c't 4/2018
S. 70
Test
Notebooks
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Wiedereintritt

15,6-Zoll-Notebooks mit AMD Ryzen

Mit dem mobilen Ableger seiner Ryzen-Prozessoren meldet sich AMD eindrucksvoll im Notebook-Markt zurück. Die ersten Ryzen-Notebooks haben zudem komfortbringende Ausstattungsmerkmale, statt auf einen niedrigen Preis optimiert zu sein.

Weil AMDs bisherige A-Serie-CPUs im Vergleich zu Intels Core-i-Prozessoren arg wenig Rechenleistung boten, motzten die Hersteller einerseits die Datenblätter mit unnötigen Komponenten wie lahmen Zusatz-GPUs auf und sparten andererseits an wichtigen Details wie Bildschirm oder SSD, um billiger verkaufen zu können. Jetzt, wo AMD mit den Ryzen-Prozessoren Intel wieder Konkurrenz auf Augenhöhe bietet, ändert sich prompt das Marktangebot: Die beiden ersten Notebooks mit mobilen Ryzen-Prozessoren, das Acer Swift 3 und das HP Envy x360 15, bieten blickwinkelstabile IPS-Bildschirme, beleuchtete Tastaturen, USB-C-Schnittstellen und biometrische Hardware für Windows Hello – und kosten mindestens 780 Euro.

Mobiler Ryzen

Die ersten Ryzen-CPUs für Desktop-PCs waren potente Achtkerner, die sich mangels integrierter Grafikeinheit nicht für Notebooks eigneten. Die Ryzen-CPUs für Notebooks entstammen denn auch der zweiten Ryzen-Generation (Codename Raven Ridge) mit vier CPU-Kernen und einer Grafikeinheit; sie haben damit dieselben Eckdaten wie Intels Prozessoren der achten Core-i-Generation. Im Prozessor-Benchmark Cinebench R15, der alten AMD-Prozessoren gar nicht schmeckte, erzielen die mobilen Ryzen-Modelle je nach Notebook zwischen 570 und 600 Punkte – das ist etwas mehr, als Intels Gegenstücke üblicherweise schaffen.

Dass die exakten Werte von Gerät zu Gerät schwanken, liegt an zwei Besonderheiten aller aktuellen Notebook-Prozessoren. Einerseits haben sie zwar nominell 15 Watt Abwärme, doch mittels cTDP (configurable Thermal Design Power) dürfen Notebook-Hersteller ihnen bis zu 25 Watt Abwärme-Budget zugestehen, wenn die Kühlsysteme entsprechend ausgelegt werden – und mehr Abwärme bedeutet höhere Rechenleistung.

Andererseits kommt es ganz allgemein auf die Kühlsysteme an, die von Notebook zu Notebook verschieden sind: Alle modernen Prozessoren haben Turbo-Frequenzen, in denen sie nur verweilen können, solange die Kühler die Abwärme auch abführen können und gewisse Grenzwerte bei der Stromaufnahme, die mit der Temperatur korreliert, nicht überschritten werden. Kommt das Kühlsystem bei anhaltender Dauerlast nicht mehr hinterher, dann fallen die CPUs auf ihre garantierten, viel geringeren Basis-Frequenzen zurück, was spür- und messbar zu Lasten der Performance geht.

Mobile Vega

Die in Raven-Ridge-Prozessoren enthaltene Grafikeinheit basiert auf der von Desktop-Grafikkarten bekannten GPU-Architektur Vega. Anders als dort gibt es aber wesentlich weniger Shader-Einheiten, nämlich nur 10 CUs (Radeon Vega 10 Mobile im Ryzen 7 2700U) oder 8 CUs (Radeon Vega 8 Mobile im Ryzen 5 2500U). Auch findet man keinen HBM2- oder GDDR5-Speicher; stattdessen nutzen die integrierten GPUs wie üblich den Hauptspeicher mit.

Mit den mobilen Ryzen-Prozessoren meldet sich AMD im Notebook-Markt zurück.

Im 3DMark erzielten die integrierten Vega-GPUs in den drei Untertests Sky Diver, Fire Strike und Time Spy jeweils etwa die doppelten Punktzahlen von der Intel UHD 620, die in Core-i-8000-CPUs steckt. Die Ergebnisse liegen nur knapp unter denen, die die Kombination aus Intel-Vierkern und Nvidias Einsteiger-GPU GeForce MX150 schaffen. Damit eignen sich die AMD-Notebooks wie solche mit Intel-GPU nicht für aktuelle 3D-Blockbuster-Spiele, doch in eSports-Titeln wie CounterStrike, DOTA 2 oder Overwatch kann man mehr Details hinzuschalten, ohne dass es zu Rucklern kommt.

