c't 19/2017
S. 106
Hintergrund
Demoskopie und Wahlkampf: Microtargeting
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Präzisions-Wahlkampf

Wahlwerbung mit den Waffen der IT

Ist das noch Wahlkampf oder schon Manipulation? In den USA kämpfen Parteistrategen mit einem massiven Datenaufgebot um die Wählergunst. Deutsche Bürger bewahrt der Datenschutz vor kompletter Durchleuchtung – weitestgehend.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennt auch beim Wahlkampf kein Limit: Heerscharen von Freiwilligen ziehen von Haustür zu Haustür, eine Armee von Social Bots twittert unverhohlen um die Gunst des Volkes, Präzisionswerbung verfolgt Individuen auf Facebook. Und im Zentrum sitzen Wahlstrategen und Statistiker, die das Geschehen mit Erkenntnissen aus gigantischen, über Jahrzehnte aggregierten Datenmengen steuern. Aus Spendengeldern finanzierte Milliardenetats und ein laxer Umgang mit Privatsphäre machens möglich.

Hierzulande wird es vor der Bundestagswahl deutlich gemäßigter zugehen: Der Datenschutz verbietet allzu tiefe Einblicke ins Private und begrenzte Wahlkampfbudgets verhindern das ungehemmte Anzapfen kommerzieller Datenquellen. Aber auch in Deutschland beginnen die Parteien, Daten zu sammeln und gezielt für Kampagnen einzusetzen. Dem Einsatz von Social Bots haben sie einhellig abgeschworen, wodurch der Wahlkampf aber nicht zwangsläufig zur Bot-freien Zone wird: Parteifremde Interessengruppen müssen sich dem offiziellen Kurs schließlich nicht verpflichtet fühlen (s. Interview auf S. 110).

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