c't 1/2018
S. 38
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Android
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Quelle: Google

Keks reloaded

Erstes Oreo-Update und Android Go für schwache Hardware

Rund ein Vierteljahr nach der Einführung von Android 8.0 steht das erste Funktions-Update mit einigen Neuerungen vor der Tür.

Google hat bei Android 8.1 vor allem unter der Haube Änderungen vorgenommen und Fehler behoben. So lässt sich auf Pixel-2-Smartphones erstmals der Visual-Core-Coprozessor nutzen. Der Achtkern-Chip soll das Errechnen von HDR-Bildern und Machine-Learning-Anwendungen deutlich beschleunigen. Damit Letzteres direkt auf den Endgeräten klappt, ist das Neuronal Networks API mit an Bord.

Zu den sichtbaren Neuerungen zählt, dass Oreo 8.1 bei öffentlichen Netzwerken nicht nur die Signalstärke des WLAN, sondern auch dessen erwartbare Geschwindigkeit anzeigt. Die vier Stufen von „langsam“ bis „sehr schnell“ geben Auskunft darüber, ob sich das Netzwerk zum Surfen eignet oder man sich das Verbinden gleich sparen kann. Apropos Anzeige: Bei gekoppelten Bluetooth-Geräten wie Kopfhörern blendet Android 8.1 in der Quick-Settings-Leiste neben dem Verbindungssymbol den Akkustand des Geräts ein. Ach, und ab 8.1 liegt die Käsescheibe beim Burger-Emoji nun auch wieder an der richtigen Stelle …

Mit Android 8.1 wird sich erstmals zeigen, ob das mit Oreo eingeführte Project Treble wirklich eine schnellere Verbreitung von Updates sicherstellt. Alle mit Android 8 ausgelieferten Smartphones sollten sich dank der Trennung von Betriebssystem und dessen technischem Unterbau – zumindest theoretisch – zeitnah mit Updates versorgen lassen.

Für ältere Telefone siehts mit Updates aber nach wie vor eher mau aus, da Treble nur bei mit Oreo ausgelieferten Geräten verbindlich ist. Das erklärt, weshalb die Verbreitung von Android 8.0 in den vergangenen vier Wochen lediglich von 0,3 auf 0,5 Prozent gestiegen ist. Immerhin ist der Anteil von Geräten mit Android 7.0 und 7.1 von 20,6 auf 23,3 Prozent geklettert. Android 7 dürfte somit im nächsten Monat Android 5 (26,3 %) überholen. Also bislang noch kein Grund zum Jubeln, denn in vielen Fällen würden einfach alte Knochen von Nutzern ausrangiert und durch Modelle mit Android 7 ersetzt. Zum Vergleich: Das einige Wochen nach Android 8 eingeführte iOS 11 ist bereits auf knapp der Hälfte aller Apple-Geräte installiert. Einzig für die eigenen Geräte der Pixel-Linie und für das Nexus 5X wurde mit der Verteilung von 8.1 schon begonnen.

Android Go für schwache Geräte

Zusammen mit Android 8.1 gibt Google auch den Startschuss für Android Go. Die im Frühjahr auf der Entwicklerkonferenz Google I/O angekündigte Android-Variante ist für schwache Hardware konzipiert. Geräte mit einem Arbeitsspeicher von 512 MByte bis zu 1 GByte sollen in den Genuss der Go-Optimierung kommen. Sie umfasst laut Google drei Kernfaktoren. So wurde das Betriebssystem selbst auf schonenden Umgang mit knappen Ressourcen wie Speicher und wenig Rechenpower optimiert. Zusätzlich sind die mitgelieferten Google-Apps abgespeckt, sodass sie weniger Speicher benötigen. Google verspricht bei diesen „Go Apps“ eine Ersparnis von rund 50 Prozent. Auch sollen sie sich mit weniger Online-Bandbreite begnügen. Als dritter Faktor kommt der Play Store ins Spiel, der zwar Zugang zu allen Apps bietet, aber Empfehlungen gibt, welche App sich für Smartphones mit geringer Leistung eignen.

Diese Maßnahmen sorgen laut Google dafür, dass Android Go auf Einsteigergeräten rund 15 Prozent schneller läuft als die reguläre Version von Android 8.1. Für Nutzer älterer Handys klingt das verlockend nach einem Umstieg, doch Android Go wird nur Smartphone-Herstellern angeboten. Bleibt zu hoffen, dass die Custom-ROM-Szene künftig eigene Android-Go-Images anbieten wird.

Immerhin eine der Go-Apps stellt Google der Allgemeinheit zur Verfügung: Das Tool „Files Go“ hilft beim Entfernen von Platzfressern auf dem Smartphone. Es durchsucht den Speicher nach Medien aus Chat-Apps sowie nach doppelten, heruntergeladenen und besonders großen Dateien. Darüber hinaus bietet Files Go an, den Cache von Apps zu löschen und schlägt länger nicht verwendete Apps zur Deinstallation vor. Der Funktionsumfang entspricht damit anderen Smartphone-Säuberungs-Tools. Doch diese Drittanbieter-Apps haben oft – zweifelhafte – Werbenetzwerke huckepack oder kosten Geld. Bei Files Go braucht man sich hingegen keine Sorge um Spy- oder Malware zu machen. (spo@ct.de)

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