c't 23/2017
S. 32
News
Adobe Lightroom CC

Lightroom geht in die Cloud

Adobe Lightroom CC als Online-Dienst

Künftig soll Lightroom CC funktionsgleich für Windows, macOS, Android und iOS erscheinen; die Bibliothek komplett in der Cloud liegen. Dafür hat Adobe die Anwendung neu entwickelt. Das alte Lightroom bleibt mit dem Namenszusatz „Classic“ im Programm und wird ebenso wie Photoshop CC weiterentwickelt.

Adobes Kreativkonferenz Max 2017 drehte sich um die Neukonzeption von Lightroom. Unter dem Namen Lightroom CC bietet Adobe ab sofort ein völlig neues Programm an. Das bisherige Lightroom bleibt aber im Angebot und heißt ab sofort Lightroom Classic CC. Das klingt nach Abstellgleis, Adobe versichert aber, das Programm weiterzuentwickeln.

Das neu geschaffene Lightroom CC wirkt wie eine Desktop-Version von Lightroom Mobile. Dessen Funktionsumfang hat Adobe in den vergangenen vier Jahren sukzessive an den der Desktop-Version angeglichen. Eine leistungsfähige Bildverwaltung mit Gesichtserkennung, Geotagging und Modulen für Druck und Fotobücher bietet aber nach wie vor nur Lightroom Classic CC. Auch Teiltonung und Gradationskurven fehlen dem Cloud-Lightroom noch.

Adobe hat Lightroom CC neu erfunden. Die Apps für Windows, macOS, Web, Android und iOS greifen auf dieselbe Bibliothek in der Cloud zu.

Lightroom CC steht ab sofort als Anwendung für Windows und macOS sowie als Web-App für Browser zur Verfügung. Es nutzt die gleiche Engine wie Lightroom Classic und Photoshop Camera Raw. Die Oberfläche orientiert sich an der Mobilversion, die nun ebenfalls Lightroom CC heißt.

Größte strukturelle Neuerung ist, dass mit dem neuen Lightroom CC die gesamte Lightroom-Bibliothek in der Cloud vorliegt. Auf diese Bibliothek greifen Lightroom CC für Windows, macOS, Web, Android und iOS gleichermaßen zu. Lightroom CC arbeitet auch offline, synchronisiert aber bei bestehender Online-Verbindung die gesamte Bibliothek mit der Cloud. Die Alben lassen sich endlich auch in Unterordnern organisieren – unentbehrlich für größere Archive.

Das KI-Framework Adobe Sensei vergibt automatisch ermittelte Schlagwörter. Es kommt bereits in anderen Adobe-Produkten wie Photoshop Elements und der Experience Cloud zum Einsatz. Die Suche nach diesen Schlagwörtern steht nur bei Online-Verbindung zur Verfügung.

Auch Lightroom CC für Android und iOS unterstützen ab sofort die automatische Verschlagwortung. Hinzu kommen die Unterordner, Dateiunterstützung für iOS 11 und ein verbessertes iPad-Layout. Die Android-Version erhält nun den Maskierungspinsel zur selektiven Bearbeitung, der bisher iOS-Nutzern vorbehalten war.

Lightroom Classic CC

Die Stammnutzer von Lightroom dürfen deutliche Performance-Steigerungen erwarten. Das betrifft den Programmstart, das Erzeugen von Vorschaubildern, den Wechsel vom Bibliotheks- zum Entwickeln-Modul, den Fotowechsel und das Pinsel-Werkzeug.

Ein neues Werkzeug zur Farb- und Luminanzauswahl erleichtert die selektive Bearbeitung. Mit Maskierungspinsel und radialem oder linearem Verlauf trifft man eine Vorauswahl und kann diese anschließend verfeinern. Den Farbbereich markiert man mit einer Pipette und legt anschließend mithilfe eines Schiebereglers den Umfang des maskierten Tonwertspektrums fest.

Die Kaufversion Lightroom 6 erhält ein Update mit Unterstützung für die Nikon D850 und bleibt weiterhin im Angebot. Ein Lightroom 7 wird es laut Adobe nicht geben. Zu Lightroom CC versus Lightroom 6 und der Frage, was passiert, wenn man sein Lightroom-Abo kündigt, siehe die FAQ auf Seite 164.

Photoshop CC

Photoshop CC greift ab sofort direkt auf den Lightroom-Katalog zu. Außerdem sind TypeKit und Adobe Stock tiefer ins Programm integriert.

Die Auswahl nach Farbbereich oder Luminanz hält auch in Photoshop Camera Raw 10 Einzug. Außerdem greift der Startbildschirm von Photoshop direkt auf den Cloud-Katalog von Lightroom CC zu und zeigt Vorschaubilder der dort abgelegten Fotos.

Pinselspitzen lassen sich nun per Drag & Drop in Ordnern organisieren. Wer eine unsichere Hand hat, kann Pinselstriche glätten. In den Werkzeugeinstellungen erscheint dazu ein Schieberegler. Die Bedienung des Pfadwerkzeugs hat Adobe deutlich vereinfacht. Bisher musste man umständlich Werkzeuge wechseln oder sich Tastenkombinationen merken. Künftig genügen ein paar Mausklicks, um einen Pfad zu erstellen. Außerdem hat Adobe die Web-Fonts aus TypeKit und den Agenturbilderdienst Adobe Stock tiefer ins Programm integriert. Künstliche Intelligenz soll bei der Bildskalierung schärfere Kanten und mehr Details produzieren als vorher. Außerdem unterstützt Photoshop 360-Grad-Panoramafotos, das von iOS 11 verwendete HEIF-Format und die Verwendung des Microsoft Dial.

Neue Preise, mehr Speicher

Nutzer des Fotografie-Abos bekommen für knapp 12 Euro im Monat neben Lightroom Classic CC, Photoshop CC und dem Dienst Spark Premium 20 GByte Online-Speicher mitsamt Lightroom CC. Die gesamte Fotosammlung hochzuladen dürfte aber ob des geringen Speichers nicht klappen.

Zum Kasten: Kommentar: Ein Wechsel mit großen Versprechungen

Ein neuer „Creative Cloud Fotografie Plan“ stockt den Online-Speicher auf ein TByte auf. Enthalten sind Photoshop CC, Lightroom CC, Lightroom Classic CC, Adobe Spark Premium und Adobe Portfolio. Er kostet 23,79 Euro monatlich; im ersten Jahr 17,84 Euro pro Monat. Ohne Photoshop CC kostet das Ganze 11,89 Euro; nur die Lightroom-Mobil-Apps inklusive 100 GByte Cloud-Speicher kosten 5,94 Euro monatlich. (akr@ct.de)

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