c't 24/2017
S. 20
News
Brettspiel-Neuheiten

Tischspielereien

Brettspiele für Gamer und Techies

Ob App-Anbindung oder am Spieltisch wiedergeborene Videogames – digitale und analoge Spiele verschmelzen immer mehr. Gleichzeitig beeinflussen sie sich und lernen voneinander.

Entwickler von Gesellschaftsspielen bedienen sich immer öfter digitaler Komponenten, um ihre Spiele zugänglicher, flüssiger oder stimmiger zu gestalten. Ein Beispiel ist das Mystery-Brettspiel „Villen des Wahnsinns – 2. Edition“ [1].

Auch dessen Schwesterspiel „Descent 2. Edition – Reise ins Dunkel“ lässt sich mit einer optionalen App spielen, die einige Spielmechaniken übernimmt und mit passender Audiountermalung für Atmosphäre sorgt. Das Entwicklerstudio Fantasy Flight Games setzt verstärkt auf App-Einsatz. So wird auch „Star Wars: Imperial Assault“ demnächst eine App erhalten. Verlegt werden die Spiele in Deutschland durch Asmodee Germany.

Neues gab es bei der SPIEL in Essen, der weltweit größten Messe für Gesellschaftsspiele. So hat beispielsweise Asmodee auch das Kartenspiel „Unlock“ von Space Cowboys im Sortiment. Dank einer Mobil-App werden die Spielkarten zu Escape-Room-Szenarien: Durch das Sammeln und Kombinieren von Karten müssen innerhalb eines Zeitlimits Rätsel gelöst und Codes entschlüsselt werden. Die App macht derweil Druck mit laufendem Timer und passender Musik. Hier muss man auch errätselte Codes eingeben. Gegen Punktabzug gibts Hinweise, kommt man mal nicht weiter.

Doom als Brettspiel: Ein Spieler übernimmt die Rolle des Zerstörers und schickt Dämonen in den Kampf gegen bis zu vier von anderen Spielern gesteuerte Marines.

Ein ähnliches Spielprinzip nutzt „Escape Room: The Game“ – und erweitert es um Rätselelemente wie Code-Scheiben sowie ein „Chrono Decoder“ genanntes Gadget. Der wie eine Bombe aussehende Kasten macht mit Timer und eindringlichem Sound Druck. Außerdem muss man hier Codes eingeben und physische Schlüssel in korrekter Reihenfolge einstecken, um die Rätseleien erfolgreich zu beenden. Apps gibts auch: Eine sorgt für passende Musik, eine andere erweitert das Game um VR-Komponenten. Legt man das Smartphone mit der App in eine beiliegende Papp-VR-Brille ein, kann man sich in den Umgebungen umsehen, aus denen man im Spiel entkommen muss – etwa einem havarierten U-Boot oder einem Azteken-Tempel.

Videospiel-Adaptionen

Immer mehr populäre Videogames finden ihren Weg zurück auf Spieltische. Atmosphäre und Spielgefühl der Vorlage einzufangen und analog wiederzugeben, ist die zentrale Herausforderung für Spielemacher. Je nach Genre des Originals wollen unterschiedliche Elemente umgesetzt, übersetzt und adaptiert werden. Die Ergebnisse können sich in vielen Fällen sehen lassen.

„Doom: Das Brettspiel“ schafft es, die rasante Abwechslung von Dauerfeuer, Deckung und Dämonenhorden des Videospiels einzufangen. Der Fokus rückt dabei gezwungenermaßen weg von der Hand-Auge-Koordination beim Egoshooter-Ballern hin zu schnellem Taktik-Gameplay, das geschickte Positionierung und Kartenkombinationen belohnt. Hochwertiges Spielmaterial, Glory-Kills und passende Spielmechaniken sorgen für ordentlich Doom-Feeling am Spieltisch. So kann man etwa Spielkarten abwerfen, um die Minigun warmlaufen zu lassen.

Die Gaming-Klassiker „Sid Meier’s Civilization“ und „Fallout“ landen ebenfalls bald auf dem Tisch – beide sind strategisch gehalten, waschechte Brettspiele und erscheinen 2018 beim Asmodee Verlag. Dieser ist aber nicht der einzige, der sich die Fallout-Lizenz gesichert hat. „Fallout: Wasteland Warfare“ von Modiphius erscheint ebenfalls 2018 und setzt den postapokalyptischen Klassiker als Miniaturen-Tabletop um. Hier gehen einzelne Überlebende auf Tuchfühlung mit Supermutanten, Ghouls, Robotern und der stählernen Bruderschaft.

Bei Escape Room: The Game schaut sich ein Spieler in VR in einem gesunkenen U-Boot um und beschreibt seinem Mitspieler, wo Hinweise versteckt sein könnten.

Wer nicht warten möchte, kann schon andere Gaming-Highlights analog genießen. Das „Star Wars – X-Wing Miniaturenspiel“ ist für alle Hobby-Jedi und Raumpiloten in spe einen Blick wert – ganz besonders aber für Fans der kultigen „X-Wing“-Videospiel-Reihe.

Spannende Gefechte liefern sich Luke, Han und Darth Vader beim X-Wing Miniaturenspiel. TIE-Fighter, der Millenium Falke und viele andere ikonische Raumschiffe jagen über die Tischplatte.

Eine modernere Gaming-Perle kommt von Steamforged Games auf den Tisch. „Dark Souls: The Board Game“ bringt nicht nur den krassen Schwierigkeitsgrad des Vorbilds mit, sondern auch komplexe Charakterentwicklung und Ausrüstungsmanagement. Kämpfe gegen gewaltige Bossgegner in Form handtellergroßer Miniaturen sind ein weiteres zentrales Element, genauso wie die Roguelike-Features.

Zum Kasten: Gegenseitige Einflüsse: Von Tutorials und lokalem Multiplayer

Neben Dark Souls dürften besonders Civilization und Fallout für Gamer interessant sein, die mal vom Bildschirm auf den Spieltisch umsteigen wollen. Villen des Wahnsinns macht vor, wie Brettspiele mit Apps harmonieren und von ihnen bereichert werden. Gesellschaftsspiele sind und bleiben auch für Technikfreunde spannend. (jube@ct.de)

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