c't 19/2017
S. 28
News
Linux

Linux-Distribution Solus 3 unterstützt Snap-Pakete

Solus 3 bringt eine brandneue Version des Budgie-Desktops mit.

Die neue Version der Rolling-Release-Distribution Solus integriert jetzt auch Canonicals Paketformat Snap. Solus 3 ist nicht nur ein aktueller Snapshot der Rolling-Release-Distribution für frische Installationen. Die Versionsnummer kennzeichnet einen Meilenstein in der Entwicklung. Wer die Distribution bereits installiert hat, ist nach dem Einspielen aller Updates automatisch auf dem neuesten Stand.

Solus 3 steht in drei Varianten für 64-Bit-x86-Systeme zum Download bereit: mit dem selbst entwickelten Budgie-Desktop sowie mit Gnome oder Mate. Allen gemein sind beispielsweise der Web-Browser Firefox 55, der Mail-Client Thunderbird 52.2, das Büropaket LibreOffice 5.4 und der Musikplayer Rhythmbox 3.4. Auch einen grafischen Installer bringen alle drei Live-Systeme mit.

Die für die Standardvariante Solus Budgie entwickelte grafische Desktop-Umgebung basiert auf Gnome und lässt sich mittlerweile auch in anderen Distributionen installieren. Solus 3 bringt sie in ihrer neuesten Version 10.4 mit, die etwa gleichzeitig veröffentlicht wurde.

Ein neues Applet für das Budgie-Panel kann die Farbtemperatur je nach Tageszeit ändern.

Die primäre Desktop-Leiste mit Anwendungsmenü, Schnellstartern und Systembereich ist an den unteren Bildschirmrand gewandert. Panels lassen sich bei Bedarf nun auch am linken oder rechten Rand platzieren. Die Einstellungen eines Panels bieten einen Dock-Modus, der die Leiste mittig anordnet und auf die nötige Breite reduziert. Neu hinzugekommen ist ein Panel-Applet „Night Light“, das die Farbtemperatur des Bildschirms automatisch nach Einbruch der Dunkelheit anpassen kann. Überarbeitet wurde das Places-Applet, das alle Partitionen auflistet. Die Suchfunktion des Anwendungsmenüs wurde ebenfalls erneuert.

Die Desktop-Einstellungen sind nun nicht länger in die Seitenleiste Raven integriert, die Benachrichtigungen sammelt und einen Kalender bereithält. Sie sind in einem eigenen Dialog „Budgie Einstellungen“ untergebracht, der sich über das Anwendungsmenü sowie eine Schaltfläche in Raven öffnen lässt.

In Sachen Kernel ist Solus 3 topaktuell und verwendet den aktuellen stabilen Kernel 4.12.7. Mesa wurde auf Version 17.1.6 aktualisiert. Bluetooth ist standardmäßig aktiviert. Nutzer eines Bluetooth-Keyboards von Logitech können dieses nun zum Entsperren eines mit LUKS verschlüsselten Systems verwenden. Damit möglichst viele Drucker und Scanner automatisch funktionieren, liefert Solus 3 die HPLIP-Treiber 3.17.7, Sane-Backends und Canons UFRII-LT-Treiber mit.

Dank einer Kooperation mit Canonical und dem Ubuntu-Team unterstützt Solus 3 jetzt auch Snap, mit dem sich die Paketbasis von Solus erweitern lässt. Im Unterschied zu vielen anderen Distributionen kann Solus die Berechtigungen der per Snap installierten Anwendungen im Betrieb mit Hilfe von AppArmor beschränken; das gelingt mit Hilfe von Erweiterungen im Kernel, die sich auch im Ubuntu-Kernel finden, im offiziellen Kernel aber fehlen (siehe Kernel-Log auf S. 34). Die Unterstützung für das konkurrierende Flatpak-Format lässt sich leicht über die Software-Verwaltung nachinstallieren. (lmd@ct.de)

Raspbian Stretch fertig

Die Raspberry Pi Foundation hat Raspian Stretch freigegeben, das auf dem im Juni veröffentlichten Debian GNU/Linux 9 Stretch basiert. Dabei hat sich vor allem unter der Haube einiges getan. Unter anderem enthalten die Namen externer Netzwerkschnittstellen jetzt die Mac-Adresse des jeweiligen Devices. Statt eth0 oder wlan0 heißen sie jetzt also enxb827eb1c4cf4 oder wlxf832e4b4ee3b. Anwendungen sollen unter Raspbian Stretch jetzt besser mit Nutzernamen umgehen können, die anders lauten als der Standardnutzer „pi“. Für Audio über Bluetooth kommt nicht länger Pulseaudio zum Einsatz, sondern das bluez-alsa-Paket.

