c't 20/2017
S. 112
Hintergrund
Auto der Zukunft: Design
Aufmacherbild
Bild: Rudolf A. Blaha

Neue Linien

Wie Autos künftig aussehen werden

Dieses Jahr geht ein sichtbarer Ruck durch die Branche: E-Autos weichen immer mehr von althergebrachten Formen ab und bringen frische Designs. Das gilt selbst für die „Big Four“ Audi, BMW, Mercedes und Porsche, die ihre Linien und Formen von Serie zu Serie bisher eher nur um Nuancen geändert haben.

Kühlergrills, die früher nur der Kühlung und als Accessoire dienten, können plötzlich flexibel umgestaltet werden. Hauben und Dachlinien sind flacher gezogen. Stoßstangen dienen als Signaltafeln. Goldene Zeiten für PKW-Designer. Einer der Pioniere in Deutschland ist Audis Designchef Marc Lichte, 48 Jahre jung. Er ist verantwortlich für den Look des Audi e-tron – ein sportliches Elektro-Coupé. Lichte arbeitet die Kotflügel des e-tron Sportback besonders stark heraus, indem die Motorhaube mittig abgesenkt wurde. Das ist möglich, weil E-Motoren weniger Raum brauchen als hochkant eingebaute Verbrenner. Die Luft wird durch den Kühlergrill gesaugt und über die Haube geleitet, „so verbessert sich auch gleich der cw-Wert“, sagt Lichte.

Die Kombination von Design, Komfort und Stabilität ist ihm eine Herzensangelegenheit. „LED-Grills erlauben es uns, Autos ganz neu zu denken, weil wir jetzt Matrix-Laser-Scheinwerfer verbauen.“ Diese lösen ihre Xenon-Brenner ab, weil die 420.000 einzeln verstellbaren Mikrospiegel präziser ausleuchten und vor allem den Gegenverkehr nicht blenden sollen. Geplant ist, damit auch Schrift auf die Straße zu projizieren: „Bitte Sicherheitsabstand einhalten“ etwa, wenn der Hintermann zu nah auffährt. Über vier weitere Micro-Beamer wird zudem der Blinker farbig mit intensivem, orange-farbenen Touch auf den Boden verlängert: eine Reaktion auf Unfälle mit Smartphone-Usern, die nach unten schauen und durch ihre Kopfhörer die Autos nicht früh genug wahrnehmen.

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