c't 19/2017
S. 112
Hintergrund
Demoskopie und Wahlkampf
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Wähler-Lotterie

So funktionieren politische Meinungsumfragen

Wahlvorhersagen sind bloße Quacksalberei, ist seit jüngsten Wahlüberraschungen vielfach zu vernehmen. Dabei sind wir in Deutschland seit den 60er-Jahren an treffsichere Hochrechnungen an Wahlabenden gewöhnt. Was taugen die Umfrageergebnisse heute zur Wahlvorhersage? Wir vergleichen Anspruch und Wirklichkeit der Wahlforschung in Deutschland.

Nicht erst seit der Brexit-Abstimmung und der Trump-Wahl ist klar: Bei der Vorhersage von Wahlergebnissen liegen Demoskopen ab und an ziemlich daneben. Die Präsidentschaftswahlen in den USA 1948 und in Frankreich 2002 sind weitere Beispiele für Abstimmungen mit überraschenden, von den Vorhersagen deutlich abweichenden Ergebnissen. Andererseits treffen die Sozialwissenschaftler mit ihren Vorhersagen aber auch immer wieder ins Schwarze.

Laut der von Elisabeth Noelle-Neumann in den 1970er-Jahren formulierten Theorie der öffentlichen Meinung haben befragte Menschen mitunter Hemmungen, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Aktuell bekennt sich beispielsweise etwa jeder fünfte AfD-Anhänger nicht öffentlich zu dieser Präferenz. Deshalb korrigieren die Wahlforscher die Rohdaten aus Umfragen nach ihren Regeln. „Zwischen dem, was wir an Rohergebnissen erhalten, und dem, was wir als Prognose veröffentlichen, liegt manchmal eine Differenz von zehn oder elf Prozent“, sagte Noelle-Neumann 1987 in einem Interview mit der Zeitung Rheinischer Merkur/Christ und Welt.

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