c't 8/2017
S. 33
News
Forschung

Forschung zur digitalen Hochschulbildung

Zahlreiche Unternehmen bieten bereits interaktive Labor-Simulationen für naturwissenschaftliche Studienfächer an – im Bild das Antikörper-Lernmodul von Labster. Bild: Labster

Rund 2,8 Millionen Studenten waren im Wintersemester 2016/17 an deutschen Hochschulen eingeschrieben – ein neuer Rekord. Zwar wird in vielen Studiengängen bereits mit digitalen Lehr- und Lernformaten gearbeitet. Deren Anwendung allein führe aber nicht automatisch zu einer besseren Lehre, sagt Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Im Rahmen der Förderlinie „Forschung zur digitalen Hochschulbildung“ soll deshalb jetzt „die Wirksamkeit digitaler Lehr- und Lernformen und ihre organisatorischen Voraussetzungen an Hochschulen“ wissenschaftlich untersucht werden.

Das BMBF stellt zu diesem Zweck in den kommenden drei Jahren rund 12 Millionen Euro für insgesamt 20 Einzel- und Verbundprojekte zur Verfügung. Die jeweiligen Fördersummen liegen zwischen 145.000 und 1,3 Millionen Euro. Das meiste Geld geht nach Frankfurt: Die Goethe-Universität und das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) wollen im Rahmen von CaTS (Computerbasiertes adaptives Testen im Studium) ein neues E-Assessment-Verfahren entwickeln, mit dem sich Lernstände von Studierenden während des Semesters digital überprüfen lassen.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die TU Kaiserslautern untersuchen im Projekt „gLabAssist“, wie sich Lerneffekte bei Praktika im Physik-Labor durch den Einsatz von Datenbrillen steigern lassen. Während des Experimentierens bekommen Studierende zusätzlich Informationen mit physikalischen Zusammenhängen ins Sichtfeld eingeblendet.

Im Projekt „Flipps“ gehen die Universitäten Mainz, Düsseldorf und Berlin (Humboldt) der Frage nach, ob das sogenannte Flipped-Classroom-Konzept hilft, Lernprozesse insbesondere bei Statistik-Vorlesungen zu verbessern. Bei diesem „umgedrehten Unterricht“ eignen sich Studierende neues Wissen nicht im Hörsaal an, sondern erarbeiten den Stoff zunächst selbstständig mit Hilfe von digitalen Vorlesungsskripten, Videos oder Podcasts außerhalb der Lehrzeit. Die Präsenzveranstaltung dient dann vor allem zum Vertiefen des Gelernten und zur Klärung offener Fragen.

Die Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal wollen im Rahmen des „Industrial eLab“ angehenden Ingenieuren den Zugriff auf sogenannte Remote-Labs mit echten Maschinen und Werkzeugen über webbasierte Schnittstellen ermöglichen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Projekt „FAB101“, an dem die Uni Siegen, die Folkwang Universität der Künste, die RWTH Aachen und die Uni Bremen beteiligt sind. Bei „FAB101“ stehen insbesondere die standortübergreifende Nutzung von digitalen Fabrikationsinfrastrukturen (3D-Drucker, CNC-Fräsen) und die Entwicklung neuer Lehr- und Lernkonzepte im Mittelpunkt. (pmz@ct.de)

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