c't 20/2017
S. 86
Test
Gaming-PCs mit AMD Ryzen
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Lauter Spielspaß

Spiele-PCs mit AMDs Achtkern-CPU Ryzen 7

HP und Medion verkaufen nach langer Abstinenz wieder Gaming-Rechner mit AMD-Prozessoren. An Performance und Ausstattung gibt es nichts zu meckern, dochan einigen Stellen wünscht man sich mehr Liebe zum Detail.

Lange Zeit waren AMD-CPUs kaum in den PCs großer Hersteller zu finden, schon gar nicht in den Gaming-Maschinen. Der AMD-Plattform fehlte es nicht nur an Performance, sie ließ auch einige moderne Features vermissen. Mit der Ryzen-Familie hat AMD viel Boden wieder gutgemacht. Das gilt ebenso für die Chipsätze, die ihren Intel-Konkurrenten in einigen Punkten sogar voraus sind und beispielsweise USB 3.1 mitbringen. Nach kleineren Anbietern [1] wagen sich auch größere Namen aus der Deckung und bieten Spiele-PCs mit AMD-CPUs an.

Zwei solche Angebote weckten unser Interesse: Von Medion bekamen wir den Erazer X7732 D für 1400 Euro, der AMDs Achtkerner Ryzen 7 1700X mit einer GeForce GTX 1060 von Nvidia kombiniert. HP bot uns den Omen Desktop 880-069ng an, in dem der Ryzen 7 1800X und eine GeForce GTX 1080 stecken. In dieser Version kostet der HP-Gamer 2500 Euro. Von beiden gibt es noch weitere Varianten, die bei HP bis hinab zum Vierkerner Ryzen 5 1400 plus GTX 1050 reichen. Medion setzt stattdessen mindestens auf einen Ryzen 7 1700 in Kombination mit einer GeForce GTX 1050 Ti; die Top-Konfiguration hat beinahe dieselben Eckdaten wie das getestete Omen-Modell.

Ausstattung

Medion und HP haben feine Gamer-Kost zusammengestellt: Das Herzstück bildet in beiden Fällen AMDs aktuelle High-End-CPU Ryzen 7 mit acht Kernen und 16 Threads. Im Omen läuft sie als 1800X mit 200 MHz höherem Takt. Als Unterbau dienen Mainboards mit AMDs B350-Chipsatz, der USB 3.1 Gen 2 alias SuperSpeed Plus mitbringt. Damit sind Geschwindigkeiten von bis zu 10 GBit/s möglich. Eine USB-Buchse, die die volle Geschwindigkeit liefert, gibt es aber nur beim Erazer.

Via Schnellwechselrahmen schiebt man bei den Gaming-PCs zusätzlichen Speicherplatz nach.

Dem gibt Medion ordentliche 16 GByte Arbeitsspeicher mit, HP baut großzügig das Doppelte ein – damit dürfte man noch längere Zeit auf der sicheren Seite sein. Hier wie dort sind alle DIMM-Steckplätze belegt; wer später aufrüsten möchte, muss das RAM also zum Teil (HP) oder komplett (Medion) ersetzen, anstatt es zu ergänzen.

Tabelle
Tabelle: Gaming-PCs mit Ryzen 7: Messdaten

Aktuelle Grafikkarten aus Nvidias Pascal-Familie liefern die nötige Pixel-Power für Spiele: Mit seiner GeForce GTX 1060 mit 6 GByte Videospeicher hat der Erazer vor allem Full HD im Visier. Die GeForce GTX 1080 im Omen packt auch 4K, muss dann aber in anspruchsvolleren Spielen wie Deus Ex: Mankind Divided die Detailstufe reduzieren, um flüssige Bildraten zu erreichen.

Medion und HP stecken in ihre Systeme flotte NVMe-SSDs: Die sind mit 256 GByte respektive 512 GByte erfreulicherweise groß genug, um neben Windows auch einige Anwendungen oder Spiele aufzunehmen. Alle weiteren Daten finden auf einer ebenfalls vorhandenen Festplatte Platz, die hier 1 TByte, dort 3 TByte fasst. Weitere 3,5"-Laufwerke schiebt man bei Bedarf über einen Schnellwechselrahmen an der Gehäusefront nach, im Inneren gibt es weitere freie Laufwerksschächte. Einen DVD-Brenner und einen Kartenleser bringen beide mit. Allerdings sind letztere intern nur mit lahmem USB 2.0 angebunden.

Beim Mehrkanalton hat der Erazer mit 7.1-Sound die Nase vorn; HP bietet nur 5.1. Gab es an der Wiedergabe nichts auszusetzen, fehlte es den Audioeingängen an Dynamik. Bei Let’s-Play-Videos fällt das weniger ins Gewicht, doch wer auch anspruchsvollere Aufnahmen plant, greift besser zu einer dedizierten Soundkarte.

Ins Netzwerk gelangen die zwei Gamer entweder per Kabel mit Gigabit-Speed oder per 802.11ac-WLAN. Im Medion-Rechner steckt ein Funkmodul von Intel, das nur 1×1 Stream beherrscht und so maximal 433 MBit/s erreicht; die Realtek-Karte im HP Omen schafft dank zweier Antennen doppelt so viel. Bluetooth 4 sprechen sie beide.

Tastatur und Maus legen die Hersteller bei, allerdings in einfacher Ausführung. Gamer werden sich schnell nach Alternativen umschauen.

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