c't 3/2017
S. 186
Story
Aufmacherbild
Illustration: Susanne Wustmann, Dortmund

Simulacron-47

Das alte Schloss gab mit einem Krachen nach. Die Stahltür öffnete sich erstaunlich sanft und ohne jedes Quietschen. Lichtstrahlen stießen wie Speere durch die Dunkelheit des dahinterliegenden Raumes. Selbst durch seinen Atemfilter roch Daniel den Moder jahrzehntealter Luft. Staubflocken schwebten wie in Zeitlupe von der Decke, um sich mit ihren Geschwistern auf dem Boden zu vereinen, die dort über die Zeit eine zentimeterhohe Schicht gebildet hatten. Vorsichtig trat Daniel ein.

Sein Messgerät zeigte, dass hier irgendetwas noch Strom verbrauchte, und das 75 Jahre nach der Evakuierung der Stadt. Er hatte nicht viel Zeit; sein Onkel und die anderen Glücksritter waren nicht interessiert an funktionierenden Artefakten. Sie interessierten sich einzig und allein für die Rohstoffe. Sie würden die Leitungen aus den Wänden reißen und Platinen in mobilen Schmelzöfen kochen. Manche von ihnen bargen auch einfache Schaltungen und Solarzellen, aber den meisten, wie auch seinem Onkel, ging es nur um die wertvollsten und am einfachsten zu extrahierenden Metalle und seltenen Erden.

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