c't 6/2017
S. 35
News
Amazon

Amazons Maßnahmen gegen Betrüger wirken kaum

Amazon versucht, eine Betrugsmasche auf seinem Marktplatz einzudämmen: Ende Februar deaktivierte der Konzern das Textfeld für „Anmerkungen zum Zustand“ von neuen Produkten. Die Maßnahme soll verhindern, dass Betrüger in diesem Feld zur Kontaktaufnahme auffordern.

Kriminelle kapern seit Jahren wie am Fließband mit Phishing-Mails die Amazon-Konten von seriösen Verkäufern, bieten dann in deren Namen fiktive Produkte zu Lockpreisen an und überreden arglose Interessenten zur Zahlung. Anfang Februar ermittelte ein c’t-Leser mit einer selbstentwickelten Software die Dimension des Problems: Die Betrüger übernehmen pro Tag mindestens ein Dutzend Konten und stellen im Schnitt in jedem Shop 80.000 Lock-Angebote ein.

Um Konten besser zu schützen, führte Amazon im Dezember eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ein. Diese ist jedoch freiwillig und wird offenbar nur von wenigen Händlern genutzt.

Auch die Deaktivierung des Anmerkungsfelds für neue Produkte wird das Problem wohl nicht lösen, denn für gebrauchte Produkte bleibt das Zustandsfeld aktiv. „Die einzige wirksame Maßnahme wäre eine Begrenzung auf 100 neue Artikel pro Tag“, kommentiert ein Händler gegenüber c’t.

Amazon teilte mit: „Wir entwickeln unsere Prozesse kontinuierlich weiter, um jederzeit für eine sichere und geschützte Einkaufsumgebung zu sorgen und kooperieren mit den Behörden, um sie bei ihren Maßnahmen gegen Betrüger zu unterstützen.“ (cwo@ct.de)

Mit Informationsfreiheit gegen „Fake News“

Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff (CDU) ist gleichzeitig auch Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit. In dieser Funktion hatte sie das diesjährige Treffen der europäischen Informationsfreiheitsbeauftragten am 23. Februar in Berlin organisiert. Voßhoff forderte während der Tagung, dass staatliche Stellen auf allen Ebenen so früh und so viele Informationen wie möglich publik machen, die für die öffentliche Beteiligung relevant sind. Transparenz und „Open Government“ würden immer wichtiger für die unabhängige Urteilsbildung.

Andrea Voßhoff Ende Februar in Berlin: „Transparenz wird immer wichtiger für die unabhängige Urteilsbildung.“

Die Teilnahme am demokratischen Prozess sei ein Gegenmittel zur „Flut von schnellen, sensationellen, aber letztlich trivialen Informationen“, betonte sie mit Blick auf die Debatte um „Fake News“ und postfaktische Politik. Das Recht auf Akteneinsicht könne als Nadel dienen, um Informationsblasen zum Platzen zu bringen, ergänzte der rheinland-pfälzische Informationsfreiheitsbeauftragte Dieter Kugelmann. Einsicht in Originaldokumente verbreitere den Zugang zu Fakten und könne so gegen „Fake News“ helfen. Voßhoff erkennt in Deutschland diesbezügliche Fortschritte. So habe die Bundesregierung ein Open-Data-Gesetz auf den Weg gebracht; die Bundesländer Hamburg und Rheinland-Pfalz hätten Informationsfreiheitsrechte mit gesonderten Transparenzgesetzen weiterentwickelt. Zudem habe sich Deutschland der „Open Government Partnership“ angeschlossen. (Stefan Krempl/hob@ct.de)

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