c't 4/2017
S. 17
News
Samsungs Akku-Debakel
Aufmacherbild
Allein bei Samsung haben 700 Techniker über 200.000 Note 7 und weitere 30.000 Akkus in die Mangel genommen. Bild: Samsung

Ursachenforschung

Wie es beim Samsung Galaxy Note 7 zum Akku-Debakel kam und wie es jetzt weiter geht

Die nagelneuen Spitzen-Smartphones von Samsung gerieten im vergangenen Herbst reihenweise in Brand. Der Hersteller reagierte mit einer Rückrufaktion und nahm das Modell komplett vom Markt. Jetzt präsentiert Samsung die Ergebnisse der Ursachenforschung und verspricht Konsequenzen.

Samsung beauftragte zusätzlich zu eigenen Tests die Prüflabore UL und Exponent sowie den TÜV Rheinland. Das Ergebnis: Die Untersuchung der Qualitätssicherung von Komponenten, Zusammenbau und Logistik habe keine Probleme aufgezeigt. Hingegen traten sowohl beim ursprünglichen Akkutypen als auch dem der Austauschgeräte Fehler auf.

Das Prüflabor UL fand bei hitzegeschädigten Note 7 und Akkus der ersten Variante verbogene Akku-Ecken sowie zu dünne Isolationsschichten rund um die Kathode, die in Verbindung mit mechanischem Stress zu Kurzschlüssen führen können. Bei der zweiten Note-7-Version fanden sich Kurzschlüsse an unterschiedlichen Stellen. Sie beruhen wohl auf einer Kombination aus fehlendem Isoliermaterial, dünnen Nichtleitern und den scharfen Kanten hoher Schweißpunkte.

Zum Kasten: Augenwischerei

Laut Exponent habe eine zu kleine Außenhülle des ursprünglichen Akkus die Elektroden verbogen. Bei der zweiten Akkuserie entstanden die Kurzschlüsse demnach durch defektes Isoliermaterial, beschädigte Beschichtungen der Anoden und schlechte Schweißqualität.

Der TÜV Rheinland untersuchte die Montage in Fabriken in Korea, China und Vietnam. Bei Straßentransporten von China nach Vietnam wurden außerdem Sensoren mitgeschickt, die Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und mechanischen Stress aufzeichneten. Alle Akkus überstanden demnach Transport und Montage ohne weitere Beschädigungen.

Zukünftige Maßnahmen

Gegen künftige Akkubrände will Samsung vorbeugen. So soll künftig ein Beirat aus drei US-Professoren und einem Berater tätig werden. Von Entwicklung und Materialauswahl an soll es neue Sicherheitsprotokolle geben.

Neue Geräte bekommen einen zusätzlichen Rahmen um den Akku, der die Akkus etwa bei einem Sturz schützen soll. In der Lade-Software werden die Sicherheitsparameter hinsichtlich Stromstärke, Temperatur und Ladedauer verbessert.

Ein zusätzliches Acht-Punkte-Programm soll den Produktionsprozess überwachen. Dazu zählen Röntgenaufnahmen und das Auseinandernehmen von zufällig ausgewählten Stücken sowie große Lade-Entlade-Tests von Akkus und Geräten während der Produktion. Nach der Produktion sollen zweiwöchige Tests unterschiedliche Nutzungsszenarien nachstellen. Für Mitarbeiter wurden neue Schulungsprogramme erarbeitet. (jow@ct.de)

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