c't 2/2018
S. 120
Praxis
ISDN
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Endspurt

ISDN-Abschied rechtzeitig planen, Reserven einbauen

Wenn im Lauf des Jahres auch für die letzten Telekom-Kunden kein ISDN mehr aus der TAE-Steckdose kommt, braucht man für seine verbliebenen ISDN-Geräte einen neuen Anschluss. Wir fassen zusammen, welche Wege sich für den Umstieg anbieten und wie man sich gegen etwaige VoIP-Ausfälle wappnet.

Seit Mitte 2014 stellt die Deutsche Telekom ihre über 20 Millionen ISDN-Anschlüsse aus Kostengründen auf Internet-Anschlüsse um und damit auf Voice over IP (VoIP). Ein einziges Netz für alle Dienste lässt sich schließlich kostengünstiger unterhalten als zwei – daher auch der Begriff All-IP-Technik, der bedeutet, dass Telefon-, TV- und Internet-Dienst über einen Anschluss bereitgestellt werden.

Die Telekom will die Umstellung „bis 2018“ bewältigt haben. Andere Anbieter lassen sich mehr Zeit. Beispielsweise will Vodafone an ISDN bis 2022 festhalten, Colt und QSC gar „solange ausreichend Nachfrage vorhanden ist“. Wann genau der letzte ISDN-Anschluss der Telekom abgeklemmt wird, dazu äußerte sich der Konzern auf Nachfragen nicht. Aber pro Woche werden rund 60.000 Anschlüsse umgestellt; Mitte November 2017 telefonierten laut dem Unternehmen rund 80 Prozent der Telekom-Kunden übers Internet.

Tk-Anlage ans DSL

Für den Wechsel des Telefondienstes von ISDN auf IP halten diverse Hersteller passende Produkte parat. Für Privatkunden und kleine bis mittelständische Betriebe bieten sich generell drei Umstiegsarten an: Im ersten Fall bleibt eine Tk-Anlage weitgehend unverändert im Haus, im zweiten Fall wird sie modernisiert oder ersetzt und im dritten in die Cloud verlagert.

Für den ersten Weg in die All-IP-Welt spricht, dass dabei im optimalen Fall lediglich die Anschlussart gewechselt wird und die Tk-Anlage mitsamt den Nebenstellen weiterläuft. Das klappt mit vielen neueren Telefonanlagen, weil sie sowohl für ISDN- als auch für IP-Anschlüsse gerüstet sind (hybride Tk-Anlagen). Bei solchen Anlagen muss man lediglich die Anschlussart umkonfigurieren. Das trifft auf Modelle von Agfeo, Avaya, bintec elmeg oder Unify zu. Größere Firmen können Router oder Gateways von ihrem Netzbetreiber mieten, um ältere Anlagen auf S2M-Basis (Primärmultiplex) über einen IP-Anschluss betreiben zu können.

Manche Netzbetreiber haben für Geschäftskunden wie Handwerksbetriebe spezielle Tarife im Angebot. Beispiel Vodafone: Die Firma bindet ISDN-Tk-Anlagen mit 2 bis 8 Sprachkanälen über einen eigenen Router ans Internet an. Je nach Anschlussart (16, 50 oder 100 MBit/s) kostet das monatlich zwischen 34 und 107 Euro. Gesprächsgebühren kommen obendrauf. Bucht man Pauschaloptionen hinzu, kann man die Kosten für netzinterne Gespräche, für Festnetzgespräche innerhalb Deutschlands, für Mobilfunk und für internationale Gespräche deckeln (Vodafone-Flat, Festnetz-Flat, Mobilfunk-Flat, International-Flat 1, max. 303 Euro).

Tk-Anlage an Router

Oft wird es allerdings günstiger sein, den DSL-Anschluss im Paket mit einem Telefonie-Tarif selbst zu wählen – Hilfestellung zur Tarifauswahl finden Sie im Artikel ab Seite 56.

TK-Anlagen lassen sich an Routern wie der Fritzbox (links) oder Zyxel VMG8546 anschließen. Falls ein S0-Bus fehlt, hilft Telekoms Speedport-ISDN-Adapter weiter.

Bei der DSL-Wahl sollte man genügend Reserven für die Sprachübertragung einplanen. Moderne Codecs können die Sprachsignale beider Richtungen auf rund 40 kBit/s zusammenstauchen (z. B. G.726). Aber nicht jede Gegenstelle enthält jeden Codec. Der kleinste gemeinsame Nenner ist G.711 und von dessen Datenrate sollten Sie ausgehen, wenn Sie den Bedarf einer Tk-Anlage abschätzen wollen. G.711 belegt rund 100 kBit/s.

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Die verbreiteten Fritzboxen mit Telefoniefunktion besitzen ab Werk einen ISDN-S0-Bus. Deren Besitzer können bei Wegfall des ISDN die verbliebenen Geräte prinzipiell einfach umstecken. Alle anderen brauchen entweder einen Adapter oder einen neuen Router.