c't 18/2017
S. 32
News
Roboter-Bausatz
Aufmacherbild

Baustein-Booster

Roboterbausatz von Lego

Coole Lego-Modelle, die sich per App steuern lassen – das verspricht der Roboter-Bausatz Lego Boost. Kinder von 7 bis 12 sollen damit ganz nebenbei auch noch programmieren lernen.

Lego hat den Verkauf seines Roboter-Bausatzes Boost gestartet. Das Set besteht aus der per Bluetooth LE ansteuerbaren Zentraleinheit (Boost Hub), einem kombinierten Farb- und Entfernungssensor sowie einem Motor. Zwei weitere Motoren sind im Boost Hub bereits integriert. Mit im Karton liegen 843 Legosteine, mit denen sich acht verschiedene Grundmodelle aufbauen lassen. Ein gedrucktes Handbuch liegt nicht bei, darüber hinaus benötigt man ein Tablet und sechs AAA-Batterien für den Hub.

Die kostenlose Boost-App läuft ausschließlich auf Tablets. Sie ist momentan für iOS (ab Version 10) und für ausgewählte Android-Geräte (ab Android 5.0) erhältlich (siehe ct.de/yegz). Die iOS-Version schluckt rund ein GByte Speicher – außer den Bauanleitungen für die Modelle bringt sie auch Videomaterial und zahlreiche Soundsamples mit. Das Boost-System selbst kommt ohne Lautsprecher, sämtliche Klänge gibt das Tablet aus. Die Sensoren und der Hub erinnern an das WeDo-System, das Lego als Programmierumgebung für den Bildungsbereich verkauft.

Die Boost-App führt die Kinder – Lego gibt eine Altersspanne von 7 bis 12 Jahren an – behutsam an die einzelnen Modelle heran. Für den schnellen Erfolg sorgt ein „Basismodell“. Dabei handelt es sich um ein Propellerfahrzeug, das nur aus Controller, Sensoren und ein paar Reifen besteht. Die Steuerung des Hubs lief im ersten Test unter iOS vollkommen flüssig, unter Android gab es sporadisch Probleme bei der Bluetooth-Kopplung.

Etwas komplizierter aufzubauen sind die fünf hübsch ausgestatteten Boost-Modelle: der Roboter Vernie (siehe Bild), das Kettenfahrzeug M.T.R. 4, die Katze Frankie, die Guitar4000 und eine Minifabrik – der „Auto Builder“. Alle fünf wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet, dafür muss man eine Aufbauzeit von etwa zwei Stunden pro Modell einkalkulieren. Die Bauanleitungen sind recht kleinschrittig, das Tablet-Netzteil sollte nicht zu weit entfernt sein. Jedes der fünf Modelle hat einen eigenen Bereich in der App, in dem man es Level für Level freispielt. Mit jedem Level steigt die Anzahl der verfügbaren Programmierobjekte und man ergänzt das Modell mit weiterem Zubehör. Sind alle Level geschafft, stehen die Objekte in einem Freispielbereich zur Verfügung.

Klötzchen-Gitarre

Die Programmierbausteine kann man einfach per Drag&Drop zu längeren Ketten aneinanderreihen, mehrere Ketten lassen sich parallel ausführen. Komplexere Abläufe kann man in Unterroutinen ausgliedern. Es stehen verschiedene aufs Modell bezogene Aktionen zur Wahl: etwa Schwanzwedeln, Maunzen und Zwinkern bei der Katze. Hinzu kommen diverse Sensorabfragen des im Hub integrierten Bewegungs- und Näherungssensors. Auch die Motoren lassen sich als Sensor nutzen: So baut die Guitar4000 auf einer Achse einen Widerstand auf und misst, wie stark man die „Saiten“ der Gitarre anschlägt. Da sie die vom Tablet gespielten Samples in Echtzeit verfremdet, ist sie in Sachen Sound das anspruchsvollste Modell.

Zwei weitere Basismodelle sollen Kinder zum Aufbauen eigener Lego-Kreationen anregen: Eine Fahrzeugplattform und ein Vierfüßler lassen sich nach Belieben dekorieren oder man nutzt sie, um anderen Lego-Bausätzen Leben einzuhauchen.

Ein Tablet und sechs Batterien vorausgesetzt, bietet der Boost-Baukasten stundenlangen Spielspaß und eröffnet Kindern einen spielerischen Zugang zur IT. Während das in die Jahre gekommene Mindstorms-System recht martialisch daherkommt, dürften die Boost-Modelle für Jungs und Mädchen gleichermaßen interessant sein. Die nahe Verwandtschaft zum WeDo-System lässt zudem hoffen, dass auch Boost sich per Bluetooth LE mit dem Raspi steuern lässt (siehe S. 144). Spätestens dann dürfte die Investition sich bis ins späte Teenager-Alter lohnen – falls Mama oder Papa sich das Set nicht vorher unter den Nagel reißen. (sha@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Lego Boost

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