu berühren.

Die Hersteller-Apps empfangen außerdem Scans vom Multifunktionsgerät und speichern sie als JPEG oder PDF. Bei HP gibt es dafür die separate App „HP All-in-One Printer Remote“; die Brother-App „iPrint&Scan“ versendet sogar Faxe.

Für den direkten Druck aus Cloud-Diensten lassen sich alle Testgeräte bei Google Cloud Print registrieren oder man benutzt dazu den Cloud-Dienst des jeweiligen Herstellers. Abgesehen von HP speichern die Hersteller-Dienste auch Scans auf Cloud-Speichern. Digitalisierte Dokumente und Fotos kann man auch direkt an freigegebene Ordner, zum Teil auch auf FTP-Server und als E-Mail senden.

Zum Faxen enthalten alle Geräte herkömmliche Faxmodems, die auch an VoIP-Anlagen funktionieren. Das HP-Modell nutzt wahlweise einen Cloud-basierten Faxdienst. Alle drucken Sendeberichte mit Kopie der ersten Faxseite. Eingehende Faxe legen die Testgeräte im internen Speicher ab; abgesehen vom OfficeJet, der nur an andere Faxnummern weiterleitet, reichen alle empfangene Faxe auch per E-Mail weiter.

Tabelle
Tabelle: Multifunktions-Tintendrucker

Fazit

Die Büro-Multifunktionsgeräte sind auf den Textdruck optimiert. Wer auch auf brauchbaren Fotodruck Wert legt, sollte zum Canon Maxify MB5150 oder zum Epson WorkForce WF-4720DWF greifen. Das Canon-Gerät druckt Fotos nur mit Rand, punktet aber mit den geringsten Tintenkosten und Duplex-Vorlageneinzug. Für Anwender mit geringem Druckaufkommen eignet sich der HP OfficeJet Pro 6960, den man schon für unter 120 Euro bekommt.

Wer ei,nen flexiblen Bürohelfer sucht, liegt mit dem Brother MFC-J5330DW richtig: Das Gerät druckt bis A3, hat einen zusätzlichen Einzelblatteinzug und die besten Netzwerkfunktionen. (rop@ct.de)

Kommentare lesen (2 Beiträge)