c't 5/2017
S. 31
News
Fukushima

Extreme Strahlung stoppt Roboter in Fukushima

Toshibas „Skorpion“ soll 1000 Sievert überstehen. Doch in Reaktor 2 dauert es nur zwei Stunden, bis diese Schwelle erreicht wird. Bild: Toshiba

Der Rückbau des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima wird noch schwieriger als bisher angenommen. Neue Messungen haben ergeben, dass die Strahlung im Reaktor Nr. 2 bei über 500 Sievert pro Stunde (Sv/h) liegt. Schon wenige Minuten in dieser Umgebung bedeuten für Menschen den sicheren Tod. Aber auch für Roboter ist die Strahlung gefährlich: Mitte Februar musste der Fukushima-Betreiber Tepco ein ferngesteuertes Gefährt früher als geplant stoppen und in Sicherheit bringen, nachdem die Strahlung die Kamera-Chips beschädigt hatte.

Aus den Interferenzen der Bilder errechnete Tepco eine Strahlung von etwa 650 Sv/h. Vertreter der japanischen Regierung zweifeln diesen Wert zwar an. Weniger als 500 Sv/h dürften es allerdings kaum sein, denn die für eine maximale Dosis von 1000 Sievert konzipierte Roboter-Kamera fiel innerhalb von zwei Stunden aus. Bereits Anfang Februar hatte Tepco mit einer anderen Kamera einen Wert von 530 Sv/h ermittelt. Zuvor waren 73 Sv/h der höchste in Fukushima gemessene Wert.

Der gestoppte Roboter sollte mit einer Hochdruckwasserpumpe Ablagerungen von einem Zugang zum Bereich unterhalb des Druckbehälters entfernen. Fünf von sieben Metern dieses Zugangs sind durch geschmolzene Kabel und Farbe verunreinigt. Der Roboter konnte nur einen Meter reinigen. Vermutlich sind die Brennstäbe durch den Druckbehälter geschmolzen und befinden sich in der Nähe dieser Stelle.

Noch im Februar will Tepco einen zweiten ferngesteuerten Roboter in die Gefahrenzone schicken. Der „Skorpion“ von Toshiba soll den Boden des Druckbehälters untersuchen. Er ist ebenfalls für eine maximale Dosis von 1000 Sievert ausgelegt. Der japanische Nuklearexperte Fumiya Tanabe sagte gegenüber der Zeitung Asahi Shimbun: „Wir haben noch kaum Hinweise auf die genaue Position, Größe und Form der geschmolzenen Brennstäbe. Die geplante Untersuchung mit Robotern muss neu konzipiert werden. Und der Rückbau wird noch länger dauern.“ (cwo@ct.de)

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