c't 4/2017
S. 46
Kurztest
HiRes-Spieler

Wechselspieler

Ein Player – unterschiedliche Endstufen: Fiios HiRes-Spieler X7 liefert zu jedem Kopfhörer den passenden Verstärker.

Aufmacherbild

Fiios jüngsten portablen Musikspieler baut man sich à la carte zusammen, aus der Zentraleinheit X7 und einem von fünf Verstärkermodulen. Der Verstärker wird über eine proprietäre Steckverbindung mit dem Player verbunden und fest verschraubt.

Der 220 Gramm schwere Player steckt in einem soliden Aluminium-Gehäuse. Das System wird angetrieben von einem Rockship RK3188 mit 1,4 GHz und einem recht betagten Android 4.4 – immerhin ist eine Beta-Firmware mit Android 5.0 bereits erhältlich. Im Flash-Speicher liegen zwei Images, die sich über einen Bootmanager wechseln lassen: Man startet den X7 wahlweise im normalen Android oder mit einer für die Musikwiedergabe stark abgespeckten Android-Version. Letztere sorgt dafür, dass keine Hintergrundprozesse parallel laufender Apps den Musikgenuss trüben.

Der X7 ist mit WLAN ausgestattet, kann allerdings nur im Android-Modus auf Streaming-Dienste wie Spotify oder Tidal zugreifen. Im Musik-Modus lassen sich zumindest Netzwerkressourcen via DLNA anzapfen, ansonsten spielt man Musik vom internen Speicher (27 GByte nutzbar) oder einer optional einsteckbaren MicroSD-Karte (bis 256 GByte) ab. Per Bluetooth lassen sich Kopfhörer koppeln, allerdings unterstützt der X7 nur den verlustbehafteten SBC-Codec.

Die Navigation über das Touchdisplay mit 480 × 800 Pixeln geht gut von der Hand – ein klarer Vorteil gegenüber früheren Fiio-Modellen. Die Sammlung lässt sich wahlweise im Ordnermodus oder über den Musikindex durchsuchen. Unterstützt werden alle gängigen Formate auch in ihren Lossless-Varianten mit hohen Abtastraten, wobei der X7 auch vor DSD- oder DXD-Material mit 352,8 kHz nicht halt macht.

Die Qual der Wahl hat man bei den Endstufen. Das einfache Abschlussmodul AM0 ist nur etwas für Nutzer, die den Spieler an der Stereoanlage oder in einem Dock betreiben wollen – den Sound zweigt man dann über die USB-Schnittstelle oder die Line-Out-Buchse ab, die sowohl ein analoges als auch ein elektrisches SPDIF-Signal liefert.

Zum Anschluss eines Kopfhörers ist eines der Verstärkermodule AM1 (70 Euro), AM2 oder AM5 (je 130 Euro) nötig. Ersteres ist für niederohmige In-Ears optimiert, während der A5 auch hochohmige Over-Ear-Boliden treiben soll. Der AM2 liegt irgendwo in der Mitte. Die schlechte Nachricht: Im Labor war das AM1-Modul von den Messwerten kaum vom AM5-Modul zu unterscheiden. Die gute Nachricht: Alle Module waren messtechnisch sauber und lieferten auch im Hörtest hervorragenden Sound. Eine Besonderheit bietet das Verstärkermodul AM3: Es ist komplett symmetrisch aufgebaut und mit einer entsprechenden 4-fach-Klinkenbuchse ausgestattet. Fiio hat spezielle Kabel im Angebot, um damit Kopfhörer von Shure oder Ultimate Ears mit nach Kanälen getrennter Masse zu bespielen. Die Kanaltrennung war allerdings auch bei den übrigen Modulen hervorragend – die Unterschiede im Klang sind also sicher etwas für feine Ohren.

Fiio schnürt schon mit der kleinsten Kombi aus X7 und dem Verstärkermodul AM1 für zusammen 720 Euro ein für HiRes-Enthusiasten äußerst attraktives Paket. Ob man für den symmetrischen Ausgang oder mehr Verstärkerleistung tiefer ins Portemonnaie greifen möchte, bleibt Geschmacksache. Einziger Pferdefuß am X7 ist das Fehlen von AAC oder AptX bei der Bluetooth-Übertragung. (sha@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Fiio X7

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