c't 22/2017
S. 132
Hintergrund
Local Commerce
Aufmacherbild
Bild: Rudolf A. Blaha

E-volte des Einzelhandels

Mit lokalen Online-Marktplätzen machen Einzelhändler Amazon & Co. Konkurrenz

Einzelhändler spüren zunehmend den Druck von großen Onlinehändlern wie Amazon und Ebay. Um ihm entgegenzuwirken, gehen sie selbst online, und zwar nicht allein, sondern auf lokalen Plattformen mit den Konkurrenten aus der Stadt.

Der deutsche Konsument hat sich zu einem „hybriden Kunden“ gemausert: Beim Schaufensterbummel in der Innenstadt entdeckt er hübsche Schuhe, probiert sie an, schaut per Smartphone-App oder Browser nach, ob sie bei Zalando günstiger sind, und bestellt sie gleich oder später online – dieses Phänomen nennen Ökonomen „Showrooming“ oder „Webrooming“. Die Umkehrung ist der „ROPO-Effekt“: ROPO steht für „research online, purchase offline“, also für Netzrecherche zu Produktdetails und Käuferbewertungen vor dem eigentlichen Kauf im Ladengeschäft. Einzelhändler profitieren aber nur vom ROPO-Effekt, wenn Kunden im Web auch auf ihre Seite finden und nicht irgendwo international shoppen.

Gemeinsam mit der Konkurrenz

Ein familiengeführtes Unternehmen tut sich allein schwer mit einer Antwort auf die Herausforderung durch Amazon & Co. Für eine gepflegte, stets aktuelle Webpräsenz und regelmäßige Social-Media-Aktionen brauchen die Händler zusätzliche Ressourcen: Zeit, Geld und Wissen. Da viele Einzelhändler dieser Gruppe aber maximal zwei Angestellte haben und sich ansonsten allein um Bestellungen, Abrechnungen und Kundenservice kümmern müssen, bleibt dies ein Wunschtraum.

Statt alles allein zu bewältigen, tun sich Händler daher zusammen. Gemeinsame Auftritte machen es den Konditoren, Juwelieren oder Sportfachhändlern einfacher: Auf lokalen Online-Marktplätzen bieten sie digitale Schaufenster ihrer Läden – zusammen mit den bisherigen Konkurrenten. Wo vorher der Wettbewerb im Vordergrund stand, zählt jetzt das Bestehen als Händlergemeinschaft gegen die große Konkurrenz von Zalando, Ebay und Amazon.

Localcommerce.info listet 72 Online-Marktplätze in Deutschland, international sind auch einzelne vertreten.

Seit wenigen Jahren sind lokale Online-Marktplätze in Deutschland aktiv – über das Vorzeigeprojekt Online City Wuppertal haben wir schon berichtet [1]. Auch in Siegen, Hamburg, Günzburg oder Berlin kann man online bei regional ansässigen Händlern bestellen. Laut der Wissensbasis localcommerce.info, die derzeit noch im Aufbau ist und alle lokalen und regionalen Händlerseiten dieser Art listen soll, sind derzeit 72 solcher Marktplätze in der Bundesrepublik mit dem Browser besuchbar.

Kommentieren

Weitere Bilder

E-volte des Einzelhandels (1 Bilder)

Mitbringsel aus Günzburg vergessen? Dann bestellt der Tourist eben online nach.