c't 24/2017
S. 54
Test
Netzwerkspieler mit Sprachsteuerung
Aufmacherbild

Musikalischer Assistent

Sonos One: Netzwerk-Lautsprecher mit Alexa

Sonos ist für viele Kunden die erste Wahl, wenn es um vernetzte Musiksysteme geht. Damit das so bleibt, hat das jüngste Familienmitglied Alexa im Schlepptau.

Vom Design her hat der Sonos One wenig Überraschendes zu bieten. Eigentlich schaut er fast genauso aus wie das Einstiegsmodell Play:1. Grundform und Abmessungen sind identisch, Sonos One und Play:1 teilen denselben Aufbau: Im soliden Chassis stecken ein Hochtöner und ein Tiefmittentöner, die – Sonos-typisch – separat von je einem Digitalverstärker getrieben werden. Auf der Rückseite des One findet sich der von den neueren Sonos-Speakern bekannte Pairing-Knopf – die Gewindehalterung des Play:1 fehlt.

Deutlich zu unterscheiden ist der Sonos One durch das plane Bedienfeld auf der Oberseite. Statt analoger Wippen findet sich hier ein Touch-Feld zur Wiedergabe- und Lautstärkesteuerung sowie ein Sensorfeld zum Aktivieren und Deaktivieren des Mikrofon-Arrays. In der von uns getesteten Variante in Schwarz war die Fläche recht empfänglich für Fingerabdrücke.

Hinter dem fein gebohrten Lochring liegt ein Array aus sechs Mikrofonen, über die sich der Sprachassistent ansprechen lässt. Zum Start ist im Sonos One lediglich Amazons Alexa nutzbar, der Google Assistant soll dieses Jahr folgen. Grundsätzlich gibt sich Sonos offen gegenüber allen Assistenzsystemen. Das Array soll wie bei Amazons Echo „hardwired“ mit einer LED verbunden sein. Drückt man auf das Mute-Feld, erlischt sie und der One wird taub.

Die Ersteinrichtung gerät im Vergleich zu bisherigen Sonos-Produkten komplizierter, zumindest wenn man die Sprachassistenz nutzen möchte. Der One lässt sich auch ohne Sprachassistenz einrichten und bietet dann exakt den Funktionsumfang eines Play:1. Um Alexa zum Sprechen zu bringen, muss man den Sonos- mit dem Alexa-Account verknüpfen und in der Alexa-App zusätzlich die Sonos-Skill aktivieren. Danach kann man Alexa auf die Suche nach Smart-Home-Geräten schicken und die Sonos-Lautsprecher werden eingebunden.

Über die Sprachsteuerung hat man die Wiedergabe im Griff: Mit Kommandos wie „Alexa, Küche Pause“ lassen sich Play, Pause, Titelsprung oder Lautstärkeanpassungen setzen. Das funktioniert sowohl am Sonos One selbst als auch an anderen Abspielstationen im Sonos-System. Das Verwalten von Gruppen ist derzeit nicht möglich, man kann also nicht die Musik von einem Lautsprecher per Sprachbefehl im gesamten Haus verteilen. Auch bei den Musikdiensten ist man auf die von Alexa unterstützten Services Spotify und Amazon Music Unlimited beschränkt.

Im Test funktionierte die Sprachsteuerung mit Alexa mehr schlecht als recht. Immer wieder wurde die Musik im falschen Raum wiedergegeben oder Alexa ignorierte Kommandos komplett. Im direkten Vergleich mit einem Echo fiel zudem auf, dass das Mikrofon-Array des One schlechter funktioniert: Während der Echo auf Distanz selbst geflüsterte Kommandos akzeptiert, muss man beim Sonos-Speaker deutlich die Stimme erheben. Amazons Sprachassistenz ist im One natürlich nicht auf die Musikfunktionen beschränkt. Über Alexa steuert man wie gewohnt alle Smart-Home-Funktionen oder nutzt die zahlreichen Skills von Drittanbietern.

Klanglich überzeugt der Sonos One voll. Durch die Trueplay-Optimierung liefert er auch an ungünstigen Aufstellorten einen ausgewogenen Sound. Auch wenn er wegen des überarbeiteten Chassis nach Angaben von Sonos leicht veränderte Klangeigenschaften besitzen soll, ließ er sich im Hörtest nicht sicher von einem Play:1 unterscheiden. Da ist es unverständlich, dass Sonos zwar das Koppeln zweier Sonos One zu einem Stereosystem erlaubt, man aber keinen One mit einem Play:1 koppeln darf. Gleiches gilt für den Einsatz als Effektlautsprecher in einem 5.1-Setup: Man benötigt zwei Sonos One. Beim Standby geht der One leider einen Schritt rückwärts. In Bereitschaft zieht er 4,6 Watt, ein Watt mehr als der Play:1.

Fazit

Der One ist nicht schlechter als der Play:1 – aber auch nicht viel besser. Beim momentanen Stand der Assistenzfunktion kann man sich auch Amazons Echo Dot ins Haus stellen, um das alte Sonos-System über die Sonos-Skill zu steuern.

Und doch ist der neue Sonos ein spannendes Gerät: Weil er derzeit der Smart-Speaker mit dem besten Klang ist und weil er sich künftig nicht nur auf Alexa beschränken soll. Wer mit unterschiedlichen Assistenten experimentieren möchte, wird den Lautsprecher wegen seiner Offenheit schätzen.

Tabelle
Tabelle: Sonos One

Entscheidend ist die Frage, ob Sonos sich in Zukunft bei der Musiksteuerung ausschließlich auf die Intelligenz der eingeklinkten Assistenten verlässt oder selbst Hand anlegt. Man könnte zwar hoffen, dass Alexa & Co. irgendwann auch fundierte Auskunft über den Komponisten eines Stückes, den Saxophonisten eines gerade gespielten Solos oder die Entstehungsgeschichte eines Albums geben. Besser wäre es, Sonos würde sich selbst um einen kompetenten Musikassistenten bemühen. (sha@ct.de)

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