c't 14/2017
S. 29
Test
Wireless-Add-on für HTC Vive
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Pimp my Vive

Wireless-VR-Addons TPCast und Deluxe Audio Strap für HTC Vive im Test

Virtual-Reality-Tuning für Fortgeschrittene: „Deluxe Audio Strap“ macht die HTC Vive komfortabler, das Wireless-VR-Addon „TPCast“ treibt dem Headset die Kabel aus. Wir haben beides getestet.

Die HTC Vive ist mit Abstand das meistverkaufte Virtual-Reality-System für PCs: 2016 gingen laut der Analysten von Superdata mit rund 420.000 Geräten doppelt so viele Vives über den Ladentisch wie Oculus Rifts. Und das, obwohl sich die Rift deutlich angenehmer trägt: Sie lässt sich einfacher an den eigenen Kopf anpassen, außerdem muss man sich nicht mit Kopfhörern herumärgern – die sind bei der Rift nämlich direkt eingebaut.

HTC bessert nun nach: Der Deluxe Audio Strap ersetzt das flexible Kopfband durch einen stabileren Kunststoffriemen und erleichtert die Anpassung. An einem Rad kann man stufenlos einstellen, wie straff die Brille sitzt. Das funktionierte im Test ausgezeichnet: Ordneten wir die Vive bislang ergonomisch hinter Oculus Rift und Playstation VR ein, katapultiert sie der Deluxe Audio Strap ganz nach vorne. Wie es der Name andeutet, sind Kopfhörer integriert. Sie kann man flexibler bewegen als die in der Oculus Rift, die Audio-Strap-Kopfhörer sollten problemlos auf jedes Ohr passen. Die Tonqualität ist okay und vergleichbar mit den internen Rift-Hörern. Bei beiden fehlt ein bisschen Bass; echte HiFi-Kopfhörer bekommen das besser hin. Alles in allem ist der Deluxe Audio Strap eine lohnende Anschaffung für Vive-Besitzer – auch wenn der Spaß mit 120 Euro nicht ganz billig ist.

Kabelabschneider

Bislang muss man die „großen“ VR-Systeme HTC Vive, Oculus Rift und Playstation VR zwingend über HDMI und USB an PC oder Konsole anschließen. Gerade bei sogenannter Room-Scale-Software, wo man sich frei im Raum bewegen kann, stolpert man aber regelmäßig über die Strippe.

Mehr Bewegungsfreiheit verspricht das Wireless-System des chinesischen Herstellers TPCast für die HTC Vive. Beim Auspacken fällt auf, dass man erstmal ganz viel Kabelsalat produzieren muss, um auf das Kabel zwischen Brille und PC verzichten zu können. Für den Aufbau muss man mindestens eine Stunde einkalkulieren.

Neben einem WLAN-Router liegen je ein Transceiver für PC und Brille sowie eine Akkubox im Karton. Der Router wird per Netzwerkkabel am PC angeschlossen und nimmt die USB-Nutzdaten (z. B. vom Bewegungs-Tracking) entgegen. Als konventionellen Access Point kann man ihn nicht benutzen, zumindest lässt sich aber die Internetverbindung durchschleifen. Das Videosignal nimmt die etwa toastscheibengroße Transceiver-Box entgegen, die per HDMI an den Rechner gekoppelt wird. Als Übertragungsprotokoll kommt die proprietäre Technik WirelessHD zum Einsatz, die im Frequenzbereich von 60 GHz arbeitet und pro Sekunde bis zu 3,5 GByte Daten überträgt. Laut TPCast werden die Bilder unkomprimiert an die Brille geschickt. Damit der SteamVR-Treiber die Brille erkennt, muss man eine Software von TPCast installieren.

Der Gegenstellen-Tranceiver wird – eingefädelt ins Vive-Kopfband – direkt auf dem Kopf getragen. Das ist nicht nur wegen des zusätzlichen Gewichts etwas unangenehm, sondern auch wegen der nach wenigen Minuten spürbaren Wärmeentwicklung. Vor übermäßiger Strahlenbelastung muss man keine Angst haben: Der Tranceiver funkt lediglich mit wenigen Milliwatt. Das mitgelieferte 20.100-mAh-Akkupack hält fünf Stunden durch, ist aber mit 358 Gramm auch ziemlich schwer. An Latenz und Bildqualität hatten wir indes nichts auszusetzen: Auch erfahrene VR-Benutzer konnten beim kurzen Blindtest im c’t-Testlabor nicht zuverlässig erkennen, ob sie eine Kabel- oder Funk-Vive auf dem Kopf hatten. Das gilt aber nur, wenn die Transceiver Sichtverbindung zueinander haben; schon die eigene Hand dazwischen kann verlorene Frames verursachen. Für eine einigermaßen stabile Verbindung muss man die PC-Transceiver-Box zwingend so installieren, dass sie von oben auf den Kopf der VR-Spieler schaut. Dennoch konnten wir durch wildes Herumzappeln immer wieder Ruckler provozieren, manchmal verschwand das Bild komplett für mehrere Sekunden. Bei „ruhigen“ VR-Anwendungen, bei denen man sich kaum dreht und wenig herumfuchtelt, lief das System stabil.

Bislang ist TPCast nur in China erhältlich, für umgerechnet 250 Euro. Ein Verkaufsstart in Europa ist geplant. Außerdem steht das WiGig-Konkurrenzsystem von Intel in den Startlöchern – ob das eine bessere Verbindungsstabilität bietet, werden wir schnellstmöglich testen. (jkj@ct.de)

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