c't 6/2018
S. 174
Spielekritik
Rollenspiel
Aufmacherbild

Dunkles Zeitalter

Die Mittelalter-Simulation Kingdom Come: Deliverance

Keine Drachen, keine Magier: In ihrem Rollenspiel setzen die Entwickler Warhorse auf eine authentische Rekonstruktion des 15. Jahrhunderts. Das ambitionierte Werk strotzt jedoch vor Fehlern.

Kingdom Come: Deliverance entführt Spieler in das düstere Mittelalter des frühen 15. Jahrhunderts. Böhmen steht vor einem Bürgerkrieg: Auf der einen Seite die treuen Unterstützer des abgesetzten Königs Wenzel und auf der anderen Seite sein Halbbruder Sigismund, der von Ungarn aus die Gunst der Stunde nutzen will, um sich Böhmen einzuverleiben. Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen Schmieds Heinrich. Nach dem brutalen Mord an seinen Eltern wird er in einen Bürgerkrieg hineingezogen, der die Zukunft Europas prägen wird.

Obwohl Szenario und Story epische Massenschlachten und packende Schwertduelle erwarten lassen, ist Kingdom Come: Deliverance kein Action-Rollenspiel wie etwa The Witcher oder Skyrim. Oft ist Heinrich lange unterwegs, klappert Dörfer ab und führt Untersuchungen für seinen Fürsten durch. Dadurch lernt der Spieler eine detailreiche Mittelalter-Welt kennen, in der er Wild jagt, Tränke braut und auf Diebestour geht. Cleverness und Kombinationsgaben sind in den Missionen allerdings nicht vonnöten, sie fordern lediglich sehr hohes Durchhaltevermögen. Daran ändert auch die „Schnellreise“ wenig, die den Spieler dazu verdammt, minutenlang untätig vor dem Bildschirm zu sitzen, während seine Spielfigur über die Landkarte wandert.

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