Die enthaltene Software wurde aktualisiert, so liegt der Standard-Browser Chromium in Version 60, die freie Musik-Software Sonic Pi in Version 3.0.1 bei. Die Raspberry Pi Foundation empfiehlt, das System wegen des größeren Versionssprungs neu aufzusetzen. (lmd@ct.de)

Mesa 17.2 steigert 3D-Performance von Linux

Eine neue Version von Mesa wird die Spieletauglichkeit und Hardware-Kompatibilität von Linux-Distributionen verbessern: Die 3D-Treiber der bei Debian, Fedora, Ubuntu & Co. standardmäßig eingerichteten Software entlocken aktuellen Grafikchips jetzt mehr Leistung. Außerdem unterstützen die Treiber neue Grafikprozessoren von AMD und Intel. Das neue Mesa beherrscht zudem teilweise OpenGL 4.6. Mesa 17.2 und stand bei Redaktionsschluss kurz vor der Veröffentlichung.

Die größten Fortschritte gab es beim OpenGL-Treiber Radeonsi für die Grafikchips von AMD. Der maßgeblich von AMD selbst entwickelte Treiber wird mehr und mehr zum besten 3D-Treiber für aktuelle Radeon-GPUs. AMDs proprietäre Treiberfamilie AMDGPU-Pro hingegen funktioniert nur noch auf einer Handvoll von Distributionen; selbst zu Ubuntu 17.04 passte der Treiber viele Monate nicht. In vielen Belangen sind die quelloffenen Treiber den proprietären mittlerweile ebenbürtig; in manchen Spielen liefern sie sogar mehr 3D-Performance.

Das ist unter anderem dem bei Mesa 17.2 neuen „Threaded Gallium for Radeonsi“ zu verdanken: Laut Tests des zuständigen AMD-Entwicklers kann die Technik die Framerate einiger Spiele um 10 bis 20 Prozent steigern. Teilweise um 50 Prozent höhere Bildraten versprechen einige Umbauten, die das im Mai bei Mesa 17.1 eingeführte „OpenGL Threaded Dispatch“ nun in einigen Spielen automatisch aktivieren. Mit dem Radeonsi-Treiber läuft jetzt auch das Spiel „Warhammer 40.000: Dawn of War III“, da der Treiber die optionale OpenGL-Erweiterung ARB_bindless_texture implementiert, die das Spiel verlangt. Der Treiber unterstützt OpenGL 4.5 auch bei den kürzlich vorgestellten Grafikkarten Radeon RX Vega 56 und 64. Bereits jetzt versteht sich Radeonsi mit dem Grafikkern der noch in diesem Jahr erwarteten AMD-Prozessoren mit dem Codenamen „Raven Ridge“. Der für AMD-GPUs zuständige Vulkan-Treiber Radv erhielt allerlei Fehlerkorrekturen und einige Performance-Verbesserungen. Allerdings haben die Entwickler den Vega-Support in Radv aufgrund größerer Probleme vorübergehend deaktiviert. Zu diesem unabhängig von AMD entstandenen Treiber haben erstmals auch AMD-Entwickler einige Änderungen beigesteuert.

Intels ebenfalls in Mesa enthaltener OpenGL-Treiber i965 unterstützt jetzt auch den Grafikkern der Coffee-Lake-CPUs, die in einigen Monaten zu Intels kürzlich eingeführter Core-i-8000-Serie stoßen sollen (siehe S. 41). In dieser CPU-Familie will Intel auch Mobil-Prozessoren der „Cannonlake“-Generation vertreiben. Für deren GPU bringt der Treiber unvollständige und daher als „Preliminary Support“ gekennzeichnete Unterstützung mit. Der für Intel-GPUs zuständige Vulkan-Treiber „anv“ enthält jetzt einige der jüngst mit Vulkan 1.0.54 spezifizierten Erweiterungen.

Einige Optimierungen sollen die Desktop-Performance des OpenGL-Treibers VC4 verbessern, den Mesa für die GPUs der verschiedenen Raspberry-Pi-Modelle mitbringt. Von den Distributionen hängt es ab, wann diese und andere Verbesserungen bei den Nutzern ankommen. Fedora und Rolling-Release-Distributionen wie Arch Linux oder OpenSuse Tumbleweed dürften die neue Version in den nächsten Wochen ausliefern. Bei Distributionen des Ubuntu-Projekts macht Mesa normalerweise keine Versionssprünge. Deren Nutzer erhalten die Neuerungen erst mit der für Oktober geplanten Version 17.10 beziehungsweise dem im Frühjahr 2018 erwarteten 16.04.4.

Mesa 17.2 enthält zudem einige Anpassungen zum Support des kürzlich spezifizierten OpenGL 4.6. Die OpenGL-Treiber für Chips von AMD, Intel und Nvidia implementieren bereits einen signifikanten Teil der bei dieser Version verpflichtenden OpenGL-Erweiterungen. Die Unterstützung für weitere ist bereits in Entwicklung. (thl@ct.de)

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