c't 22/2017
S. 44
Test
Fairphone-Kamera
Aufmacherbild

Fairknipsen 2.0

Kamera-Upgrade für das modulare Fairphone 2

Neue Fairphone-2-Exemplare werden mit verbesserter Haupt- und Selfie-Kamera ausgeliefert. Wer noch ein altes Modell hat, kann die neuen Kameras als einzelne Module kaufen und ohne professionelle Hilfe einbauen. Wir haben die neue Hauptkamera mit ins Labor genommen.

Hersteller Fairphone will durch das modulare Design für mehr Langlebigkeit sorgen. Die Modularität hat ihren Preis: Das Fairphone 2 ist mit 529 Euro teuer – und bringt doch nur Mittelklasse-Komponenten mit. Zu dem Preis bekommt man auch ein gebrauchtes Galaxy S8 oder iPhone 7. Sogar ein Galaxy S6, das knapp 200 Euro weniger kostet, bringt eine Kamera mit, die der neuen Fairphone-2-Cam qualitativ deutlich überlegen ist.

Doch der Vergleich zu Top-Modellen verfehlt den Sinn der Sache: Das Fairphone 2 will gar nicht mit aktuellen iPhones, Samsungs und Konsorten mithalten. Es geht dem Hersteller um Nachhaltigkeit. Die neue Kamera ist einfach auszutauschen und kostet einzeln nur 45 Euro. Das ist aktuell einzigartig auf dem Markt.

Wir haben den Umbau mit der Hauptkamera ausprobiert und uns angesehen, was die Fotos der neuen Kamera taugen. Zum Austauschen braucht es nur einen kleinen Kreuzschlitz-Schraubendreher. Der Einbau klappte im Test innerhalb weniger Minuten einwandfrei.

Foto-Test

Die neue Hauptkamera bietet statt 8 nun eine Auflösung von 12 Megapixeln sowie einen Doppelblitz. Der beleuchtet anständig, doch bei schwachem Licht grätscht ihm die Farbtemperatur-Automatik rein: Alle Fotos haben einen Grünstich, der umso prägnanter wird, je schwächer das Motiv ausgeleuchtet ist.

Sieht man darüber hinweg, bleibt solide Mittelklasse-Performance. Die neue Kamera belichtet etwas heller als ihr Vorgänger, was die Schatten der Motive hübscher macht. Kontrast und Bildschärfe profitieren von der höheren Auflösung des neuen Sensors – und der unaufdringlichen Software-Nachbearbeitung. Dank dieser sind Details weniger verwaschen, Kanten schärfer. Dafür ist etwas mehr Bildrauschen zu sehen.

Labortest bei Zimmerbeleuchtung (300 Lux). Von links nach rechts: alte Fairphone-2-Kamera, neue Fairphone-2-Kamera, Samsung Galaxy S6

Insgesamt ist die neue Kamera dem Vorgänger überlegen. Bei Tageslicht ist zwar noch kein großer Unterschied erkennbar. Aber sobald das Licht schwächer wird – etwa bei normaler Zimmerbeleuchtung –, ist die Bildqualität der neuen Kamera deutlich besser als die der alten. Noch auffälliger wird der Unterschied zur alten Kamera bei Dämmerlicht – etwa nach Sonnenuntergang.

Negativ fiel im Test der langsame Fokusmechanismus auf. Vom Knopfdruck bis zum tatsächlichen Auslösen dauert es eine bis zwei Sekunden. Im Fotolabor in fast völliger Dunkelheit zündete der Blitz außerdem einmal fehl – was ein stark überbelichtetes Bild zur Folge hatte.

Videos und weitere Aufnahmemodi

Videos zeichnet auch die neue Kamera unverändert in bis zu 1080p-Auflösung auf. Wie die Fotos spielen auch die Videos mit der neuen Kamera qualitativ im soliden Mittelfeld. Die Belichtungsautomatik braucht wie der Fokus auch bei Videos eine Sekunde, um sich entsprechend anzupassen.

Im Zuge unseres Tests war von Bildstabilisation nichts zu merken – gerade bei gezoomtem Bild ist also eine ruhige Hand gefordert. Der Zoom funktioniert über Fingergesten. Während der Aufnahme lassen sich per Fingertipp zusätzlich Video-Schnappschüsse aufnehmen. Auch Panorama- und 360°-Aufnahmen lassen sich erstellen. Dazu kommt ein Lense-Blur-Modus. Mit dem kann man Objekte im Motiv hervorheben, indem deren Hintergrund unscharf bleibt.

Fazit

Tabelle
Tabelle: Fairphone-2-Hauptkamera

Auch das Kamera-Upgrade macht das Fairphone 2 nicht zum High-End-Knipser. Für Alltagsfotos und Selfies reicht die Bildqualität allerdings vollkommen aus.

Anspruchsvolle Handy-Fotografen greifen besser zu aktuellen High-End-Geräten. Wer jedoch Wert auf Modularität und ein ruhiges Umwelt-Gewissen legt, sollte sich die neue Kamera – egal ob als einzelnes Modul oder verbaut in einem neuen Fairphone 2 – anschauen.(jube@ct.de)

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