Die Energieaufnahme im Leerlauf respektive die von uns gemessenen Laufzeiten von bis zu acht Stunden sind nicht herausragend, gehen für 15,6-Zoll-Notebooks aber in Ordnung. Eventuell können künftige BIOS- oder Treiber-Updates hier noch für Verbesserungen sorgen.

Update-Probleme

In den USA werden die beiden hier getesteten Notebooks schon seit Mitte November ausgeliefert; damals liefen sie noch nicht rund. Die zwei Monate bis zum deutschen Verkaufsstart haben ihnen gutgetan; wir haben im Testzeitraum keine Stabilitätsprobleme festgestellt. Dennoch sollten Käufer regelmäßig nach Updates Ausschau halten – Raven Ridge ist schließlich eine nagelneue Plattform.

Leider versagten die von Acer und HP vorinstallierten Update-Tools, die dem Nutzer ein manuelles Durchforsten der Support-Webseiten ersparen sollen, auf den beiden Notebooks auf voller Linie. So meldete das Acer-Tool, dass das Notebook auf dem aktuellen Stand sei, obwohl auf Acers Support-Webseiten schon seit mehreren Wochen eine neuere BIOS-Version bereitstand. Wir haben das neue BIOS vor Testbeginn von Hand eingespielt.

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Tabelle: Notebook-CPUs: AMD Ryzen gegen Intel Core i

HPs Hilfsprogramm fand gleich fünf verschiedene Treiber- und Software-Updates, doch eine Installation dieser schlug immer fehl – unabhängig davon, ob nur eines oder mehrere der angebotenen Pakete ausgewählt waren. Auf HPs Support-Webseite wurde es unübersichtlich: Nach Eingabe der exakten Produktbezeichnung wurden beispielsweise zwei verschiedene Grafiktreiberpakete angeboten, nämlich ein AMD-Treiber für Raven Ridge und Windows 10 1703 und ein AMD-Treiber für Kaby Lake und Windows 10 1709. Erster entsprach dem ab Werk vorinstallierten Treiber, letzterer ließ sich trotz auf Windows 10 1709 aktualisierter Vorinstallation nicht installieren – kein Wunder, ist Kaby Lake doch ein Intel-Codename und der Treiber wohl für Intel-Notebooks mit AMD-Zusatzgrafikchip gedacht. Hat man eines der Softpaq genannten Treiberpakete manuell heruntergeladen und entpackt, geht das Update-Hilfsprogramm übrigens davon aus, dass alles passt und zeigt das Paket in seiner Liste ausstehender Updates nicht mehr an.

Beide Notebooks wurden ab Werk mit Grafiktreibern ausgeliefert, deren Versionsnummern mit 17.30 beginnen, was nicht der offiziellen AMD-Nomenklatur „Jahr.Monat“ entspricht und so manches Diagnose-Tool aus dem Tritt bringt. Die Treiberpakete beider Support-Webseiten bezeichneten die Version bei der manuellen Installation jeweils als 17.7, die im Oktober (HP) beziehungsweise November (Acer) kompiliert wurden; neuere Grafiktreiber bietet keiner der beiden Notebook-Hersteller an.

AMDs Mitte Januar veröffentlichte Referenztreiber 18.1.1 lassen sich auf dem HP Envy x360 15 nicht installieren, weil der Installer keine passende Grafikhardware findet. Auf dem Acer Swift 3 funktioniert zwar die Installation, doch anschließend ist weiterhin der von Acer vorinstallierte Treiber aktiv. AMDs Versprechen, ab dem Erstveröffentlichungstag neuer Spiele immer einen optimierten Treiber anzubieten, läuft hier also ins Leere.

Fazit

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Tabelle: 15,6-Zoll-Notebooks mit AMD Ryzen: Daten und Testergebnisse

Hohe Rechenleistung auf Intel-Niveau, blickwinkelunabhängige IPS-Bildschirme, Windows-Hello-Hardware, MU-MIMO-fähige WLAN-Module und beleuchtete Tastaturen: Die beiden ersten Ryzen-Notebooks machen vieles richtig und Lust auf mehr. Mit einer höheren Prozessorleistung, einer schnelleren SSD, einer längeren Laufzeit und 360-Grad-Scharnieren plus Touchscreen bietet das HP Envy x360 15 mehr fürs Geld als das Acer Swift 3.

Die Versorgung mit Updates durch die Hersteller, welche sowohl generell bei neuen Plattformen als auch in Zeiten von Sicherheitslücken wie Spectre wichtig ist, lässt aber bei beiden 15,6-Zoll-Notebooks zu wünschen übrig.

In Kürze soll es mit dem IdeaPad 720S-13ARR den ersten 13,3-Zöller mit AMD Ryzen geben; Lenovo lockt dabei unter anderem mit einem matten Bildschirm. Wir sind sehr gespannt, ob das 720S auch bei der Laufzeit mit kompakten Intel-Notebooks gleichziehen kann. (mue@ct.de)

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