c't 21/2017
S. 51
News
Breitband-Ausbau

Vectoring sorgt für Kündigungen von Internetanschlüssen

Einige Telekom-Kunden traf in den vergangenen Wochen eine überraschende Kündigung ihres VDSL-Anschlusses. In zwei uns vorliegenden Fällen aus Rheinland-Pfalz und Thüringen lautete die Begründung wortgleich: „An Ihrem Wohnort muss die Telekom ihre bestehende VDSL-Technik entfernen.“ Der Vertrag könne nicht mit der vereinbarten Bandbreite weitergeführt werden und müsse zum Ende der Vertragslaufzeit gekündigt werden. Die Telekom baut in den betroffenen Regionen eine bestehende VDSL-Versorgung ab und bietet nur noch ADSL-Anschlüsse mit maximal 16 MBit/s in Empfangsrichtung an.

Für die Kunden ist das eine böse Überraschung. So mancher macht beispielsweise die Entscheidung über Kauf oder Anmietung einer Immobilie davon abhängig, ob es dort schnelle Breitbandanschlüsse gibt oder nicht, etwa weil das für einen Heimarbeitsplatz erforderlich ist. Wenn ein bestehender Ausbau plötzlich aufgegeben wird, kann das enorme wirtschaftliche Konsequenzen haben.

Wir fragten die Telekom, warum bestehende Technik wieder abgebaut wird. Pressesprecher Philipp Blank erklärte: „Wir müssen VDSL-Anschlüsse kündigen, wenn Wettbewerber den Zuschlag bekommen haben, in diesen Gebieten mit Vectoring auszubauen. Es ist technisch dann nicht möglich, dass ein weiterer Anbieter VDSL-Anschlüsse betreibt.“

Der Schritt ist also eine Folge der Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur, die in Gebieten, in denen der erste Provider, der Vectoring-Technik installiert, alle anderen Anbieter ausschließen kann. Das trifft nicht nur Mitbewerber der Telekom, sondern eben mancherorts auch die Telekom selbst, die nicht überall als erstes Unternehmen ausbauen kann.

Wo sich ein Unternehmen den Vortritt auf diese Weise sichert, ist es verpflichtet, seine Pläne auch in die Tat umzusetzen und VDSL mit Vectoring auszubauen. Auf mittlere Frist droht den Betroffenen also nur ein Anbieterwechsel. Blank versichert, dass die Telekom in diesem Falle versuche, vom Mitbewerber Anschlüsse anzumieten, um die eigenen Kunden weiter zu versorgen. Anders als die Telekom sind die Mitbewerber zu einer solchen Kooperation aber nicht verpflichtet. Wenn sie wollen, können sie das Geschäft im jeweiligen Ausbaugebiet ganz alleine machen. (uma@ct.de)

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