c't 20/2017
S. 188
Story
Nur eine kleine Wunde
Aufmacherbild
Illustration: Susanne Wustmann, Dortmund

Nur eine kleine Wunde (2)

Fortsetzung vom letzten Heft

Wir steuerten auf einen nett lächelnden Mann zu, schlank, mit Brille und kurzgeschnittenem Haar. Er unterhielt sich mit einer Bürgerin, die ihm eifrig zunickte. Als wir näher traten, hörte ich einige Worte aus seinem Monolog: „… faktisch ist der Schriftsteller von heute überflüssig. Maschinen schreiben schneller und auf Zielgruppen zugeschnitten. Wozu braucht man noch einen Künstler so wie mich. Daher sage ich: In der Ferne bellt ein Hund. Das ist Kunst.“

„Herr Kussmuss?“, wandte sich Karollu an den Mann an der Bar, der sich nun umdrehte. „Herr Karollu, was für ein Vergnügen. Ich habe Sie seit letzter Woche nicht mehr gesehen. Wie geht es Ihnen?“ Die beiden schüttelten sich die Hände.

„Ich wollte nicht stören, aber ich möchte Ihnen Herrn Mayer vorstellen.“ Bürger Karollu wies auf mich.

Bürger Kussmuss zögerte keine Sekunde, ergriff meine Hand. „Ein neues Mitglied in unserer verschworenen Gemeinschaft. Willkommen.“

„Danke, Bürger Kussmuss. Vielleicht sehen wir uns im Verlaufe des Abends.“ Eine steile Stirnfalte zuckte bei ihm auf. „Ähm, unter Umständen hat Herr Karollu Ihnen noch nicht erklärt, dass wir hier im Charleston auf diese neumodische Bürger-Anrede zugunsten der althergebrachten Formel verzichten.“

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