c't 1/2018
S. 21
News
Ladekonzept für E-Porsche

Porsches Mission E

Bei Porsche auf Sylt kann man Fahrzeuge auch außerhalb der E-Performance-Wochen für längere Probefahrten mieten. Unterm neuen Solar-Carport parkt der 918 Spyder Hybrid.

Porsche ist auf einer Mission – auf „Mission E“, um genau zu sein. Am Rande des E-Performance Workshops auf Sylt präsentierte das Unternehmen seine Strategie für das E-Auto der Zukunft und beruft sich dabei auf eine lange Tradition: Bereits 1900 bestaunten die Besucher der Pariser Weltausstellung den vollelektrischen Lohner-Porsche, dessen vier Radnabenmotoren von 1,8 Tonnen schweren Bleiakkus gespeist wurden. Das Akkuproblem löste Ferdinand Porsche, indem er wenig später eine Hybridversion mit Verbrennungsmotor vom Kollegen Daimler vorstellte. Die nächsten rund 100 Jahre war vom E-Antrieb nicht mehr viel zu hören.

Das wird sich mit dem Mission E ändern. Ab 2019 soll der vollelektrische Sportwagen aus Zuffenhausen erhältlich sein. Eine Reichweite von mindestens 500 Kilometer soll er ebenso mitbringen wie Schnellladefähigkeit, um ihn in rund 15 Minuten wieder zu 80 Prozent aufzuladen. Aber in der Ladeinfrastruktur liegt das Kernproblem, denn das schnellste E-Auto nützt nichts, wenn man nicht mit einem kurzen Tankstopp von München nach Sylt kommt.

Während E-Pionier Tesla ganz auf das eigene Netz aus Superchargern setzt, verlässt sich Porsche auf Ionity, ein Joint Venture, in dem sich neben dem Volkswagenkonzern auch Daimler, BMW und Ford eingebracht haben. Ionity will schon im Laufe des nächsten Jahres ein europaweites Netz aus 400 Schnellladepunkten knüpfen, dessen Knotenpunkte maximal 120 Kilometer voneinander entfernt sind.

Das Joint Venture Ionity will bis 2020 europaweit ein Netz aus 400 Schnelladepunkte aufbauen. BMW, Mercedes, Ford und der VW-Konzern sind mit dabei.

„Im Mission E wird der Fahrer durch das Navi einen Routenvorschlag mit Tankmöglichkeiten erhalten. Der Ladeservice soll dem Kunden den Ladestress vollkommen abnehmen, indem er Ladestationen auf der Route reserviert“, erklärt Dr. Frank Weberbauer, Leiter Mobilitätskonzepte und -infrastruktur bei Porsche. Ionity setzt auf den CCS-Standard und will Ladeströme bis 350 kW ermöglichen. Ebenfalls im Gespräch: Das bequeme Aufladen per Wireless Charging in der heimischen Garage. „Wir gehen davon aus, dass 90 Prozent der Aufladevorgänge daheim stattfinden werden“, so Weberbauer. Bei einem selten gefahrenen Sportwagen mag das hinkommen.

Zusätzlich zu den von Ionity installierten Ladestationen arbeitet Porsche an einem Konzept für „gebrandete Destination-Charger“ – unter der Marke Porsche geführte Ladestationen an ausgewählten Lokalitäten. In Kooperation mit acht Partnern sollen 2018 insgesamt 14 Ladepunkte entstehen, an denen man seinen Porsche-Hybrid mit bis zu 22 kW laden kann. Bis zur Einführung des Mission E sollen weitere Destination-Charger an ausgewählten Hotels, Golfplätzen oder Skigebieten folgen.

Noch bis Ende des Jahres können Interessenten den derzeitigen Stand der Elektrifizierung bei Porsche persönlich „erfahren“. Im Rahmen der E-Performance-Wochen bietet das Unternehmen auf Sylt kostenlose Probefahrten mit aktuellen Fahrzeugen seiner Hybrid-Flotte an. (sha@ct.de)