c't 22/2017
S. 51
Kurztest
WLAN-Klingel

Klingel-Spion

Dem Paketboten an der Haustür antworten, selbst wenn man nicht zu Hause ist? Mit einer WLAN-Türklingel ist das kein Problem.

Aufmacherbild

Die Ring Video Doorbell Pro des US-Herstellers Ring ersetzt den Klingelknopf an der Haustür durch einen LED-umrahmten Taster mit integrierter Full-HD-Kamera. Auch unterwegs wird man so über das Smartphone alarmiert, sobald jemand schellt. In der Klingel stecken sowohl Mikrofon als auch ein Lautsprecher.

Mit der WLAN-Klingel kommt ein Funk-Gong, der die analoge Türklingel ersetzt. Das nötige Installationsmaterial liegt bei: Eine Wasserwaage, ein Schraubendreher und sogar ein Steinbohrer sowie ein Hutschienentrafo mit 24 Volt AC.

Die Doorbell Pro ist hübsch designed, steht von der Wand mit 21 Millimetern aber etwas weit vor. Ring liefert vier verschiedenfarbige Abdeckungen. Eine Quermontage ist nicht vorgesehen – es sei denn, man lebt mit um 90 Grad verdrehten Videos. Dafür, dass man die Klingel im Außenbereich installieren soll, wirkt sie etwas zerbrechlich: Sie ist nicht komplett gegen eindringendes Wasser geschützt und die Wechsel-Cover lassen sich nach dem Lösen einer Schraube abziehen, um per Knopfdruck das Setup zu aktivieren. Vandalismussicher ist die Kamera nicht.

Die Ersteinrichtung erledigt man mit der kostenfreien Ring-App (Android, iOS). Für Windows 10 gibt es ebenfalls eine passende Desktop-App. Die Klingel gibt sich zunächst als Access-Point. Einmal verbunden, hievt man sie ins heimische WLAN. Klingel und der Funk-Gong lassen sich in der App einem Account zuordnen. Die Videos werden auf Wunsch in der Cloud von Ring – und nur dort – gespeichert. Für 3 Euro monatlich oder 30 Euro im Jahr lassen sie sich dauerhaft abrufen. Ohne Abo funktioniert nach einer Testphase von 30 Tagen nur noch der Live-Modus.

Es lassen sich mehrere Geräte an einem Ring-Account anmelden. Klingelt es an der Tür, können also mehrere Familienmitglieder antworten, auch gleichzeitig. Die Videoqualität ist recht bescheiden. Die Kamera zeichnet zwar in Full-HD mit 15 Frames pro Sekunde auf, durch den wenig effizienten H.264-Codec bildet der Upload in die Cloud aber einen Flaschenhals. Spätestens, wenn sich ein Objekt vor dem Fischauge der Kamera hin und her bewegt, ist vor Klötzchen kaum etwas zu erkennen. Im Dunkeln kann man sich über recht gut ausgeleuchtete Szenen freuen: Die IR-Dioden der Doorbell leuchten Gesichter bis auf etwa ein Meter Distanz anständig aus. Der Standby-Verbrauch mit dem vorgeschalteten Trafo betrug 4,1 Watt.

Das System lässt sich um weitere Kameras oder Gongs erweitern, sodass sich die WLAN-Klingel zu einem Sicherheitssystem fürs ganze Haus ausweiten lässt. Über IFTTT lässt sich die vernetzte Türklingel als Trigger-Ereignis nutzen, um andere Smart-Home-Aktionen anzustoßen.

Die Video Doorbell Pro hat ihre Tücken: Die recht komplizierte Integration in eine bestehende Klingelanlage zählt dazu. Hinzu kommen die Video-Uploads nur in die Cloud und eine möglicherweise maue WLAN-Abdeckung vor der Haustür. Dafür hängt ein Gadget neben der Tür, das den Eingangsbereich recht effektiv bewacht. (sha@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Ring Video Doorbell Pro

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