c't 15/2017
S. 22
News
OLED-Engpässe

Kleine OLEDs, kleine Mengen

Produktionskapazitäten für mobile OLED-Displays werden knapp

Wenn iPhones von Apple im Herbst in die OLED-Liga aufsteigen, wird die Luft dünn: Es gibt weltweit viel zu wenig Produktionskapazitäten. Das könnten chinesische Gerätehersteller zu spüren bekommen.

Die Produktion von OLED-Panels haben Samsung und LG untereinander aufgeteilt: LG stellt sämtliche organische Displays für große Fernseher her, Samsung liefert 95 Prozent aller kleinen OLEDs für Smartphones und Tablets. Einen Großteil davon nutzt Samsung für die eigenen Smartphones, der Rest geht vor allem in die Highend-Smartphones chinesischer Gerätehersteller. Nun tritt aber mit Apple ein weiteres Unternehmen an, Smartphones mit OLED-Display anzubieten: mit dem iPhone 8 im September. Das zumindest pfeifen die Spatzen von den Dächern.

In der Folge wird Samsung erster Lieferant des im iPhone genutzten organischen Displays sein. Zwar arbeiten auch LG und JOLED (Japan OLED) an mobilen OLEDs, doch beide konnten bislang nicht die Ansprüche an Mengen und Qualität erfüllen, die Apple von seinen Zulieferern fordert. Deshalb muss sich Apple bei einem iPhone mit OLED-Schirm zunächst komplett von Samsung abhängig machen. Üblicherweise verlangen große Gerätehersteller stets eine sogenannte Second Source für die verbauten Komponenten, also mindestens einen weiteren Lieferanten, mit dem sich Engpässe überbrücken lassen.

Produktionsmaschinen fehlen

LG ist nahe dran, OLEDs in passender Größe und in höheren Stückzahlen liefern zu können. Allerdings scheinen weder die Ausbeute an „guten“ Displays (der Yield) noch die Produktionskapazitäten auszureichen. Die hängen wiederum wesentlich von den nötigen Produktionsmaschinen ab; bei denen gibt es Engpässe.

Auf der SID zeigte LG hochauflösende Mobil-OLEDs mit 5,5 und 5,7 Zoll Diagonale, wie sie für kommende iPhones in Frage kommen.

Für seine neue OLED-Fertigungsstraße konnte sich LG immerhin zwei Produktionsmaschinen von Canon Tokki sichern. Die sollen noch im Dezember beziehungsweise im Februar ausgeliefert werden, berichtete der Korean Herald. Bisher nutzt LG eine Tokki-Maschine in seiner E6-Fabrik in Paju; auch die zwei neuen Maschinen werden wohl dort landen.

Das Problem: Es gibt nur wenige Hersteller für solche Produktionsstraßen; außer vom japanischen Marktführer und Quasi-Monopolisten Canon Tokki werden sie noch von der koreanischen Sunic System angeboten. Sunic hat LG bereits eine Maschine für die E5-Fab im koreanischen Gumi geliefert. Allerdings vertraut Apple dem Einsatz von Sunic-Maschinen in der neuen E6-Fabrik angeblich nicht recht – weder Sunic noch LG hätten Erfahrungen mit dieser Kombination, weshalb Apple die Vakuummaschinen von Tokki präferiere.

In diesem Jahr konnte Tokki lediglich sieben solcher Maschinen produzieren, von denen fünf an Samsung gingen und je eine an LG und den chinesischen Panel-Hersteller Boe. Im kommenden Jahr stockt Tokki nun auf neun Maschinen auf – Samsung hat bereits fünf davon reserviert. Wie gut sich LG als Second Source bei Apple einbringen kann, hängt also auch davon ab, wie viele Maschinen das Unternehmen von Tokki ergattert.

Vakuum-Produktionslinien für OLEDs von Canon Tokki sind heiß begehrt. Bild: Canon Tokki

Mit einer Vakuummaschine lassen sich 15.000 Substrate (jeweils 1,50 m × 1,85 m groß) einer Gen-6-Fab bearbeiten, also monatlich rund 41.000 m2 Panel. Samsung produzierte im vergangenen Jahr nach Angaben der Marktforscher von IHS insgesamt fünf Millionen Quadratmeter OLED-Panelfläche, in diesem Jahr sollen es acht Millionen werden. Aus einer Millionen Quadratmeter Substratfläche lassen sich theoretisch rund 100 Millionen OLEDs für große Smartphones scheiden – in der Praxis sind es wegen Verschnitt und Yield deutlich weniger.

Apple bräuchte übers Jahr mindestens 200 Millionen OLED-Panels für das iPhone und Samsung rund 250 Millionen für seine eigenen Smartphones. Chinesische Smartphone-Hersteller bestellten 2016 über 200 Millionen OLED-Panels – Tendenz steigend. Schon deshalb müsste Samsung bei seiner restlichen Kundschaft knapsen, wenn sämtliche iPhones noch in diesem Jahr ein OLED erhielten. Ein deutlicher Ausbau der Produktionskapazitäten steht erst 2018 an.

Nun gehen Gerüchte um, wonach Samsung ebenfalls Probleme mit Apples hohen Ansprüchen hat: Statt der versprochenen 70 Millionen OLED-Panels für 2017 wird das Unternehmen zum Start des iPhone im Herbst anscheinend nur wenige Millionen Panels liefern können. Angeblich ist der Ausschuss bei der Produktion der speziellen OLEDs fürs iPhone noch zu hoch. Wie viele der neuen iPhones in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich ein OLED-Panel nutzen, ist also weiterhin offen. (uk@ct.de)

Kommentieren